Datenschutz bremst Lebensretter aus

BONN ▪ Nach dem Selbstmord eines 18-jährigen Mannes im münsterländischen Greven hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter der Telekom aufgenommen. Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet, hat die Polizei Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gestellt. Die Telekom-Beschäftigten hätten sich geweigert, die Identität des Mannes zu offenbaren, nachdem dieser in einem Internetforum seinen Selbstmord angekündigt hatte. Als die Polizei seine Adresse nach drei Stunden durch einen anderen Anbieter herausfand, hatte sich der 18-Jährige bereits das Leben genommen.

Die Telekom sei der einzige Internetanbieter, mit dem es laut Polizei regelmäßig solche Probleme gebe. Ein Sprecher der Telekom sagte am Samstag in Bonn, das Telekommunikationsgesetz erlaube die Herausgabe von Nutzerdaten nur, wenn eine unmittelbare Bedrohung für Leib und Leben bestehe. Es sei häufig schwer abzuschätzen, ob es sich bei Selbstmordankündigen im Internet nur um einen „Jux“ oder Ernst handelte. „Die Mitarbeiter machen sich auf jeden Fall strafbar – entweder wegen Verstoßes gegen das Telekommunikationsgesetz oder wegen unterlassener Hilfeleistung.“

Nur in Rheinland-Pfalz erlaube das Landesgesetz in solchen Fällen die Herausgabe von Nutzerdaten. Zu konkreten Fall machte das Unternehmen keine Angaben, um mögliche Ermittlungen nicht zu beeinflussen. ▪ dpa

Quelle: wa.de

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