Die Cyber-Cops vom Rhein

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Im Internet auf Streife: Ermittler Christian Mirgel vom Landeskriminalamt in Düsseldorf. ▪

DÜSSELDORF ▪ Das Mädchen war acht Jahre alt, als ihr Vater für sie zu einem Monster wurde und anfing, sie zu missbrauchen. Sie, und ihre Stiefschwester, die vier Jahre älter war. Wieder und wieder wurden die Kinder Opfer. Die Stiefmutter schaute weg. Und der Vater machte perverse Fotos, die er mit anderen Perversen im Internet austauschte. Fünf Jahre dauerte das Martyrium für die Mädchen, bis ihr Vater (34) endlich aufflog. Enttarnt hatten ihn Internet-Spezialisten vom Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf.

Seit vier Jahren gehen zehn Fahnder des LKA systematisch auf Streife im Internet. In der Zeit haben die Cyber-Cops vom Rhein mehr als 3000 Straftaten aufgedeckt und rund 1800 Tatverdächtige ermittelt, wie NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) berichtet. Allein im vergangenen Jahr habe die „Zentrale Internetrecherche“ (ZIR) 67 Fälle von Kindesmissbrauch und 717 Fälle von Kinderpornografie aufgedeckt. 77 Mal habe man illegalen Arzneimittelhandel unterbunden, 277 Mal politisch motivierte Straftaten aufgeklärt.

Hinter den Ermittlungserfolgen stehen „Kollegen, die Bits und Bytes im Blut haben“, wie es ZIR-Chef Klaus Kisters formuliert. Die Ermittler surfen in sozialen Netzwerken, durchforsten Tauschbörsen, Blogs, Videoplattformen. Und haben Rechercheprogramme, die automatisch riesige Datenmengen durchsuchen auf der Suche nach verdächtigen Codes und Begriffen.

„Dabei müssen wir auch die Sprache der Täter lernen“, sagt Christian Mirgel, einer der Düsseldorfer Internet-Fahnder. In einem Bodybuilder-Forum herrscht nun mal ein anderer Ton als in einem Mädchen-Chat. Mirgel (38) war „schon immer Computerfreund“ – mit einem Atari im Kinderzimmer ging es los in den 80er Jahren, wie er erzählt. Heute jagt er Kriminelle, die mit gefälschten Medikamenten oder Anabolika handeln. Jeder im Cyber-Team hat sein Spezialgebiet. Einer seiner Erfolge: Mirgel zog einen Mann aus dem Verkehr, der in seinem Internetshop, nur Eingeweihten zugänglich, illegale Muskelaufbaupräparate und Potenzmittel verkaufte. Der Mann bekam 22 Monate Haft.

Von anderen Erfolgen berichtet sein Chef Kisters: Von „Lucie“ etwa, die rund 500 Mädchen im Netz kontaktiert hatte, deren Vertrauen erschlich und es irgendwie schaffte, Nacktfotos von den Mädchen zu bekommen. Mit denen aber wurden die Mädchen dann erpresst, denn hinter „Lucie“ steckte „Horst“, 50 Jahre alt, den die Fahnder schließlich fassten.

Kisters berichtet von Amok-Drohern, von Extremisten, von Betrügern. Und eben von Sextätern wie dem 34-Jährigen, der Tochter und Stieftochter missbraucht hatte. „Es ist gut, dass Papa weg ist“, habe die Tochter gesagt, berichtet Kisters: „Da haben wir unvorstellbares Leid beendet. Es sind diese Erfolge, von denen wir zehren.“ ▪ HOLGER DRECHSEL

Quelle: wa.de

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