Bauernhöfe, Hotel, Container - Städte müssen Flüchtlinge unterbringen

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Afrikanische Flüchtlinge haben in der St.-Pauli-Kirche in Hamburg ihre Schlafplätze auf dem Kirchenboden vorbereitet. 300 sogenannte Lampedusa-Flüchtlinge strandeten im Frühjahr in Hamburg. 80 von ihnen fanden in der St.-Pauli-Kirche eine vorläufige Unterkunft.

DÜSSELDORF - Viele Städte in NRW haben große Probleme bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Die bestehenden Kapazitäten reichen nicht mehr aus und neue Unterkünfte sind noch nicht gefunden oder müssen erst noch gebaut werden. Landesweit wurden in diesem Jahr bis Ende September knapp 16.000 Asylerstanträge registriert - im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 9.800.

In Köln mussten allein im September mehr als 300 Menschen kurzfristig untergebracht werden. Seit Jahresbeginn sind fast 2700 Asylbewerber und unerlaubt eingereiste Flüchtlinge in die größte nordrhein-westfälische Stadt gekommen. Das sei die höchste Zahl seit 2005, teilte die Stadt mit. "Um schneller handlungsfähig zu sein, haben wir eine Task Force unter der Führung des Sozialdezernats eingerichtet", erklärte Sprecherin Inge Schürmann. Verschiedene Notunterkünfte seien bereits eingerichtet. Dazu zählen auch Hotels und Pensionen sowie Wohncontainer.

Ähnlich sieht es in Essen aus. "Ich möchte das so ausdrücken: Es ist herausfordernd für die Stadt", sagt Hartmut Peltz vom Essener Sozialdezernat. 900 Asylbewerber sind in Essen derzeit in Unterkünften untergebracht. Im vergangenen Jahr waren es zum selben Zeitpunkt über 500. Wegen des Ansturms mussten Behelfseinrichtungen geschaffen werden: In einer ehemaligen Schule wurde für 80 Flüchtlinge neuer Platz geschaffen. "Die ist jetzt schon wieder voll und es ist keine Lösung für die Dauer", sagt Peltz.

Bei der Betreuung arbeitet die Stadt erstmals mit einem externen Dienstleister zusammen, der die Betreuung der Wohnheime durch Hausmeister, Sozialarbeiter und auch einen Sicherheitsdienst übernimmt. Andernfalls hätte man das städtische Personal deutlich aufstocken müssen.

Auch in Duisburg hat eine Arbeitsgruppe der Verwaltung verstärkt nach geeigneten Grundstücken für Unterkünfte gesucht. An sieben Standorten sind sie bereits fündig geworden - noch nicht alle sind genehmigt. Zusätzliches Personal kümmert sich um die Betreuung der derzeit rund 1050 Asylbewerber. Da ein Heim aus statischen Gründen geschlossen werden musste, sind derzeit einige Flüchtlinge in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude untergebracht. Auf Bürgerversammlungen klären die Mitarbeiter des Amtes verstärkt Bewohner über die neuen Nachbarn auf. "Wir wollen nicht, dass sie isoliert leben", sagt die zuständige Amtsleiterin, Andrea Bestgen.

In der Landeshauptstadt Düsseldorf reichen die Kapazitäten derzeit noch aus. Es sei aber knapp. 1100 Asylbewerber lebten nach Angaben des Sozialamtes in der Stadt. Zum gleichen Zeitpunkt ein Jahr zuvor waren es mehr als 300 weniger. Seit längerem werde geprüft, wo sich Wohncontainer aufstellen ließen.

In der Studentenstadt Münster ist der Wohnraum ohnehin längst knapp. "Wir sind dicht und leben von der Hand in den Mund", sagt Pressesprecher Joachim Schiek. Die Stadt habe die Bürger und Kirchen dazu aufgerufen, Wohnungen für Flüchtlinge bereitzustellen. Auch in einem ehemaliger Bauernhof wohnen Asylbewerber. Münster sind seit Jahresbeginn rund 460 Flüchtlinge zugewiesen worden. Im gesamten Jahr 2012 waren es etwa 430 und 2011 lediglich halb so viele.

In Dortmund sind derzeit mehr als 1300 Flüchtlinge über die gesamte Stadt verteilt untergebracht. "Man muss dazu sagen, dass wir in Dortmund nicht diesen Druck auf den Wohnungsmarkt haben", heißt es bei der Pressestelle der Stadt. Deshalb könnten derzeit noch genügend Lösungen gefunden werden.

Die Kommunen müssen sich darauf einstellen, weitere Asylbewerber unterzubringen. Die Bezirksregierung Arnsberg, die landesweit für die Verteilung der Flüchtlinge zuständig ist, spricht von "vehement steigenden Zahlen". Die Flüchtlinge kommen mit steigender Tendenz aus Syrien, aber längst nicht allein aus dem Bürgerkriegsland. Auch aus Iran, Irak, Afghanistan, den Staaten des ehemaligen Jugoslawien und vor allem Nordafrika kämen viele Asylbewerber.

Das Land braucht deshalb zusätzliche Erstaufnahmestellen, in denen die Flüchtlinge bleiben können, bevor sie auf die Kommunen verteilt werden. Geprüft wird derzeit die Einrichtung einer solchen Unterkunft im ehemaligen Hauptquartier der britischen Streitkräfte in Mönchengladbach. Als Entlastung sollen Kommunen mit solchen zentralen Einrichtungen künftig weniger Asylbewerber zugewiesen werden. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat die Landesregierung bereits in den Landtag eingebracht. - lnw

Quelle: wa.de

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