Maßnahme in ersten Städten

Corona: Kreise und Städte in NRW verhängen Ausgangssperren – doch was bringt das?

Erste NRW-Städte verhängen Ausgangssperren. Aber wie sinnvoll ist diese Corona-Maßnahme? Studien geben klare Anhaltspunkte.

Dortmund - Remscheid, der Kreis Siegen-Wittgenstein, der Märkische Kreis: In diesen drei Kommunen in NRW wurden zuletzt nächtliche Ausgangssperren verhängt. Aber wie viel bringen solche Anti-Coronavirus*-Maßnahmen bei der Eindämmung der Pandemie? RUHR24* erklärt, was der Plan hinter der Radikal-Regelung ist.

Corona-Inzidenz in NRW130,7 (Stand 12. April)
Aktuell infizierte Personen52.700
Bislang verstorbene Personen14.588

Ausgangssperre in NRW: Erste Städte greifen durch – aber ist die Corona-Regel sinnvoll?

Wenn Maßnahmen wie Geschäftsschließungen und Kontaktbeschränkungen bei der Senkung der Zahl der Corona-Neuinfektionen nicht mehr reichen, greifen Städte in Nordrhein-Westfalen inzwischen zum Äußersten: nächtlicher „Stubenarrest“ für die Bürger.

Der Gedanke dahinter: Da wohl die allermeisten Corona-Infektionen aus privaten Treffen stammen, sollten diese unterbunden werden. In NRW geht man offensichtlich davon aus, das gesellige Runden am Abend für ständigen Neuinfektionen sorgen. (Hier weitere Corona-News aus NRW* auf RUHR24 lesen)

Corona: Ausgangssperren in NRW gelten in der Regel zwischen 21 und 5 Uhr – Treffen könnten sich verlagern

So gelten die Ausgangssperren in der Regel nur am Abend und in der Nacht. Im Kreis Siegen-Wittgenstein etwa zwischen 21 und 5 Uhr. Kaffeekränzchen am Mittag oder Abendessen bis 21 Uhr könnten also theoretisch noch in größeren Runden im privaten Umfeld stattfinden. Private Zusammenkünfte könnten sich durch nächtliche Ausgangssperren also auf andere Tageszeiten verlagern, lauten erste Befürchtungen.

Über den Effekt der nächtlichen Ausgangsbeschränkungen gibt es derweil Zweifel. Eine Studie der Stanford Universität von Dezember 2020 kommt zum Fazit, dass Ausgangsbeschränkungen nur einen kleinen Effekt auf den Stopp der Ausbreitung des Coronavirus haben. Die restriktive Maßnahme stünde möglicherweise nicht im Verhältnis zu deren Folge – der Einschränkung von Freiheitsrechten.

Studie über Ausgangssperren – Effekt da, aber nur in Kombination mit anderen Corona-Maßnahmen

Eine weitere Studie überwiegend britischer Forscher sieht den Effekt von nächtlichen Ausgangssperren dagegen nicht ganz so skeptisch. Sie kommt zum Fazit, dass diese Maßnahme den sogenannten R-Wert – also den Wert, der anzeigt, wie viele Menschen ein Corona-Infizierter ansteckt – um 13 Prozent senken könnte. Allerdings nur in Kombination mit weiteren Maßnahmen.

Ausgangssperren in NRW müssten durch Polizei und Ordnungsamt kontrolliert werden.

Wie groß der Anteil von Ausgangssperren am Rückgang von Corona-Infektionen ist, ist also nicht ganz klar. In Deutschland gibt es dazu noch keine Studie. Generell ist die Datenlage über den Effekt von Ausgangssperren sehr dünn.

Corona: Deutschland will einheitliche Regel für bundesweite Ausgangssperren

Dennoch: In einem neuen Entwurf für das bundesweit einheitlich geltende Infektionsschutzgesetz soll eine Ausgangssperre in der Nacht festgeschrieben werden*. Sie soll überall dort in Deutschland gelten, wo die 7-Tages-Inzidenz an mehreren Tagen in Folge 100 Neuinfektionen übersteigt.

Welche Ausnahmen gelten, wird derzeit noch debattiert. Genannt sind bislang medizinische und zwingende berufliche Gründe, Pflege sowie Sorge- und Umgangsrechts.

Corona: Kritik an Ausgangssperren – „Verfassungsrechtlich Problematisch“

Kritik für Ausgangssperren kommt indes vom Städte- und Gemeindebund. Der Verband halte die Regelung für „verfassungsrechtlich problematisch“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg jüngst der Rheinischen Post. Gerechtfertigter sei die Maßnahme erst bei höheren Inzidenzen, etwa ab 200.

Und was sagen die Bürger selbst? Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ist die Mehrheit für nächtliche Ausgangssperren*. Angesichts der steigenden Infektionszahlen und der dritten Welle des Coronavirus haben sich 56 Prozent dafür ausgesprochen, Ausgangsbeschränkungen bundesweit durchzusetzen. RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniele Giustolisi/RUHR24

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