Soest setzt mit Demo Zeichen gegen Fremdenhass

SOEST - Ohne Zwischenfälle verliefen Samstagmittag die Demonstrationen in der Soester Innenstadt. Viele hundert Bürger setzten auf einer Kundgebung vor der Stadthalle ein Zeichen gegen den Aufmarsch der rechten Szene.

Rund 500 Soester stehen im Halbkreis um die Bühne auf dem Marktplatz, wiegen sich im Takt und singen „We shall overcome“ – „Wir werden es schaffen“. Sie haben es tatsächlich geschafft: ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und einfachste Denkschablonen zu setzen. „Wir gehen Hand in Hand“, singen sie weiter und nehmen damit im übertragenden Sinne sämtliche Ausländer der gestrigen Demonstration gegen den Aufmarsch der Neonazis an die Hand. Pfarrer Friedhelm Geißen ergreift das Wort und mahnt: „Lass uns aufeinander hören und Freude an der Andersartigkeit der Menschen haben“. Zum Abschluss läuten die Glocken der Innenstadt-Kirchen.

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Nicht mit purer Freude, aber durchaus freundlich präsentiert sich die Atmosphäre der Soester Kundgebung unter dem Motto „Soest für ein friedliches Miteinander“ am Samstagnachmittag. Schon mittags haben sich 800 Menschen an der Stadthalle versammelt, folgen damit dem Aufruf zum friedlichen Protest. Dass (vielleicht wegen des schlechten Wetters) nicht mehr kommen, enttäuscht. Insbesondere die jugendlichen Teilnehmer bleiben aus. Und die, die da sind, zeigen Unverständnis. Leonard und Dominik etwa fordern die Jugend zur aktiven Teilnahme auf, „weil der Tod von Tim doch gerade uns Jugendliche angeht“. Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer spricht die Jugend trotzdem an, reicht ihr selbstkritisch die Hand: „Wir Erwachsenen wissen nicht an sich und selbstverständlich auch nicht immer, was richtig ist. Wir sind – wie ihr jungen Leute – ein Leben lang auch Suchende. Ihr jungen Menschen, Töchter, Söhne, Enkel, könnt und müsst Eure Ideen zu einem friedlichen Miteinander einbringen. Wir Erwachsenen müssen Euch dabei zuhören“.

Mit bunten Tüchern, Musik und einem Schweigemarsch unterscheidet sich die Demo grundlegend vom Aufmarsch der Rechten, die mittags am Bahnhof von einem großen Polizeiaufgebot in Empfang genommen werden: Hier prägen vor allem junge und ganz junge Menschen das Bild. Knapp 150 Demonstranten folgen den Anweisungen eines riesigen Polizeiaufgebots. Und während die Beamten mit Helmen, Schlagstöcken, Kabelbindern, Handschellen, Pistolen und Videotrupps den fast ausschließlich dunkel Gekleideten nicht nur numerisch überlegen sind, zeigten sich die ersten Gegendemonstranten: Linke Antifaschisten skandieren wenig schmeichelhafte Parolen.

Später am Potsdamer Platz bekommt man fast Mitleid mit den Rednern. Die haben zwar ein Mikro, doch sämtliche Eingänge zum Platz sind nach der trennenden Polizeieskorte von Linken besetzt, die rufen, pfeifen, tröten – kaum ein verständliches Wort der rechten Botschaft dringt durch. Als schließlich ein Ei die Uniform eines Polizisten trifft, reagiert der ganz cool und meint: „Die Uniform wollte ich sowieso in die Reinigung bringen“. Überhaupt zeigen sich die Ordnungshüter der Lage zu jeder Zeit gewachsen: Ein ungutes Gefühl kommt gar nicht erst auf und kleine Provokationen werden schlicht ignoriert. - jüv

Quelle: wa.de

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