Politik erhöht Druck auf DFL

Clubs nach Derby-Krawallen in der Pflicht

[UPDATE 15.30 Uhr] DORTMUND/DÜSSELDORF/FRANKFURT - Nach den Krawallen beim Bundesliga-Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 hat sich Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Montag entsetzt gezeigt.

"Es ist nicht akzeptabel, dass Polizisten angegriffen werden. Konsequent werden wir die Videos auswerten und Strafverfahren einleiten", sagte er der Nachrichtenagentur dpa in Münster.

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Er forderte die Fußball-Profvereine auf, sich noch stärker von Gewalttätern unter den Fangruppen abzugrenzen und mehr in die Sicherheit zu investieren. "Gerade die Vereine, die noch mehr Geld aus den Fernsehtöpfen erhalten, müssen jetzt hier Geld ausgeben", forderte Jäger. Gleichzeitig sprach er sich gegen radikale Lösungen wie Zuschauer-Aussperrungen aus: "Das trifft die Falschen."

Die Polizei war mit 1200 Beamten in Dortmund im Einsatz. Das sind doppelt so viele wie bei Bundesliga-Spielen üblich. Laut Innenminister verbringen die Beamten der Einsatzhundertschaften 30 Prozent ihrer Arbeitszeit beim Fußball. "Diesen Aufwand akzeptiert die Bevölkerung nicht mehr", sagte Jäger.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) steht beim Kampf gegen die Gewalt in den Stadien indes mit dem Rücken zur Wand - und könnte schon bald das Heft des Handelns aus der Hand gerissen bekommen. Noch bevor die Sicherheitskommission des Ligaverbands am Montag in Frankfurt/Main zu einer Tagung zusammenkam, gaben andere Akteure die Richtung vor.

Nach den schweren Krawallen beim Revier-Derby steht das neue Sicherheitskonzept vor dem Aus, bevor es überhaupt beschlossen werden konnte. "Die Ausschreitungen zeigen eindrucksvoll, dass die Zeit zum Handeln gekommen ist. Trotz der ausführlichen Gespräche im Sommer ist es offensichtlich nicht gelungen, die Gewalt in den Fußballstadien einzudämmen", sagte Lorenz Caffier, Vorsitzender der Innenministerkonferenz, im Gespräch mit Sport Bild plus. Sollte sich die DFL mit den 36 Profivereinen aus der 1. und 2. Liga nicht auf ein Sicherheitskonzept einigen können, droht die Politik als Entscheidungsträger an ihre Stelle zu treten.

Zudem kritisierte Caffier, der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, indirekt das Vorgehen des Verbandes, das "Eckpunktepapier zur Förderung eines sicheren Stadionerlebnisses" als Diskussionsgrundlage zu bezeichnen. "Die am Samstag gezeigte Form der Gewalt gegen Fans gegnerischer Mannschaften sowie auch gegen Polizeibeamte dürfen die Vereine und die Politik nicht länger hinnehmen. Geredet ist nun genug. Jetzt müssen Taten folgen", sagte Caffier.

Die DFL wollte sich vor dem Ende des Treffens nicht zu der Thematik äußern. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach sich für ein sofortiges Ende des Dialogs mit den Fanvertretern aus. "Es gibt eine kleine Gruppe von rund 4000 Hooligans und Ultras, diese Gruppierung spricht nicht mit uns, die wollen gar nicht mit uns reden, diese kleine Gruppe erkennt Gesetze und Regelungen nicht an. Von daher muss die Zeit der Runden Tische für Gewaltbereite vorbei sein", sagte Nordrhein-Westfalens stellvertretender GdP-Chef Arnold Plickert am Montag in einem WDR2-Radiointerview.

Aus Sicht des Polizei-Gewerkschafters hat die Entwicklung den Einsatz besonders geschulter Staatsanwälte inzwischen zwingend erforderlich gemacht: "Wir brauchen Fußball-Staatsanwälte, die das Geschäft tagtäglich kennen, die die gruppendynamischen Prozesse kennen, damit wir einen einheitlichen Maßstab haben." Zudem forderte Plickert gezielte Stadionverbote "für erkannte Rechtsbrecher und Gewalttäter" und "klare gesetzliche Regelungen, damit wir Bereichsbetretungsverbote und Meldeauflagen verhängen können".

Bereits zuvor hatten mehrere Vereine das geplante neue Sicherheitskonzept der DFL öffentlich abgelehnt. Bis zum Montag konnten die Profivereine zu dem Konzept Stellung nehmen und eigene Ideen einbringen. Als Vorreiter hatte Zweitligist Union Berlin "eine Vielzahl von oben herab bestimmten Maßnahmen und rechtlich anzuzweifelnder Sanktionierungen" kritisiert und den Vorwurf erhoben, der Maßnahmenkatalog stehe "dem notwendigen Dialog im Weg".

Dabei hatte Liga-Chef Reinhard Rauball die Klubs eindringlich zur Solidarität gemahnt. "Das gemeinsame Vorgehen ist das A und O bei diesem Thema. Nur so kann das Vorhaben Erfolg haben. Es darf nicht sein, dass sich einige Klubverantwortliche zu Lasten der Solidargemeinschaft bei den Fans profilieren wollen", hatte Rauball gesagt. Bei der nächsten Vollversammlung am 12. Dezember soll das Konzeptpapier "Sicheres Stadionerlebnis" verabschiedet werden. - lnw/sid

Quelle: wa.de

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