Interview

Bernhard Paul: "Keiner lacht aus Mitleid"

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Berhard Paul, Besitzer des Circus Roncalli, im Salonwagen in Wien.

WIEN - Bernhard Paul ist eine Zirkuslegende. Vor knapp 40 Jahren gründete er den renommierten Circus Roncalli, der weltweit Anerkennung genießt und Erfolge feiert. Im Gespräch mit Eike Rüdebusch beschreibt der Mann hinter Roncalli, worum es bei der Show in Dortmund gehen wird, was einen guten Clown ausmacht und stellt seine Sicht auf das Dortmunder Publikum dar.

Herr Paul, sie spielen im Januar im Dortmunder Konzerthaus. Das ist natürlich etwas anderes als im klassischen Zelt. Haben Sie Angst, dass dabei etwas verloren geht?

Paul: Nein, jedes Gebäude hat natürlich eine andere Stimmung, die kann man nicht eins zu eins übertragen. Aber mein Vater hat immer gesagt: „Man muss sich nach der Decke strecken.“ Irgendwie muss man das Beste machen, aus dem, was man hat. Wir haben schon überall gastiert und den Möglichkeiten entsprechend gearbeitet, das hat immer geklappt.

Sie spielen mittlerweile regelmäßig Hallenshows. Hat das nicht sogar in Dortmund begonnen?

Paul: Wir haben 2002 bei der Eröffnung des Konzerthauses Dortmund mitgewirkt und zu diesem Anlass ein neues Format aus der Taufe gehoben. Das war ein wichtiger Punkt für uns. Der damalige Leiter hat mich darum gebeten – und daraus wurde die Reihe „Circus meets Classic“, also die Kombination von klassischem Orchester und Artisten. Das haben wir seitdem unzählige Male, von Hamburg bis nach München, aufgeführt. Das ist nach wie vor ein sehr schönes Konzept, das seinen Ursprung in Dortmund hat.

Jetzt kehren Sie mit den Winterträumen nach Dortmund zurück. Was können die Zuschauer erwarten?

Berhard Paul, Besitzer des Circus Roncalli, im Salonwagen in Wien.

Paul: Das Konzept ist fertig, aber das ist ein Geheimnis(lacht). Wir wollen natürlich eine weihnachtlich-winterliche Stimmung bringen, abseits aller Klischees. Winter bedeutet nicht immer nur Bratwurst im alten Fett und Plastikspielzeug. Bei Winter denke ich eher an Zimt, an Holz- oder Blechspielzeug, an Ausschneidebögen, Pralinenmacher. Nach diesem Prinzip richten wir auch die Winterprogramme aus. Aber nicht zu süßlich.

Weihnachten ist ja etwas, bei dem sich die Kinder am meisten freuen. Ich habe noch auf das Christkind gewartet. Diese Illusion war so schön, die habe ich ganz lange aufrechterhalten wollen. Diese Illusionen, diese Stimmung wollen wir mit der Show wiederbeleben und auch den Erwachsenen die Möglichkeit geben, nochmal in eine solche Illusion einzutauchen.

Welche Elemente werden dabei im Mittelpunkt stehen?

Paul: Die Clowns geben dieses Mal den roten Faden vor, sie leiten durch die Show. Clowns waren für mich als Kind schon wichtig, die waren der eigentliche Zirkus an sich. Die Vorstellung hat begonnen, wenn die Clowns hereinkamen und war zu Ende, wenn sie die Manege verlassen haben.

Sie sind selbst als Clown Zippo bekannt geworden. Was macht für Sie einen guten Clown aus?

Paul: Ein guter Clown muss die Leute zum Lachen bringen – so einfach ist das. Wir Clowns haben keine Lach-Tonbänder im Hintergrund, wie es sie in vielen Fernsehshows gibt. Wir müssen vors Publikum treten. Wir haben keinen Bonus. Es lacht keiner aus Mitleid. Wenn der Clown vor das Publikum tritt, ist das die Stunde der Wahrheit.

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Ein Clown ist ehrenwerter Beruf ohne doppelten Boden. Bei der Jonglage kann man sich einschließen und üben, bisman es kann und dann damit auftreten. Clown kann das nicht, der kann nicht alleine üben und dann plötzlich auftreten, das wird nie funktionieren. Der Clown braucht sein Publikum, die sind eine verschworene Gemeinschaft. Viel entsteht im Zusammenspiel zwischen dem Clown und den Gästen. Die Nummern wachsen mit und vor dem Publikum.

Häufig heißt es ja, dass das Publikum regional unterschiedlich sei. Wie sehen Sie das Dortmunder Publikum?

Paul: Ich habe auch immer gehört, beim Publikum gebe es ein Nord-Süd-Gefälle. Sänger und Entertainer haben schon immer gesagt, München sei so, Hamburg eher so. Bei uns, wo das Wort nicht so wichtig ist, merke ich das auch, aber nicht so stark. Trotzdem: Ich mag ja das Ruhrgebiets-Publikum. Das sind gradlinige Menschen, ehrliche Menschen ohne Schickimicki. Die Leute schauen sich die Shows unvoreingenommen an und zeigen ehrliche Reaktionen. Ich mag das gerne.

Quelle: wa.de

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