DLRG: Selbstüberschätzung Grund für tödliche Badeunfälle

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Düsseldorf - Tödliche Badeunfälle häufen sich bereits - obwohl es in diesem Jahr noch nicht viele heiße Sommertage gab. In der Ruhr ertrank ein Achtjähriger, in einem Düsseldorfer See ein Zwölfjähriger. Lebensretter von der DLRG warnen, die eigenen Kräfte zu überschätzen.

Nach zwei tödlichen Badeunfällen an der Ruhrund an einem Düsseldorfer See warnt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) vor Selbstüberschätzung. Nicht nur Kinder oder Jugendliche, sondern auch Erwachsene bringen sich sonst selbst in Gefahr, wie der Sprecher der DLRG Nordrhein, Michael Grohe, sagt. Im dpa-Interview erinnert er an Baderegeln, die schon Kinder lernen sollten. Allerdings mache sich die DLRG schon länger Sorgen, weil der Schwimmunterricht oft zu kurz komme.

Kaum kommt die Sonne heraus und die Temperaturen steigen, häufen sich die tödlichen Badeunfälle. Was sind die größten Gefahren an Seen und Flüssen?

Grohe: Die größte Gefahr aus unserer Sicht ist die Überschätzung der eigenen Kräfte. Oft ist es so, dass Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene ins Wasser gehen und meinen, Strecken zurücklegen zu können, die allerdings nicht in ihren Kräften liegen. Oder sie machen Dinge wie Tauchen oder Ähnliches, was sie aber eigentlich nicht beherrschen. Damit bringen sie sich selbst in Gefahr.

Und das trifft auch auf Erwachsene zu...

Grohe: Selbstverständlich, gerade wenn Gruppen unterwegs sind, will man sich vielleicht gegenüber anderen beweisen. Selbstüberschätzung trifft man in jeden Alter an.

Im Fall von Baggerseen warnen Sie ja vor besonderen Gefahren. Was sind da die Risiken?

Grohe: Baggerseen sind - wie der Name sagt - nicht natürlich entstanden, da ist ausgebaggert worden. Demzufolge findet man dort häufig steile Abbruchkanten am Ufer, wo es plötzlich mehrere Meter tief nach unten geht. Dadurch wiederum können Strömungen und Strudel entstehen, auch Temperaturunterschiede durch den plötzlichen Grundabfall. Außerdem besteht die Gefahr, dass aus der gewerblichen Nutzung noch Geräte im Wasser sind, die man von der Oberfläche aus nicht sieht.

Und was sind an Flüssen wie Rhein und Ruhr die besonderen Gefahren?

Grohe: Neben der natürlichen Strömung ist das häufig auch die Nutzung durch die Berufsschifffahrt - gerade auch auf dem Rhein. Der wird ja sehr intensiv als Schifffahrtsstraße genutzt. Dadurch hat man Sog und Wellenschlag. Dazu kommen Bauwerke wie Brücken, Hafeneinfahrten und Buhnen, die zusätzliche Gefahrenquellen sind.

Wenn man sich denn abkühlen will - worauf sollte man dann zumindest achten?

Grohe: Grundsätzlich kann man sagen, dass man an bewachte Badestellen gehen soll. Und dann gibt es die klassischen Baderegeln, die man beachten sollte: Man sollte sich abkühlen, bevor man ins Wasser geht. Gerade wenn man den ganzen Tag am Ufer in der Sonne liegt, sollte man nicht einfach reinrennen ins Wasser - das ist für den Kreislauf Gift. Man sollte auch nicht eine Riesenportion Fritten essen und dann ins Wasser springen. Das sind Dinge, die Kinder schon in der Schwimmausbildung lernen.

Allerdings scheinen viele Kinder und auch ältere Jugendliche gar nicht mehr schwimmen zu lernen. Wie erklären Sie sich das?

Grohe: Das ist eine Entwicklung, die wir mit Sorge betrachten. Es ist so, dass Schwimmausbildung in den Schulen weniger und weniger intensiv stattfindet. Die Vereine haben damit zu kämpfen, dass Bäder geschlossen werden. Oder Bäder werden in Spaßbäder umgewandelt. Das ist als Touristenattraktion schön, für eine Schwimmausbildung vielfach aber nicht geeignet. Da fehlt dann etwa die Möglichkeit, das Springen mit einem Sprungturm zu üben. All das wirkt sich auf die Schwimmfähigkeit der Kinder aus.

Quelle: wa.de

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