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„Gesundheitsgefährdung“: Elternvereinigung findet Corona-Versagen - Kinder mussten bei -0,3 Grad büffeln

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Von: Laura May

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Lüften, Masken oder eingebaute Luftfilter? Seit Beginn der Pandemie diskutieren Eltern, Lehrer und Politiker über die beste Lösung – leidtragend waren am Ende oft die Schulkinder.

Bochum – Die Landeselternschaft der integrierten Schulen in NRW (LEIS) hat das kälteste Klassenzimmer Nordrhein-Westfalens gesucht und gefunden. Die Aktion entstand als Protest gegen frierende Schüler während der Corona-Pandemie.

Die Elternvereinigung negiert nicht den infektiologischen Nutzen des Stoßlüftens, aber: „Nicht wegdiskutiert werden kann, dass das Lüften gerade in der kalten Jahreszeit zu einer Belastung für alle Beteiligte wird und damit auch zu einer eigenen Gesundheitsgefährdung“, heißt es in einer Pressemitteilung. Sie fordern primär eine bessere Ausstattung mit Luftfiltern in den Klassenzimmern.

Nordrhein-Westfalen: Landeselternschaft sucht auf Instagram das kälteste Klassenzimmer

Unter dem Hashtag #kältesteklasseinnrw suchte LEIS seit letztem Winter auf Instagram nach dem kältesten Klassenzimmer im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland. Das Ergebnis: Schüler mussten teilweise bei unzumutbarer Kälte lernen.

Immer mehr Schulkinder sind kurzsichtig. Ein Forscherteam stellt einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hier.
Viele Schüler und Schülerinnen mussten während der Pandemie im Klassenzimmer frieren./Symbolbild © Marcel Kusch/dpa

Kalte Klassenzimmer in NRW: In einer Gesamtschule hatte es Minusgrade

Der Antiheld an der Spitze der Ausschreibung ist die Bochumer Matthias-Claudius-Gesamtschule. Dort machte eine Schülerin das Kohlendioxid-Gerät in ihrem Klassenzimmer abfotografiert: Es zeigte minus 0,3 Grad Celsius an. „Die Plätze zwei und drei gingen an die Gesamtschule Bockmühle in Essen und an die Kopernikusschule Lippstadt“, sagte Stephie Helder-Notzon, stellvertretende Vorsitzende der LEIS, gegenüber dem Spiegel.

„Als meine Tochter mir im Dezember ein Bild des Thermometers in ihrer Klasse neben ihrem Sitzplatz mit -0,3 Grad zeigte, merkte ich, dass die Vorgaben des Landes für winterliche Temperaturen ziemlich gewagt sind“ meinte der stellvertretende Vorsitzende der Landeselternschaft der integrierten Schulen in Nordrhein-Westfalen, Steffen Bundrück. Schulleiter Holger Jeppel erklärte allerdings gegenüber dem Spiegel, dass die Messung beim Stoßlüften und direkt neben dem Fenster durchgeführt worden sei.

Lernen unter dem Gefrierpunkt: Wie wird der nächste Corona-Winter?

Die LEIS kürte die drei ersten Plätze ihres Aufrufs mit kleinen Preise für die jeweiligen Klassen. Bochum bekam einen Klassensatz Fleecedecken, Essen einen Klassensatz Taschenwärmer und Lippstadt 10 Liter alkoholfreien Glühpunsch.

Die Aktion entfacht auch die Diskussion über Corona-Maßnahmen im kommenden Winter wieder einmal neu. Schulleiter Jeppel versteht den Protest von Eltern und Schülern. Dauernd zu lüften, sei weder „energetisch noch didaktisch“ klug. Er habe zudem nicht das Gefühl, dass das Land für den nächsten Herbst und Winter besser gerüstet sei.

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