Todesgefahr auf der Straße

Biologe: In NRW wandert die Erdkröte

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Die Schilder warnen: "Achtung Krötenwanderung". In Nordrhein-Westfalen ist das in erster Linie die Erdkröte.

HAGEN - Wenn von Krötenwanderung die Rede ist, dann meint man in NRW meistens die Erdkröte. Eigentlich geht es der ganz gut. Doch zur Zeit wird es wieder sehr gefährlich.

Die Schilder warnen: "Achtung Krötenwanderung". In Nordrhein-Westfalen ist das in erster Linie die Erdkröte, wie der Leiter des Arbeitskreises Amphibien und Reptilien NRW, Martin Schlüpmann, im Interview sagt. Die Erdkröte komme in der Kulturlandschaft wesentlich besser klar als die Knoblauchkröte oder die kleine Gelbbauchunke.

Sind die ersten Kröten schon unterwegs?

Schlüpmann: Ich denke, dass eine Reihe von Tieren wandert, bei Temperaturen deutlich über fünf Grad. Regen ist auch wichtig. Wenn beides zusammenkommt, dann laufen die Tiere massenweise. Ansonsten hält es sich noch in Grenzen.

Wer läuft denn da unter Todesgefahr über die Straßen?

Schlüpmann: Primär die Erdkröte. Es gibt auch Grasfrösche, Molche und Feuersalamander, die von dem Straßentod relativ stark betroffen sein können. Aber es ist hauptsächlich die Erdkröte. Das ist eine Art, die bei uns nicht unbedingt gefährdet ist.

Warum dann der Aufwand mit Fangzäunen und Warnschildern?

Schlüpmann: Lokal sind die Kröten durch den Straßentod gefährdet. Die Maßnahmen dienen auch dem Tierschutz. Es geht darum, die Grausamkeit, die sich jährlich auf den Straßen abspielt, zu verhindern. Die Erdkröte ist aber keine Art, die bei uns akut bedroht ist. In NRW halten sich die Bestände vergleichsweise gut.

Warum kann die so gut überleben?

Schlüpmann: Die kommt mit unserer Kulturlandschaft wesentlich besser klar als die meisten anderen Arten. Sie kann in Wäldern leben, in Gebüschen, auf Brachen, auch in Gärten, wenn die nicht all zu sehr aufgeräumt sind. Insgesamt kommt die Art mit unserer Kultur sehr gut zurecht.

Gibt es Sorgenkinder in Nordrhein-Westfalen?

Schlüpmann: Das ist die Gelbbauchunke, die nur noch lokal vertreten ist - für die aber eine Menge gemacht wird, mit großem Erfolg. Eine zweite Art, die vom Aussterben bedroht ist, ist die Knoblauchkröte. Wir wissen, dass die Art ganz massiv zurückgegangen ist.


ZUR PERSON: Martin Schlüpmann ist seit 23 Jahren Leiter des Arbeitskreises Amphibien und Reptilien NRW. Der Arbeitskreis kartiert und erfasst ehrenamtlich die Lurch- und Kriechtierbestände in NRW, erarbeitet die Rote Liste und berät das Land und den Naturschutz in Fragen des Artenschutzes. Der Biologe ist Mitglied der Akademie für ökologische Landesforschung und seit 2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet (BSWR) in Oberhausen.

Quelle: wa.de

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