Mediziner sendet Hilferuf

Coronavirus: Arzt aus dem Ruhrgebiet mit massiver Kritik - "Keiner ist in der Lage..."

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Udo Pappert hat seine Arztpraxis in Holzwickede im Kreis Unna.

Sind Hausärzte im Ruhrgebiet auf das Coronavirus vorbereitet? Ein Arzt aus dem Pott schlägt Alarm und äußert massive Kritik.

  • In NRW haben sich mittlerweile mehrere Personen mit dem Coronavirus infiziert.
  • Ein Arzt aus dem Kreis Unna warnt nun, dass die Praxen nicht ausreichend ausgestattet sind.
  • Vor allem an Desinfektionsmittel und Schutzmasken würde es dringend fehlen.

Kreis Unna/Ruhrgebiet - Die ersten Infizierten mit dem Coronavirus gab es vor wenigen Wochen in Bayern. Nun hat die Krankheit auch Nordrhein-Westfalen erreicht. Mittlerweile gibt es fünf bestätigte Fälle - zehn sind es aktuell in ganz Deutschland (Stand: 27. Februar 2020), *wie RUHR24.de berichtet.

Arzt aus dem Ruhrgebiet meint: Deutschland ist nicht gut auf das Coronavirus vorbereitet

Doch wie reagieren die Arztpraxen darauf, dass es jetzt auch Coronavirus-Patienten in NRW gibt? Ein Arzt aus Holzwickede im Kreis Unna hat seinen Ärger über die aktuelle Situation Luft gemacht. In einem Video, das am Mittwoch (26. Februar) bei Facebook aufgetaucht ist, erklärt Udo Pappert, dass Deutschland ganz und gar nicht gut auf das Coronavirus, wegen dem es im Ruhrgebiet schon zu Hamsterkäufen kommt, vorbereitet ist.

Arzt aus dem Ruhrgebiet warnt: Desinfektionsmittel und Mundschutz sind Mangelware

Er habe aktuell das Problem, seine Praxis ausreichend mit den benötigten Materialien ausstatten zu können. "Wir haben heute als Praxis mit täglich über 100 Patienten versucht, Händedesinfektionsmittel und Mundschütze für die Patienten zu besorgen. Es ist nicht möglich. Wir haben bei acht Großlieferanten angerufen - keiner ist in der Lage uns Desinfektionsmittel zur Verfügung zu stellen, geschweige denn Mundschutz." Die Not im Ruhrgebiet ist derzeit so groß, dass die Stadt Essen sogar online eine Anleitung zum Nähen von Mund-Nase-Schutzmasken zur Verfügung gestellt hat.

Eine Situation, die Udo Pappert nicht nachvollziehen kann. Seine Praxis sei zwar gut aufgestellt, doch man stehe ja gerade einmal am Anfang, so der 58-Jährige gegenüber RUHR24. Der Arzt habe natürlich Restbestände in seiner Praxis, doch damit würde er gerade mal eine Woche über die Runden kommen - im Video kündigte er deshalb an, seine Praxis im Kreis Unna schließen zu müssen.

Keine Unterstützung der Behörden: Arzt wollte Praxis schließen

"Das war gestern, da war ich verärgert", erklärt Udo Pappert, der das Video eigentlich nur per WhatsApp an Freunde geschickt hatte. Mittlerweile wurde der rund anderthalb minütige Clip bei Facebook über 1000 Mal geteilt. Und auch Lieferanten sind auf den Mediziner aufmerksam geworden. "Ich habe Angebote bekommen und konnte nun meine Reserven in der Praxis wieder auffüllen", sagt er im Gespräch mit RUHR24.

Die Problematik bestehe jedoch weiterhin. Der Arzt ist der Meinung, dass es schon viel eher Informationen für Patienten hätte geben müssen. Die Krankenhäuser seien zwar gut ausgestattet, in den Arztpraxen fehle es jedoch an Desinfektionsmitteln und Schutzmasken. Mit dieser Meinung steht der 58-Jährige nicht allein da, auch andere Ärzte in Deutschland fühlen sich von den Behörden allein gelassen.

Udo Pappert hat seine Arztpraxis in Holzwickede im Kreis Unna.

Coronavirus: Lieferengpässe von Desinfektionsmittel und Mundschutz darf es nicht geben

Und nicht nur das: "Zum einen darf es keine Lieferengpässe dieser Materialien geben. Und es kann auch nicht sein, dass die Preise bei den Lieferanten plötzlich um das Drei- bis Vierfache gestiegen sind", ärgert sich Udo Pappert. Diese Dinge seien einfach notwendig, um auch sich und seine Mitarbeiter vor möglichen infizierten Personen zu schützen.

Video: China: Wegen Coronavirus werden Atemmasken und Desinfektionsmittel knapp

In seiner Praxis sei es dem 58-Jährigen trotz der Probleme aber gelungen, die Hygienestandards "sehr hoch" zu halten. "Direkt am Eingang gibt es Info-Material sowie Desinfektionsmittel und Mundschütze für die Patienten." Die seien unterdessen trotz einiger Panikmache relativ entspannt, genau wie ihr Arzt. Ein Fläschchen Desinfektionsmittel zur Hand zu haben, könne sicher nicht schaden. "Große Massenveranstaltungen würde ich im Moment vielleicht auch meiden", so Pappert. Angst und Panik seien derzeit jedochfehl am Platz.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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