Bundeswehr-Ausbilder schweigt - Schwere Vorwürfe

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Der Bundeswehrsoldat Christopher O. (links) sitzt im Amtsgericht in Ahlen neben seinem Anwalt Andreas Steffen auf der Anklagebank.

[Update] Ahlen - Hat ein Ausbilder der Bundeswehr bei einer Feier mit Rekruten seine Macht missbraucht? Wegen Körperverletzung, Nötigung und Misshandlung steht ein 30-Jähriger in Ahlen vor Gericht. Es soll reichlich Alkohol im Spiel gewesen sein.

Ein Ausbilder der Bundeswehr muss sich seit Dienstag in Ahlen wegen Vorwürfen aus seiner Zeit als Gruppenführer in der Westfalenkaserne verantworten. Die Anklage wirft ihm Körperverletzung, Nötigung, Misshandlung und entwürdigende Behandlung von Untergebenen sowie Befehlsmissbrauch vor. Zum Prozessstart am Amtsgericht kündigte der heute 30-Jährige über seinen Anwalt an, sich vorerst nicht zu den Vorwürfen zu äußern.

Zeugen bestätigten am Dienstag Vorfälle von einer internen Zugfeier außerhalb der Kaserne im November 2016. Dabei soll der Angeklagte einen der Rekruten unter Druck gesetzt haben, so dass dieser sich bis zum Erbrechen betrank. Einer der Zeugen, der an dem Abend dabei war, schilderte den Kameraden als nicht mehr zurechnungsfähig.

Richterin irritiert wegen Widersprüchen

Der Eingangsbereich des Westfalenkaserne.

Einer Soldatin soll der Ausbilder über das Gesicht geleckt haben. Die Betroffene bestätigte am Dienstag den Vorgang. Allerdings bezeichnete sie ihr Verhältnis zu dem Vorgesetzten als positiv. "Wir haben uns gut verstanden und sind auch öfter zusammen im Zug zur Kaserne gefahren", sagte die 18-Jährige dem Gericht. Als der Ausbilder sie angeleckt habe, habe sie das in dem Moment als nicht so schlimm empfunden. "Es war viel Alkohol im Spiel." Als die Frau Fragen zum Verhältnis zu dem Angeklagten beantworten musste, wurde die Öffentlichkeit aus dem Gerichtssaal ausgeschlossen.

Weitere Zeugen konnten über den Abend allerdings nur vom Hörensagen berichten. Der Verteidiger des Angeklagten warf ihnen daraufhin vor, "Stille Post" zu spielen. Einige Soldaten verwickelten sich in Widersprüche, andere gaben an, sich wegen des vielen Alkohols nicht mehr an Details erinnern zu können. Die Vorsitzende Richterin zeigte sich daraufhin irritiert: "Es ist schon verwunderlich, dass sie hier heute so vieles nicht mehr wissen, obwohl Sie bei der Vernehmung durch die Bundeswehr viele Details aussagen konnten."

Betroffener hatte "gutes Verhältnis" zum Ausbilder

Der junge Rekrut, der gebrochen haben und nicht mehr zurechnungsfähig gewesen sein soll, sagte im Zeugenstand: "Ich hatte Lust, mich zum Ende der Grundausbildung zu betrinken. Ich hatte ein gutes Verhältnis zu meinem Ausbilder, ich mochte ihn", sagte der 19-Jährige.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch eine Auseinandersetzung an dem Abend, an der der Ausbilder nicht beteiligt war. Zwei Soldaten hatten sich laut Zeugenaussagen gestritten - ein Messer soll im Spiel gewesen sein. Daraufhin waren zwei Streifenwagen zu dem Vereinsheim geeilt. Die Kompanieführung hatte als Folge die Soldaten vernommen und war auf das gestoßen, was jetzt vor dem Amtsgericht verhandelt wird.

Der Prozess wird am 3. Juli mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt. Voraussichtlich wird das Gericht dann auch ein Urteil sprechen.

Quelle: wa.de

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