5. Baugerichtstag in Hamm fordert mehr Schutz für private Bauherren

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Der Vorstand des Baugerichtstags (von links): Geschäftsführer Roland Kandel (Hamm), Präsident Stefan Leupertz (Kleve) und Vize-Vorsitzender Günther Jansen (Hamm).

HAMM - Private Bauherren sollen besser davor geschützt werden, bei Insolvenzen ihres Bauträgers selbst finanziell schwer geschädigt zu werden. Zudem sollen Bauvorhaben besser beschrieben und dokumentiert werden, um dem Hausbesitzer spätere Instandhaltungsarbeiten und Umbauten zu erleichtern. Für entsprechende gesetzliche Neuregelungen hat sich am Wochenende der 5. Deutsche Baugerichtstag (DBGT) in Hamm ausgesprochen.

Von Martin Krigar

Rund 600 Teilnehmer aus Justiz, Politik, Wissenschaft und Baupraxis hatten in acht Arbeitskreisen getagt und 35 Empfehlungen an den Gesetzgeber verabschiedet. Beim Hausbau müsse der Verbraucherschutz "deutlich verbessert" werden, sagte DBGT-Präsident Stefan Leupertz. Derzeit ist es beim so genannten Vormerkungsmodell üblich, dass der Erwerber je nach Baufortschritt erhebliche Abschlagszahlungen leisten muss. Geht der Bauträger pleite -- was gar nicht so selten passiert --, ist das Geld oft verloren. Der Hausbau wird entweder erheblich teurer oder ist für Privatleute überhaupt nicht mehr finanzierbar. Oft sei das "absolut existenzbedrohend", so DBGT-Geschäftsführer Roland Kandel.

Der Baugerichtstag schlägt daher die Einführung einer zusätzlichen Rückzahlungsbürgschaft vor. Der Bauträger wäre gezwungen, eine mögliche Rückabwicklung des Vertrags finanziell abzusichern. Für den Verbraucher würden die finanziellen Risiken nach Überzeugung des Baugerichstags viel kleiner, ohne dass es zu deutlichen Mehrkosten käme.

Verstärkte Dokumentationspflichten sollen dem Verbraucher ebenfalls finanziell nützen. Derzeit seien die Informationen, die ein Erwerber vom Bauträger über sein neues Haus bekomme, unzureichend, kritisierte DBGT-Präsident Leupertz. Preisvergleich und Qualitätskontrolle seien oft unmöglich, ein späterer Umbau oder ein Weiterverkauf sehr schwierig.

Auch wenn man durch solche Änderungen die Arbeit von Baufirmen womöglich etwas erschweren würde, will der Baugerichtstag nicht nur Verbraucherinteressen durchsetzen. "Wir müssen in Deutschland die Parameter so setzen, dass sich das Bauen lohnt", forderte Stefan Leupertz. Die Diskussion um die mangelhafte öffentliche Infrastruktur zeige, dass es hier erheblichen Nachholbedarf gebe.

Quelle: wa.de

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