Gefahr für Bevölkerung in Covid-19-Krise

Coronavirus-Isolation: Professor aus Dortmund schlägt Alarm und warnt vor "ernsthaften Problemen"

Die Coronavirus-Krise und die einhergehende Isolation wird Folgen haben. Das meint ein Professor der Universität in Dortmund. Psychische Erkranken seien möglich.

  • Die Kontaktsperre zur Verhinderung der Ausweitung des Coronavirus* führt in Deutschland zur Isolation vieler Menschen.
  • Ein Professor aus Dortmund warnt nun vor einer zu langen Aufrechterhaltung der Maßnahme.
  • Die Vermeidung sozialer Kontakte hält der Wissenschaftler aktuell dennoch für angemessen.

Dortmund - Aus Sorge vor einer Ausweitung des Coronavirus befinden sich derzeit alle Deutschen in einer Art Dauer-Isolation. Wie lange hält ein Volk diese strengen Maßnahmen aus? Ein Statistik-Professor der TU Dortmund warnt nun vor drastischen Folgen, sollte der aktuelle Zustand zu lange weiter gehen, berichtet RUHR24.de*.

Coronavirus: Professor aus Dortmund warnt vor langer Isolation

Im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) warnte Walter Krämer vor tödlichen Folgekrankheiten durch eine langanhaltende Isolation aufgrund vor der Angst vor dem Coronavirus (Live-Ticker NRW)

"Die Leute werden Fett ansetzen, es wird Diabetes zunehmen, es wird häusliche Gewalt zunehmen, und es werden Selbstmorde zunehmen. Dauern die aktuellen Maßnahmen zu lange an, drohen ernsthafte Probleme für die Gesundheit der Bundesbürger", sagte Krämer der NOZ.

Coronavirus: Isolation führt zu mehr psychischen Erkrankungen

Zuletzt hatte zum Beispiel auch die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde vor einem Anstieg psychischer Erkrankungen aufgrund der Isolation gewarnt.

TU-Dortmund-Professor Krämer verweist in seiner Warnung unterdessen auf die Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund mangelnder Bewegung dank des Coronavirus - etwa durch Übergewicht. Diese Erkrankungen führten schon jetzt zu 300.000 Toten jährlich in Deutschland. In einer Studie an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) versuchen Forscher derzeit, solche Auswirkungen auf ihre Wahrscheinlichkeit zu überprüfen.

Forscher aus Bochum mit Studie zu Folgen von Coronavirus-Isolation

Doch auch an der RUB, die Opfer eines Hacker-Angriffs wurde, befürchten die Forscher, dass gesundheitliche Probleme wie Depressionen, Angst- und Suchtstörungen, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund der Isolation in der Coronavirus-Krise zunehmen würden. "Es ist damit zu rechnen, dass, je länger dieser Zustand anhält, solche Probleme verstärkt auftreten", sagte RUB-Psychologin Maike Luhmann gegenüber dem Deutschlandfunk.

TU-Dortmund-Professor Walter Krämer warnt vor zu langer Isolation wegen des Coronavirus.

Auf dem politischen Blog "achgut"** schreibt TU-Professor Krämer jedoch indes auch, dass es derzeit wichtig sei, die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Die von der Bundesregierung verhängte Kontaktsperre stellt Krämer deshalb nicht in Frage, hält sie sogar für notwendig.

Coronavirus-Isolation: Professor aus Dortmund begrüßt aktuelle Maßnahmen

Die aktuellen Maßnahmen würden der Regierung Zeit verschaffen, notwendige Kapazitäten zur Behandlung schwerer Coronavirus-Fälle auszubauen. Außerdem könnten in der Zeit Impfstoffe und Medikamente entwickelt werden - wenn auch mit längerer Perspektive. Auch schnellere und häufigere Tests seien wichtig. 

Krämer: "Dies würde die Möglichkeit eröffnen, stufenweise zu einem einigermaßen normalen Leben zurückzukehren und damit die negativen sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen dieser Pandemie einigermaßen zu begrenzen."

Übrigens: Aufgrund der Coronavirus-Pandemie ist das neue Semester an den Universitäten digital gestartet. Diese fünf Tipps helfen beim Semesterstart daheim. 

TU-Dortmund-Professor hält lange Isolation wegen Coronavirus für ausgeschlossen

Dass die aktuelle Coronavirus-Isolation aufgrund der Kontaktsperre* mehrere Monate andauere, hält der TU-Dortmund-Professor für unwahrscheinlich. Der NOZ sagte Walter Krämer, er gehe davon aus, dass die Maßnahmen in zwei, drei Wochen vorbei seien, und "dass wir uns in zwei Monaten darüber totlachen, wie wir uns haben in Panik versetzen lassen."

Aus seiner Sicht werde die Panik vor dem Coronavirus derzeit überschätzt, immerhin würden in Deutschland nur etwa ein halbes Prozent aller Infizierten daran sterben. Das sind allerdings mehr Menschen, als an einer gewöhnlichen Grippe sterben. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Grippe zu sterben, liegt laut Robert-Koch-Institut bei 0,1 bis 0,2 Prozent.

Wie es nach dem 19. April weiter geht, erfahren wir am Mittwoch (15. April). Auf Grundlage der Stellungnahme der Leopoldina-Akademie beschließt die Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer, welche Maßnahmen bleiben und welche gelockert werden.

**In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass es sich dabei um den Blog von Professor Walter Krämer handelt. Dort schreiben jedoch noch weitere Autoren.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Kevin Mattes/RUHR24, Uta Rademacher/dpa; Collage: RUHR24

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