Das sind die Gründe für die Absage aus Bestwig

Bundesschützenfest 2019: Ein neuer Ausrichtungs-Ort muss her!

+
Symbolfoto

[Update 16.51 Uhr] Bestwig - Die St.-Andreas-Schützen aus Bestwig werden das Bundesschützenfest im Jahr 2019 nicht ausrichten. Die Gründe? Sicherheitsbedenken. 

Nach Angaben des Sauerländer Schützenbundes (SSB) können die Auflagen für das Bundes-Hochfest nicht erfüllt werden.

Die Vorbereitungen für das Bundesschützenfest seien bereits seit mehreren Jahren intensiv angegangen worden.

Allerdings: In den vergangenen Wochen hat sich herausgestellt, dass ein Sicherheitskonzept für eine solche Großveranstaltung mit Auflagen verbunden wäre, "die für eine ehrenamtliche Organisation in keiner Weise umzusetzen sind". 

Die Folge: "Die St.-Andreas-Schützen haben den Sauerländer Schützenbund gebeten, sie von der Ausrichtung des Bundesschützenfestes zu entbinden." 

Diese Entscheidung habe der Vorstand der Bruderschaft jetzt sehr schweren Herzens, aber doch einstimmig getroffen, so der 1. Brudermeister Roland Burmann: „Angesichts der Umstände hat es keinen Sinn, ein solches Projekt weiter zu verfolgen.“ 

Hintergrund: Im April 2016 hatte der SSB der St.-Andreas-Schützenbruderschaft den „Zuschlag“ für das Bundesschützenfest 2019 erteilt - 12.000 bis 15.000 Besucher hätten die Schützen im Doppelort dann erwarten können. Weil für eine solche Personenzahl die Schützenhalle und angrenzende Flächen zu klein sind, hätte das Bundesschützenfest auf einem Gelände westlich des Velmeder Ortsgebietes stattfinden sollen - das Areal wurde nach Orkan „Kyrill“ bereits als Nassholzlager genutzt. 

Mehr noch: "Mit großem Engagement und viel Rückhalt im Ort haben sich die Schützen der Mammut-Aufgabe gestellt." Ein Bestandteil der Planungen: Ein Sicherheitskonzept, für das man von Beginn an den engen Dialog mit den zuständigen Fachbehörden gesucht habe. 

Sicherheitsauflagen nicht umsetzbar

Immer stärker habe sich jedoch nun herauskristallisiert, dass die für das Veranstaltungsgelände erforderlichen Sicherheitsauflagen für die Bruderschaft nicht umsetzbar seien. Dies, so Brudermeister Roland Burmann, sei ausdrücklich keine Kritik an den Sicherheitsbehörden, mit denen man in einem konstruktiven und fairen Austausch gestanden habe. Die Sicherheitsbehörden hatten erhebliche Bedenken zu einer Eignung des geplanten Geländes für eine Großveranstaltung geäußert. 

Es sei von Wasser - unter anderem der Ruhr - umgeben und lediglich über eine Straße erreichbar, die zudem eine stark befahrene Bahntrasse quere. Man wolle keinesfalls die Notwendigkeit von Sicherheitsmaßnahmen in Abrede stellen - das Gegenteil sei richtig, so Roland Burmann: „Das Wissen, für den Notfall gerüstet zu sein, ist Grundvoraussetzung für jedes Großereignis.“ Vorfälle wie die Katastrophe bei der Love- Parade 2010 in Duisburg oder die jüngsten Terror-Anschläge in Großbritannien seien dafür ein eindrücklicher Beweis. 

Brücke müsste neu gebaut werden

Allerdings: Die Umsetzung dessen, was für das geplante Festgelände westlich von Velmede notwendig geworden wäre, sei für die St.-Andreas-Schützen jenseits des Machbaren gewesen. Beispiele dafür: Für die An- und Abfahrt von Rettungsfahrzeugen hätte der Bahnübergang „Kleiner Öhler“ zweispurig ausgebaut werden müssen. Weiterhin war hierfür ein Verbindungsweg vom Bahnübergang zu einer Brücke, die in einer Breite von 20 Metern neu gebaut werden müsste, vorgesehen. 

Das Gelände über den Mühlengraben hätte an mehreren Querungsstellen aufgeschüttet werden müssen, damit Flüchtende barrierefrei auf den benachbarten Ruhrtalradweg gelangen können. Sämtliche Fluchtwege müssen ausgeleuchtet werden - mit einer Sicherheitsbeleuchtung, die vom Stromnetz unabhängig ist. „Wir sind unendlich traurig, dass es uns nicht gelingt, unsere Bruderschaft, der Gemeinde Bestwig sowie dem Schützenwesen im SSB ein Bundesschützenfest 2019 zu bieten“, unterstreicht Brudermeister Burmann. 

"Dies könnte vielen Veranstaltungen den Garaus machen"

Bestwigs Bürgermeister Ralf Péus bedauert die „Rückgabe“ des Bundesschützenfestes an den SSB. Man müsse generell die Frage stellen, wie Großveranstaltungen künftig noch möglich sein sollen, wenn sie von Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit vorbereitet werden müssen – gerade mit den räumlichen Voraussetzungen, die das Sauerland als Mittelgebirgsregion habe. „Dies könnte vielen Veranstaltungen den Garaus machen“, befürchtet der Bürgermeister. Er wünscht sich nun eine politische Diskussion über Großveranstaltungen in der heimischen Region – „und welche Hilfestellungen man ehrenamtlichen Veranstaltern und Vereinen an die Hand geben kann.“ 

"Können nicht so planen, als ob ein Terroranschlag stattfinden wird"

Hier seien aber nicht nur die Kommunen gefragt, sondern durchaus ebenso Land und Bund: „Auch das kann ein Beitrag zu Struktur- und Wirtschaftsförderung sein.“ 

Bundesgeschäftsführer Wolfram Schmitz sieht hier jedoch auch die Kreispolizeibehörde, Fachbehörden und die Politik in der Pflicht. „Wir können nicht jede Großveranstaltung so planen, als ob dort ein Terroranschlag des IS stattfinden wird. Mit dieser Absage haben die Terroristen ja schon das erreicht, was Sie erreichen wollten“, so der Bundesgeschäftsführer Wolfram Schmitz. 

Seit der Loveparade-Katastrophe in Duisburg und erst recht zu Zeiten wachsender Terrorgefahr würden die Sicherheitsauflagen von Jahr zu Jahr steigen. Und sind sie denn heute zu hoch? „Ja, ich glaube schon“, so Schmitz. „Vor fünf Jahren hätten wir so ein Fest ganz sicher noch in Bestwig abhalten können. Heute sind die Zeiten anders, die Behörden sind schon sehr nervös.“ 

Die Folge: Es wird immer schwerer, Orte für solche Großveranstaltungen zu finden. Einen neuen Kandidaten für das Bundesschützenfest 2019, das in der vergangenheit unter anderem auch schon in Warstein (1961, 2007), Menden (1971, 2004), Anröchte (1963, 1974, 1989) Belecke (1992) und Lendringen (1995) stattfand, habe man noch nicht. Im schlimmsten Fall, so Schmitz, müsse das SSB-Bundesschützenfest ausfallen – „zum ersten Mal seit dem Krieg.“

Im SSB will man nun entscheiden, wie es mit der Ausrichtung des Bundesschützenfestes 2019 weitergeht.

Große Umzüge, wie der im Video vom Europaschützenfest in Peine 2015, gehören auch zu einem Bundeschützenfest des Sauerländer Schützenbundes dazu.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare