Bei Ordnern systematisch gespart?

Billig-Sicherheitskräfte im Einsatz: BVB will handeln

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Test-Ordner "Julian" bekam sofort einen Job - und im Anschluss 30 Euro in bar.

DÜSSELDORF - Mehr Sicherheit in Fußball-Stadien schaffen: Erst am Nikolaustag hatten die Innenminister eine rechtsverbindliche Vorgabe für Qualitätsstandards bei den Ordnungsdiensten gefordert. Neue Nahrung erhält dieser Vorstoß jetzt durch eine WDR-Recherche für "sport inside", nach der Borussia Dortmund ungeschultes Personal anheuert und untertariflich bezahlt.

"Sicherheit für fünf Euro?", heißt der zehn Minuten lange Beitrag von Autor Jürgen Kleinschnitger, der am Montagabend ausgestrahlt wurde. Auf der WDR-Homepage heißt es: "Ein verdeckter Test beweist, dass man auch ohne entsprechende Qualifikation und vorherige Schulung im Dortmunder Stadion sofort als Ordner bei der Einlasskontrolle arbeiten kann. Das Mitbringen von Passfoto, Sozialversicherungsnummer, Ausweis und polizeilichem Führungszeugnis reicht. Bezahlt wird außerdem deutlich unterhalb des tariflichen Mindestlohns für Sicherheitsdienstleister.

Christian Hockenjos, Geschäftsführer der Dortmunder Stadion GmbH, versprach eine Überprüfung der Vorwürfe.

Muss man sich also nur als Ordner bewerben, wenn man in Dortmund ohne Ticket ins Stadion will? Lassen sich so auch das Einschmuggeln von Pyro-Technik und das Auftauchen rechtsradikaler Spruchbänder mit Nazi-Symbolen erklären? Und wie erklärt der Verein die Angelegenheit? Experten sind über die aufgedeckten Sicherheitslücken jedenfalls entsetzt".

Bei genanntem Test bewirbt sich ein junger Mann, dessen Gesicht verfremdet und der "Julian" genannt wird, ohne jede Vorerfahrung dreieinhalb Stunden vor Beginn des Bundesliga-Topspiels des BVB gegen Bayern München um einen Ordnerjob.

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Er bekommt direkt die rote Ordner-Weste, wird bei der Einlasskontrolle eingesetzt - und später mit 30 Euro bar auf die Hand entlohnt. Erst spät soll er einen Personalbogen ausfüllen. Diese Vorgehensweise entspricht nicht den Auflagen der DFL und des DFB für die Überprüfung und Eignung der Ordner.

Warum Borussia Dortmund so vorgeht, bleibt unklar. Klar ist indes, dass sich mit schlecht oder überhaupt nicht geschultem Ordnungspersonal viel Geld sparen lässt. Laut WDR berechnen professionelle Sicherheitsfirmen mindestens 15 Euro pro Stunde, der BVB zahlt fünf Euro pro Stunde plus 1,50 Euro Lohnnebenkosten. Ersparnis pro Stunde: 8,50 Euro.

Auf ungeschultes Personal zu setzen, ist finanziell lukrativ, wie die Modellrechnung zeigt. Klicken Sie, um die Grafik zu vergrößern. 

Der WDR rechnet vor, dass dies pro Bundesliga-Heimspiel bei 600 Ordnern mit je sechs Stunden Arbeitszeit eine Gesamtersparnis von 30.600 Euro pro Partie macht. Das sind 520.200 Euro pro Saison - plus Chgampions-League- und DFB-Pokal-Spiele - macht zusammen 743.000 Euro.

Christian Hockenjos, Geschäftsführer der Dortmunder Stadion GmbH und Organisationsdirektor des BVB, versprach eine Überprüfung der Vorwürfe. Laut WDR hat der Verein seinen Ordnern für Januar 2014 bereits zwei Schulungen angekündigt. 

Quelle: wa.de

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