Gauck lobt Islam-Zentrum: Auseinandersetzung erwünscht

[Update 14.30 Uhr] MÜNSTER - Die islamische Theologie ist an deutschen Universitäten angekommen. In Münster hat das zu Streit gefühlt. Bundespräsident Gauck mahnt zur Gelassenheit: Auseinandersetzung gehöre zum Pluralismus.

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Verankerung der islamischen Theologie an deutschen Hochschulen als ein wichtiges Kapitel der Gegenwartsgeschichte bezeichnet. "Nun wird der Islam auch an unseren Universitäten eine akademische Disziplin unter anderen", sagte Gauck am Donnerstag bei einem Besuch des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) an der Uni Münster. Das sei ein wechselseitiger Akt der Anerkennung.

Auch auf den seit Monaten ausgetragenen Streit zwischen der Universität und muslimischen Verbänden um die Islam-Auslegung des ZIT-Leiters Mouhanad Khorchide ging Gauck ein. Der Bundespräsident sprach von Konflikten und vielen offenen Fragen. "Islamische Theologie ist ein noch junges Fach an deutschen Universitäten. Wir alle befinden uns in einer Experimentierphase. Und bei Experimenten - jeder weiß es - ist nicht alles gleich gelungen", sagte Gauck.

Gauck riet der Universität und Khorchide, auf Kritik ruhig und gelassen zu reagieren und sich in keine Hysterie hineintreiben zu lassen. "Teile der Konflikte, von denen ich gehört habe, kommen mir bekannt vor aus der Kirchengeschichte", sagte Gauck. "Auseinandersetzungen sind in einer pluralistischen Gesellschaft normal und damit auch erwünscht. Ohne Auseinandersetzung gibt es keine wirkliche Entwicklung", sagte Gauck.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland wiederholte am Donnerstag seine Kritik an Khorchide. "Was nützt es, wenn man Theologie an der Mitte der Muslime vorbei betreibt, um die nichtmuslimische Mehrheitsgesellschaft zufriedenzustellen?", sagte Aiman Mazyek laut einer Pressemitteilung. Er befürchtet, dass der Vertrauensschaden in Münster die radikalen Ränder stärke. Konkret wirft Mazyek dem ZIT-Leiter vor, Grundlagenforschung zu vernachlässigen.

Gauck lobte die Verankerung der islamischen Theologie an deutschen Universitäten als Akt der Selbstverständigung, "ohne die kein Verständnis wachsen kann. Wer weiß, was er ist und was er weiß, der lässt auch leichter Fragen zu." - lnw

Quelle: wa.de

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