Lockerungsplan trotz Dritter Welle

Vor Corona-Gipfel: Debatte um Lockdown - Laschet will trotz steigender Infektionen Öffnungen

In wenigen Tagen ist der nächste Corona-Gipfel anberaumt. Bereits jetzt beginnen die Debatten um eine Öffnungsstrategie. Gleichzeitig befürchten Experte eine dritte Welle.

NRW - Am 3. März treffen sich Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin zum nächsten Corona-Gipfel. Zentrales Thema wird voraussichtlich die Debatte um Lockerungen des Lockdowns sein. Bereits am Dienstag (23. Februar) hatte Angela Merkel (CDU) ihre Vorstellungen für vorsichtige Öffnungsschritte konkretisiert. Wie RUHR24.de* berichtet, äußerte sich auch Armin Laschet (CDU) bereits. Der Plan des NRW-Ministerpräsidenten: Öffnungen unabhängig von Inzidenzwerten.

Corona-GipfelBund-Länder-Konferenz
Wann3. März 2021
TeilnehmerMinisterpräsidenten, Bundeskanzlerin

Corona-Gipfel: Wege aus dem Lockdown trotz Dritter Welle auch in NRW

Die meisten Menschen in Deutschland sehnen sich inzwischen nach Wegen, die raus aus dem Lockdown führen. Gegen vorschnelle Lockerungen spricht aus Sicht einiger Experten allerdings, dass Infektionszahlen aktuell darauf hinweisen, dass sich eine dritte Welle in der Coronavirus-Pandemie anbahnt. Auch die Sorge vor Mutationen macht die Debatte um geeignete Öffnungsstrategien schwierig.

Innerhalb der letzten Woche stieg die Zahl der Corona-Neuinfektionen erneut an. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag (26. Februar) mitteilte, lag die 7-Tages-Inzidenz in NRW bei 64. Noch am Mittwoch lag der Wert deutlich niedriger bei 60,9. Damit entfernt sich NRW weiter von der 35er-Inzidenz-Marke, ab der bisher weitere Öffnungsschritte im Lockdown* vorgesehen waren (mehr News zum Coronavirus in NRW* auf RUHR24.de).

Zudem spielen Mutationen des Coronavirus* im Infektionsgeschehen eine immer größere Rolle. Welche das genau ist, darüber sind sich Mediziner aktuell noch nicht ganz einig. Viele Experten sprechen allerdings davon, dass besonders die britische oder auch die südafrikanische Virusvariante deutlich ansteckender* sein könnten – und der Pandemie so neuen Aufschwung verleihen könnten.

Eine Dritte Corona-Welle könnte sich bereits im Aufschwung befinden, warnen vor allem Ärzte und fordern, den Corona-Lockdowns bis April zu verlängern. Ihr Befürchtung: Bei zu frühen Lockerungen könnte eine dritte Welle nur noch sehr schwer oder überhaupt nicht beherrschbar* sein.

Corona-Maßnahmen: Menschen sind pandemiemüde - Lockerungen erforderlich

Allerdings: Andere Experten werten die Rolle der Mutationen inzwischen auch anders. So erklärte laut Focus der WHO-Regionaldirektor Hans Henri Kluge, dass Mutationen „normal“ seien. Sie würden nicht dazu führen, dass das Virus außer Kontrolle gerate. Auch der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr gibt laut Frankfurter Rundschau* zu bedenken, dass womöglich nicht die Mutationen zu den aktuell steigenden Inzidenzzahlen führen könnten, sondern die „Pandemiemüdigkeit“ der Menschen.

Damit widerspricht der Wissenschaftler den Warnungen, wonach die Virusmutationen eine zusätzliche Bedrohung darstellen: Unter anderem Angela Merkel mahnte in der Vergangenheit stets davor, dass die Infektionszahlen unter dem Einfluss der Corona-Mutationen wieder steigen könnten. Stattdessen passen die Äußerungen des Experten eher zu der Strategie, die Ministerpräsident Armin Laschet auf dem anstehenden Corona-Gipfel plant vorzuschlagen.

In einer Pressekonferenz am Dienstag (23. Februar) erklärte Armin Laschet laut wa.de*: „Es gibt das mutierte Virus, dessen Auswirkungen wir nicht kennen.“ Für seine Öffnungsstrategie plädiert der NRW-Ministerpräsident dennoch – oder genau wegen dieser Unsicherheit – dagegen, Lockerungen streng an Inzidenz-Werte zu koppeln. Es müsse eine Perspektive für Kultur, Sport und Außengastronomie geben (mehr News zum Coronavirus in NRW im Live-Ticker* auf RUHR24.de).

Corona in NRW: Laschet will Öffnungsschritte an Schutzmechanismen koppeln

Die NRW-Landesregierung setzt stattdessen auf eine andere Öffnungsstrategie*. Von einem starren Stufenplan, wie er bislang häufig diskutiert wurde, hält Armin Laschet offenbar nichts. Bei der Bund-Länder-Konferenz am 3. März will Laschet deshalb offenbar einen Vorschlag unterbreiten, der Perspektiven für eine Öffnung vorsieht, die auf drei Schutzmechanismen basiert: Impfungen, Corona-App und Tests. Allerdings könne jetzt noch kein Zeitpunkt genannt werden, wann die Öffnungsschritte umgesetzt werden können.

Sind so strenge Maßnahmen in der Corona-Pandemie nötig? In NRW hängen in manchen Städten nun diese Verbotsschilder: „Verweilverbotszone - Bitte gehen Sie weiter“

Damit es mit den Impfungen zukünftig zügiger vorangeht, will NRW die Impfkapazitäten laut Gesundheitsministerium weiter ausbauen*– mit einer erhöhten Schlagzahl in den Impfzentren, aber auch dadurch, dass auch Hausärzte in Kürze Impfungen durchführen sollen. Ermöglicht werden soll dass durch höhere Liefermengen der Impfstoffe. Bereits im März sollen deutlich schneller mehr Menschen geimpft werden als bisher.

Zudem setzt Laschet laut wa.de für weitere Öffnungsschritte auf Corona-Schnelltests*. Schon bald soll es Schnelltests geben, die jeder selbst zuhause durchführen kann.

Weitere Hoffnung legt der CDU-Chef in eine neue Corona-App. Die von den Fantastischen Vier entwickelte App Luca* soll den Aufwand bei der Kontaktnachverfolgung nach Restaurant-, Hotel- oder Konzertbesuchen für alle Seiten vereinfachen. Vor allem die derzeit herrschende Zettelwirtschaft soll abgelöst werden.

Corona-Gipfel: Lockerungen, Inzidenzen, Mutationen - Kanzlerin erkennt Dilemma

Insgesamt erkennt Armin Laschet Inzidenzen zwar als wichtiges Kriterium an, schränkt aber ein, dass dieser Wert nicht das einzige Kriterium sein dürfe, um Öffnungsschritte zu wagen. Und auch Angela Merkel erkennt, dass sich das Land in einem Dilemma befindet: Zwischen Sehnsucht nach Lockerungen der Corona-Maßnahmen und steigenden Inzidenzen will auch die Bundeskanzlerin einen Weg finden – und lässt laut aerzteblatt erstmals erkennen, dass vorsichtige Öffnungsschritte mit vermehrten Testmöglichkeiten einhergehen könnten.

Bisher hielt die Bundeskanzlerin an dem vom RKI vorgeschlagenen Plan fest, Öffnungsschritte fest an Inzidenzwerte zu koppeln. Nach diesem Plan liegen wichtige Inzidenzgrenzen bei 50 und 35. Nur wenn diese unterschritten werden, sieht das RKI Lockerungen der Corona-Maßnahmen vor. Werden die Inzidenzwerte überschritten, müssten Lockerungen rückgängig gemacht werden.

Laut aerzteblatt ist es offenbar auch Angela Merkel ein Anliegen, am 3. März einen Weg der vorsichtigen Öffnungsschritte bis in den Sommer hinein zu beschreiben. Allerdings müsse nach jedem Öffnungsschritt überprüft werden, ob die Infektionszahlen wieder in ein exponentielles Wachstum kämen.

Dann könnte es schnell zu einer Überlastung des Gesundheitswesens kommen. Man sei weiter in einer sehr schwierigen Situation, die erfordern würde, sehr vorsichtig zu sein, betonte die Kanzlerin. „Wir würden uns keinen Gefallen tun, wenn wir etwas, was wir geöffnet haben, anschließend wieder zu machen müssen“, zitiert das Blatt Merkel. *RUHR24.de, WA.de und die Frankfurter Rundschau sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks. 

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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