Bahnstreiks in NRW: Langes Warten auf Züge

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NRW - Züge fallen aus, trudeln mit großer Verspätung ein, Pendler stehen sich an den Bahnhöfen in NRW die Beine in den Bauch. Denn Eisenbahner streiken am Morgen an entscheidenden Punkten des Netzes.

Die Warnstreiks bei der Bahn haben am Montag den Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen empfindlich gestört. Bahnfahrer im Nah- und Fernverkehr mussten viel Geduld mitbringen: Fast 300 Züge kamen später. Im Rheinland fielen auf den Strecken zwischen Köln, Bonn und Aachen etliche Regionalzüge aus. Am Kölner Hauptbahnhof gab es Verspätungen von bis zu zwei Stunden. In Dortmund kamen Bahnen bis zu 90 Minuten später als angekündigt. Manche Pendler brauchten für den Weg zur Arbeit an diesem Morgen Stunden länger.

ICE-Reisende mussten noch am Nachmittag länger auf manche Züge warten. Grund seien unter anderem verspätete Fernzüge aus Norden und Süden, sagte ein Bahnsprecher. Ein ICE aus München rollte am Mittag mit 50 Minuten Verspätung in Dortmund ein. Bundesweit fielen nach Angaben der Bahn rund 150 Züge ganz aus oder fuhren nur auf Teilstrecken. In NRW kamen 20 Bahnen gar nicht, 50 weitere rollten nur über einen Teil der normalen Strecke.

Schwerpunkt des Streiks in NRW war die Betriebszentrale in Duisburg, von wo aus etliche Stellwerke ferngesteuert werden. Dort legten etwa 50 Mitarbeiter für zwei Stunden die Arbeit nieder. An weiteren Stellwerken in Land - etwa in Dortmund, Hamm und Wuppertal - traten rund 50 Mitarbeiter vorübergehend in den Ausstand. Im Kundenservice in Duisburg-Wedau, von wo aus der Einsatz aller Güterzüge bundesweit gesteuert wird, streikten rund 200 Beschäftigte.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte die Mitarbeiter zu dem Ausstand aufgerufen, der um 8 Uhr endete. In Duisburg gab es zum Abschluss des Streiks eine Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz. Der Warnstreik diente dem Bahnpersonal als Druckmittel für die Tarifverhandlungen, die am Montagabend in Berlin fortgesetzt werden sollten. Die EVG fordert für 130 000 Arbeitnehmer 6,5 Prozent mehr Geld.

Vor den Informationsschaltern an den Hauptbahnhöfen in NRW bildeten sich am Montag meterlange Schlangen. Genervte Berufspendler und Schüler mussten sich die Verspätungen von Bahnmitarbeitern bestätigen lassen, um ihre Tickets erstattet zu bekommen. Manche Reisende zeigten aber Verständnis für den Ausstand der Eisenbahner. "Man ist Schlimmeres gewohnt", sagte ein 42-Jähriger aus Essen, dessen Zug zehn Minuten verspätet ankam. "Wenn Streik ist, habe ich großes Verständnis."

Ein 31-jähriger Lehrer aus Dortmund war dagegen erbost: "Ich finde es richtig, für mehr Lohn zu streiken, aber nicht auf dem Rücken der Berufspendler. Das ist asozial!" Gerhard Madl, mit seiner Ehefrau auf dem Weg nach Wien, erklärte in Köln: "Als Kunde habe ich für solche Streikaktionen überhaupt kein Verständnis." Verärgert waren einige Pendler auch darüber, dass Verspätungen auf den Bahnsteigen und an den Fahrkartenautomaten nicht immer aktuell angezeigt wurden.

Natürlich verstünden die Eisenbahner den Ärger der Bahnkunden, sagte ein Duisburger EVG-Sprecher. "Ein anderes Druckmittel gibt es aber leider nicht." Sollte die Tarifrunde ohne ein neues Angebot der Bahn enden, drohten weitere Streiks. "Wir können den Druck jederzeit verschärfen."

Wer in den Urlaub unterwegs war, war am Montag entspannter als Arbeitnehmer auf dem Weg ins Büro. "Wir sind völlig relaxt. Es ist ja nur eine halbe Stunde", sagte eine 60-Jährige, die in Düsseldorf auf den Zug nach Sylt warten musste.

Weil Warnstreiks bei der Bahn als "höhere Gewalt" gelten, bekommen Reisende keine Entschädigung für die Verspätungen, wie ein Bahnsprecher sagte. "Kunden konnten heute Morgen aber höherwertige Züge nutzen." Fahrkarten, die heute gültig waren, aber nicht genutzt wurden, würden normal rückerstattet. - lnw

Quelle: wa.de

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