Ach du dickes D: Düsseldorfs neues Logo ist nicht ganz neu

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DÜSSELDORF - Wenn eine Stadt wie Düsseldorf eine Dachmarke will und beim Corporate Design auf ein neues Logo setzt, freut sich der Werber - und der Bürger wundert sich.

Ein Emoticon soll in den dürren Zeilen digitaler Kommunikation das ausdrücken, was sonst zu kurz käme: die Emotion. ":D" steht dabei für ein lachendes Gesicht. Dieses sympathische Lachen will Düsseldorf nun für sich nutzen, um sein Image aufzupolieren. Es soll das neue Logo der Stadt werden. Die Werbeagentur BBDO war dabei behilflich. Aber schnell kam heraus: Mit dem lachenden D wird bereits für Dubrovnik und die Arbeitsschutz-Schau Dasa in Dortmund geworben. Nachwuchswerber gewannen damit sogar schon vor Jahren einen Preis für eine Dänemark-Kampagne.

Und nun meldet sich auch noch eine kleine Werbeagentur, die das lachende D bereits vor eineinhalb Jahren einem Düsseldorfer Dentisten auf die Fahne geschrieben hat - zu einem Bruchteil des Preises von mindestens 150 000 Euro übrigens, den die Stadt an BBDO zahlen soll. Der Zahnarzt fürchtet nun, dass ihm die Nutzung seines Logos streitig gemacht wird. "Es würde mich nicht stören, wenn die Stadt damit wirbt, aber ich möchte es auch weiterhin nutzen dürfen", sagt er auf Anfrage.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Publicity bekommt Düsseldorf derzeit reichlich, wenn auch wohl nicht in der erhofften Form: Sogar das böse Wort "Plagiat" macht die Runde. Im Internet wird bereits über die ":Dorfdeppen" hergezogen, Motto: ":Dumm gelaufen". Ausgerechnet eine Kölner Zeitung ätzt, das dicke D erinnere doch sehr an die aufgespritzten Lippen der Damen auf der schicken Einkaufsmeile Kö. Das tut weh, will man doch in Düsseldorf genau von diesem Image wegkommen.

Alles nicht so schlimm, lautet nun die offizielle Losung. Schließlich habe sich noch keine Stadt oder Region das Logo als Marke schützen lassen, betonen eine Sprecherin der Stadtverwaltung und ein Sprecher von BBDO. Genau dies hat nun die Werbeagentur für Düsseldorf beantragt, bestätigt eine Sprecherin des Deutschen Patent- und Markenamtes in München. Aktenzeichen 302012047315.

Ob jemand ältere Rechte hat als Düsseldorf, dürfte sich erst in einiger Zeit herausstellen. Erst wenn die Marke eingetragen ist, könnten andere Nutzer dem Markenschutz widersprechen und die Löschung beantragen. "Wir prüfen eine Kollision erst bei einem Widerspruch", heißt es in München.

Die Gefahr sieht man in Düsseldorf als gering, das sei schließlich geprüft worden: Für Dubrovnik werbe nur eine private T-Shirt-Firma, die Dänemark-Kampagne sei nie realisiert worden. Und die Dasa-Arbeitsschutzschau in Dortmund, die der Bundesarbeitsministerin untersteht? Hat kein Problem mit dem Düsseldorfer :D. "Wir können damit sehr gut leben", sagt ein Sprecher.

Dass das Emoticon bereits breit verwendet wird, sei schließlich bekanntgewesen, sagt BBDO-Sprecher Dirk Popp. "Wir sehen das einigermaßen gelassen. Solche Kampagnen werden immer kontrovers, politisch und emotional diskutiert. Wir sind von der Kraft unseres Entwurfs absolut überzeugt." - lnw

Quelle: wa.de

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