Zwei sich unbekannte Westfalen heiraten

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Das Brautpaar Bea (32) und Tim (31) aus Nordrhein-Westfalen in der ersten Ausgabe der Sat.1-Show "Hochzeit auf den ersten Blick".

LEVERKUSEN/BERLIN - Die Liebe als wissenschaftliches Experiment - kann das gutgehen? Auf Schritt und Tritt begleitet Sat.1 dieses "blind wedding": Zwei völlig Fremde heiraten. Zum Abschluss der ersten Sendung fließen Tränen.

Gespannte Freude vor der Hochzeit, Familie und Freunde im Saal - doch was wie eine ganz alltägliche Eheschließung wirkt, ist stattdessen Höhepunkt der umstrittenen Sat.1-Sendung "Hochzeit auf den ersten Blick". Denn die Eheleute Tim Kirschbaum (31) und Beate Bäcker (32) aus Nordrhein-Westfalen haben sich angeblich noch nie zuvor gesehen.

Ein Team aus Experten, darunter eine Psychoanalytikerin und ein Theologe, hat die beiden aus einer Flut von Bewerbern zusammengefügt.

Tim und Bea - ein Traumpaar der Wissenschaft?

2,58 Millionen Zuschauer sind am Sonntagabend dabei, als sich die Wildfremden das Ja-Wort geben. Das entspricht einem Marktanteil von 9,7 Prozent - höher als der Senderdurchschnitt. Aber das wissenschaftliche Sozialexperiment, als das Sat.1 die Show nach dänischem Vorbild verkauft, erntet Kritik von Kirchen und Politik.

"Die Ehe ist definitiv kein Spaß für eine kurze Fernsehunterhaltung", sagt etwa Margot Käßmann, die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche. Und der Sprecher der (katholischen) Bischofskonferenz, Matthias Kopp, betont: Die Ehe solle "nicht allein aus einer spontanen und flüchtigen Emotion heraus eingegangen werden".

Doch die von Sat.1 ausgesuchten Spezialisten sind von ihrem Weg überzeugt. "Es geht nicht um Liebe auf den ersten Blick, sondern darum, Liebe zu lernen", betonen sie in der Sendung. In allen Analysen hätten die Leverkusener Tim und Bea "sehr hohe Übereinstimmungswerte" aufgewiesen.

Unter die Lupe genommen wurden die Bereiche Treue, Sexualität, Dominanz, Bindungs- und Einfühlungsvermögen. Eine Paartherapeutin und ein Heilpraktiker, der die Wohnungen der beiden analysierte, komplettieren die "Jury". "Ich darf Ihnen gratulieren, wir haben ein Match für Sie gefunden": Das ist zwei Wochen vor der geplanten Hochzeit die Ansage für das Paar - die Wissenschaft meint, den Traumpartner in spe für die beiden entdeckt zu haben.

"Oh, mein Gott. Ich brauch' einen Schnaps", zeigt sich Bea überwältigt von der Nachricht. Die Kameras sind auf Schritt und Tritt dabei, beobachten die Suche nach Brautkleid und Hochzeitsanzug, zeigen ungläubige Verkäufer sowie gespannte Verwandte und Freunde.

Beas Mutter gibt sich betont locker. "Früher bei den alten Rittersleuten war es auch nicht anders", meint Renate Bäcker. Und dann steht das Paar vor dem Standesbeamten - bereit für sein "blind wedding".

Kennenlernen vor dem Standesbeamten

"Wie heißt Du?", fragt Tim seine Braut, als er sie zum angeblich ersten Mal trifft - vor dem Standesbeamten im prunkvollen Saal von Schloss Morsbroich in Leverkusen. Denn nicht einmal der Name des Auserwählten ist den Kandidaten angeblich verraten worden. Aber das hindert Bea und Tim nicht.

Auch Familie und Freunde machen mit, niemand, der gegen diese Art der Partnerfindung das Wort erhebt. Stattdessen fließen Tränen der Rührung. "Ja, ich will", antworten beide auf die wichtigste aller Fragen. Den Hochzeitskuss drückt der Bräutigam seiner frisch angetrauten Gattin zunächst nur vorsichtig auf die Backe.

Die Ehe sei rechtsgültig, das hat Sat.1 schon im Vorfeld stets betont. Bea und Tim scheint das in den ersten Stunden ihrer Ehe nicht zu stören. Beide strahlen übers ganze Gesicht, schauen sich immer wieder an. Und turtelnd geben sich die beiden dann doch Küsschen für Küsschen auf den Mund. Er habe sich "richtig verliebt in die Frau", sagt Tim im Überschwang der Gefühle.

Aber ob das Glück von Dauer ist, weiß zunächst nur Sat.1. Das frisch vermählte Ehepaar wird auf Hochzeitsreise nach Island geschickt und natürlich weiter mit der Kamera begleitet. Einige Wochen Zeit bleiben, dann sollen sich Braut und Bräutigam entscheiden, ob sie vorerst zusammenbleiben - oder doch lieber gleich die Scheidung einreichen. - dpa

Quelle: wa.de

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