Bahn macht im Kampf gegen private Konkurrenten wieder Boden gut

DORTMUND - Der Wettbewerb für die Deutsche Bahn wird im Nahverkehr härter. Das Geschäft gilt als lukrativ, besonders in NRW. Ein Drittel der Strecken wird hier im kommenden Jahr vergeben. Dann beginnt die große Schlacht um die Zugkilometer.

Es war eine Unterschrift, der noch viele folgen sollen: Joachim Künzel von der Deutschen Bahn setzte kürzlich seinen Namen unter den Vertrag für die Regionalbahnlinien 51, 63 und 64. Sie besiegelt, dass im Dreieck zwischen Dortmund, Münster und Enschede ab Dezember mehr rote Züge rollen.

Die rot-weiß-blauen Waggons der Prignitzer Eisenbahn hat der Großkonzern Deutsche Bahn von der Verbindung Dortmund-Enschede verdrängt und damit verlorenes Terrain nach sieben Jahren wieder gutgemacht. Aber während Künzel, der den DB-Verkehrsbetrieb der Westfälischen Regionallinien leitet, den Vertrag unterschreibt, hat der Kampf um die Zugkilometer erst begonnen. Zugkilometer heißt vereinfacht: die Gesamtlänge der – auch mehrfach hin und her befahrenen – Strecke pro Jahr.

Fast ein Drittel der gesamten Nahverkehr-Strecken in Nordrhein-Westfalen werden bis Mitte 2012 neu vergeben. Das bedeutet ein Volumen von 28 Millionen Zugkilometern. Für die Bewerber geht es um Arbeitsplätze – und um viel Geld: Fast sieben Milliarden Euro gibt der Bund jedes Jahr aus für den Nah- und Pendlerverkehr. Das größte Stück dieses Kuchens, 1,1 Milliarden Euro, wandert ins bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen. Unternehmen wie der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) schreiben die Aufträge aus und vergeben sie schließlich an Bahnfirmen.

Rund zehn private Betriebe wetteifern zwischen Rhein und Weser mit der Bahn. Bislang liegt der Anteil der privat betriebenen Strecken bei rund 30 Prozent, in Westfalen sogar bei 50 Prozent. Wichtigste Konkurrenten sind dort die Nordwest-Bahn, die Eurobahn und Abellio, die deutsche Tochter der niederländischen Staatsbahnen. Besonders spannend wird die Ausschreibung des Regionalexpresses auf der Linie 1 im Frühjahr 2012 werden. Sie führt von Paderborn über Dortmund, Düsseldorf und Köln nach Aachen. „Das ist der dickste Brocken in ganz Nordrhein-Westfalen“, sagt Künzel.

„David gegen Goliath“ – im Kampf um Zugkilometer will Bahn-Mann Künzel von dieser Metapher nichts wissen. Die Spielregeln seien für alle gleich. Aber die Mitbewerber fühlen sich von der Deutschen Bahn diskriminiert. Kern der Kritik: „Die Strompreise für Bahnkonkurrenten liegen bis zu 25 Prozent über denen, die DB-Unternehmen zahlen“, sagt Wolfgang Meyer, Präsident des Verbandes der Privatbahnen. Auch die Preise für die Benutzung der Stationen seien willkürlich. Außerdem hätten die Privaten wegen undurchsichtiger DB-Fahrpläne zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten. „Das hat alles mit fairem Wettbewerb nichts zu tun“, beklagt Meyer.

Künzel weist diese Vorwürfe von sich. „Alle Verkehrsunternehmen sind gleichgestellt. Wir bezahlen die gleichen Trassenkosten und Stationspreise wie andere Bewerber.“ Rabatte darauf erhielten die DB-Regionallinien nur wegen ihres Großkunden-Status, nicht als Teil des Konzerns. - dpa

Quelle: wa.de

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