Bildungskonferenz für Schulreform in NRW

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Wie soll die Schule der Zukunft in NRW aussehen? ▪

DÜSSELDORF ▪ Ein Schulkonsens in NRW ist in greifbare Nähe gerückt. Eine von der Landesregierung eingesetzte überparteiliche große Bildungskonferenz sprach sich am Freitag bei ihrer Abschlusskonferenz für Schulreformen aus.

Das bestehende gegliederte Schulsystem soll erhalten, aber weiterentwickelt werden. Dazu soll auch die Landesverfassung geändert werden, die für die Hauptschule als einzige Schulform eine Bestandsgarantie enthält. Auch die große Oppositionspartei CDU nahm an der Konferenz teil. Sie hatte bereits vor Monaten signalisiert, nicht mehr länger auf dem Verfassungsrang der Hauptschule zu bestehen.

Die Bildungskonferenz forderte „mehr Freiräume für die Kommunen zur Gestaltung ihrer Schullandschaft“. Das Land soll den Kommunen ermöglichen, „der verstärkten Nachfrage nach schulischen Angeboten, die eine Vielfalt an Abschlüssen anbieten“, nachzukommen. Das schließt die Möglichkeit weiterer Gemeinschaftsschulen und weiterer Verbundschulen ein.

Angesichts der stark sinkenden Schülerzahlen setzt die rot-grüne Koalition auf längeres gemeinsames Lernen aller Schüler in Gemeinschaftsschulen, die auch gymnasiale Standards bieten. Die CDU will dagegen den Zusammenschluss von Haupt- und Realschulen in Verbundschulen unter einem Dach forcieren, es aber bei getrennten Bildungsgängen lassen.

„Die Anstrengung hat sich gelohnt“, sagte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Die Vorschläge der Kommission seien eine wichtige „Zwischenstation“. Ziel sei es nun, im Landtag einen Konsens mit der Opposition zu finden.

CDU-Landeschef Norbert Röttgen und CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Josef Laumann hatten ihre Bereitschaft für einen „Schulfrieden“ bereits mehrfach erklärt. Die FDP besteht auf Vorrang für Gymnasien.

Für die Vorschläge der großen Bildungsreform gab es am Freitag überwiegend Lob. Die Ergebnisse seien eine „tragfähige Basis für einen breiten Konsens in der Schulpolitik“, erklärte die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Zustimmung signalisierte auch die große Oppositionsfraktion im Landtag. „Nach der Bildungskonferenz ist es jetzt Aufgabe der Politik, einen Schulkonsens zu entwickeln“, sagte CDU-Schulexperte Thomas Sternberg. Er sprach von einer „hervorragenden Grundlage für die politische Arbeit“. Auch die FDP, die der Bildungskonferenz trotz intensiven Werbens von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) fernblieb, will sich der Modernisierung des NRW-Schulsystems nicht verschließen. „Klar muss aber sein, dass das Gymnasium fester Bestandteil des NRW-Schulsystems bleiben muss“, sagte FDP-Schulexpertin Ingrid Pieper-von Heiden.

Heftige Kritik kam indes vom Verband der Haupt- und Realschulen „Lehrer NRW“. Die Bildungskonferenz sei eine reine „Propaganda-Veranstaltung“ zur flächendeckende Einführung von Gemeinschaftsschulen gewesen, die das Sterben von Haupt- und Realschulen befördere, hieß es. Der Verband war der Bildungskonferenz ebenfalls ferngeblieben. ▪ DETLEF BURRICHTER

Info: Unter dem Titel „Zusammen Schule machen für NRW“ hatten seit September 2010 mehr als 120 Schulexperten von Verbänden, Institutionen und Parteien über eine moderne Schulpolitik für NRW beraten. Nun überreichten sie ihre Ergebnisse, unter anderem zur künftigen Schulstruktur.

Quelle: wa.de

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