150 Projekte stehen noch aus

"Brücken sind eine gigantische Schwachstelle"

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Auch die sechsspurige Rheinbrücke auf der A1 bei Leverkusen ist seit dem vergangenen Sommer für Fahrzeuge ab einem Gewicht von 3,5 Tonnen gesperrt ist.

DUISBURG - Die Rheinbrücke bei Duisburg ist ab März für Lastwagen dicht. Wirtschaftsverbände klagen über die marode Infrastruktur. Mindestens 150 Brücken auf Autobahnen und Bundesstraßen müssen in den nächsten Jahren neu gebaut oder verstärkt werden.

Nordrhein-Westfalen hat ein weiteres Symbol für den Zustand seiner Verkehrsinfrastruktur. Die Rheinbrücke der Autobahn 40 bei Duisburg ist in Richtung Essen nur noch einspurig befahrbar. Dringende Reparaturen sind nötig, weil Experten an den Trägern starke Risse entdeckt haben. Wenn dort vom 6. März an geschweißt wird, dürfen mindestens fünf Wochen lang keine Lastwagen mehr über die Brücke in Richtung Essen fahren.

Die A40 ist die Hauptverkehrsader des Ruhrgebietes. Über die Rheinquerung donnern täglich bis zu 100.000 Fahrzeuge, 11.000 davon sind Lastwagen. Für die Schwertransporter ist damit wochenlang ein weiterer Weg über den Rhein dicht, nachdem bereits die sechsspurige Rheinbrücke auf der A1 bei Leverkusen seit dem vergangenen Sommer für Fahrzeuge ab einem Gewicht von 3,5 Tonnen gesperrt ist. Die Folge sind kilometerlange Umwege für die Fahrer der Transportunternehmen.

Opposition und Wirtschaftsverbände kritisieren, dass zu wenig gegen den Verfall der Brücken getan wird. Die CDU-

Fraktion im Landtag bezeichnet die Teilsperrung "als Hiobsbotschaft für den Wirtschaftsstandort in Nordrhein-Westfalen". Nach Ansicht des Verbandes für Verkehrswirtschaft und Logistik in NRW hat die Politik Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur stark vernachlässigt. "Die Brücken sind eine gigantische Schwachstelle", bemängelt ein Sprecher. "Ohne leistungsfähige Verkehrsadern wird künftiges Wachstum gefährdet, und es drohen Arbeitsplatzverluste", warnt auch Luitwin Mallmann, Geschäftsführer des NRW-Unternehmerverbandes.

Das Düsseldorfer Verkehrsministerium schätzt, dass in den nächsten zehn Jahren rund 4,5 Milliarden Euro Sanierungskosten für die Übergänge auf Autobahnen und Bundesstraßen fällig sind - und es könnten noch mehr werden. Der Landesbetrieb Straßen.NRW ist derzeit dabei, rund 800 Brücken im Land auf ihre Statik zu überprüfen. Bisher wurden 229 Bauwerke auf den Bundesfernstraßen nachgerechnet. Davon müssen 150 mittel- bis langfristig ersetzt werden, wie aus einer Vorlage des Verkehrsausschusses im Landtag hervorgeht. Allein 32 dieser Brücken befinden sich auf der A45, der sogenannten Sauerlandlinie zwischen Dortmund und Hessen.

Der Großteil der Brücken ist in NRW vor mehr als 30 oder 40 Jahren gebaut worden und war für deutlich geringe Verkehrsmengen geplant. So fuhren über die Duisburger Rheinbrücke im Jahr 1970 nur 30 000 Fahrzeuge, bei Leverkusen waren es 40 000 statt wie heute 120 000 im Normalbetrieb. Vor allem der in Zukunft weiter wachsende Anteil von schweren Lastwagen belastet laut Straßen.NRW Brücken und Straßen.

Die Sanierung ist ein langfristiges Projekt. "Wir reden hier über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren", sagt Bernd Löchter, Sprecher von Straßen.NRW. Erst dann könnten alle aktuell absehbaren Neubau- und Instandhaltungsmaßnahmen abgeschlossen sein. Weil Projekte wie die Leverkusener Brücke, die bis 2023 fertig werden soll, Vorrang haben, bleiben anderorts Autofahrer auf der Strecke. Beispiel Münster: Der Zubringer zur A43 in Richtung Recklinghausen ist seit November nur einspurig befahrbar. Planungen für einen Neubau gibt es vorerst nicht, der Zustand wird wohl rund zehn Jahre so andauern.

Die Investitionen auf Bundesfernstraßen trägt der Bund, das Land ist für die Planungskosten zuständig. Wirtschaftsverbände bemängeln schon länger, dass bundesweit zwischen 2 und 2,5 Milliarden pro Jahr für die Straßeninfrastruktur fehlen - und fordern eine Erhöhung der Mittel. "Eine Behinderung der Logistik stört nicht nur die Verkehrswirtschaft", so der Logistikverband in einem Schreiben. "Unser Wirtschaftsstandort braucht eine gut funktionierende Infrastruktur." Noch führe der Verfall von Straßen nicht zum Abwandern von Unternehmen, es sei jedoch "fünf vor zwölf". - dpa

Quelle: wa.de

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