Bahn-Experten: Rückgang bei Kabelklau um 40 Prozent

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Ein Deutsche-Bahn-Mitarbeiter markiert in Düsseldorf wichtige Leitungen entlang der Schienen mit einem DNA- Lack aus der Spraydose.

DÜSSELDORF - Für die Bahn ist Metalldiebstahl ein großes Ärgernis. Zwei Jahre nach Start eines Pilotversuches zeigen sich Erfolge im Kampf dagegen.

Metalldiebstähle können den Bahnverkehr bundesweit über Stunden aus dem Takt bringen. Oliver Wisser, Leiter der Konzernsicherheit bei der Bahn in NRW, und Bringfried Belter, Regionalleiter der DB Netz AG in NRW, freuen sich über erste Erfolge im Kampf gegen die Kriminellen.

Frage: Sie markieren seit einer Pilotstudie 2011 jetzt Erdungs- und Signalkabel mit künstlicher DNA...

Wisser: Und das Konzept greift. In den ersten Monaten dieses Jahres wurden bei der DB in NRW rund 25.000 Kilo weniger Metall gestohlen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Jeder siebte Täter wurde gefasst. 2012 hatten wir in NRW insgesamt 613 Fälle. Bundesweit verzeichnen wir in den ersten Monaten des Jahres 2013 einen Rückgang um rund 40 Prozent. Diesen Trend sehen wir auch in NRW. Insgesamt geht die Menge geklauter Metalle zurück. Wir leiden aber unter den vielen kleinen Eingriffen, auch wenn da nun unterm Strich weniger geholt wird.

Frage: Wo genau ist das Problem, wenn an einer Stelle im 4700 Kilometer langen Netz in NRW ein Kabel geklaut wird?

Belter: Jeder Fall hat erst einmal einen Komplett-Stopp auf dem entsprechenden Abschnitt zur Folge. Alle Signale stehen auf Rot! Ein Mitarbeiter muss hinfahren, prüfen und dann mit dem Fahrdienstleiter entscheiden, wie es weitergeht. Eine Möglichkeit ist, dass der Betrieb Zug für Zug an dieser Stelle vorbeigelotst wird. Aber in jedem Fall sind 60 bis 90 Minuten verloren, weil alles steht. Wenn der Betrieb dann wieder hochgefahren wird, kann es bis zum Abend dauern, bis sich alles wieder eingependelt hat. Und da das Netz in NRW sehr eng getaktet ist und wir einen Großteil des Fernverkehrs durchleiten, kann es auch bundesweit große Folgen haben. Bei einem Fall jetzt im Juni waren rund 150 000 Fahrgäste betroffen.

Frage: Bei der Markierung von Metallen mit künstlicher DNA geht es um Abschreckung?

Wisser: Zum Teil, ja. Geklautes Material lässt sich damit als Eigentum der DB identifizieren, und der Weiterverkauf wird erheblich erschwert. Wir haben uns hier auch mit den Metallhändlern zusammengetan und klären auf, wie typische Kabel der Bahn und andere Metallteile aussehen. Anhand der DNA lässt sich nachweisen, wenn sich Diebesgut auf ihrem Hof befindet. Selbst wenn die Metalle geschreddert sind, finden wir unsere Markierungen noch wieder. Und falls es dann noch einen Täter gibt, können wir anhand unserer Markierung sogar nachweisen, von welchem Streckenabschnitt das Metall stammt und wann es gestohlen wurde.

Frage: Gibt es denn schon einen aufgedeckten Fall?

Wisser: In NRW nicht, aber im Saarland. Der von den Dieben aufgesuchte Händler schöpfte Verdacht und informierte umgehend die Bundespolizei Bundespolizeineue Suche mit diesem Objektverfeinern nach diesem ObjektVerfügbare Bedeutungen: Bundespolizei . Wir werten die Markierungen als Erfolg. Es hat sich herumgesprochen, dass wir markieren und das schreckt ab. Der Einsatz von künstlicher DNA ist bei der Bahn aber nur eine von vielen Maßnahmen gegen den Metalldiebstahl. Wir setzen auf unser Sicherheitspersonal und eine intensive Zusammenarbeit mit der Bundespolizei. Außerdem verwenden wir wann immer es geht alternative Rohstoffe, die für Diebe weniger interessant sind.

Frage: Was sind die Folgen für den Netzbetreiber Bahn?

Belter: Wir hatten im vergangenen Jahr durch Metalldiebe Schäden von 17 Millionen Euro bundesweit, davon allein in NRW eine einstellige Millionensumme. Und das sind nur die reinen Materialkosten. Den Imageschaden können wir nicht bemessen. Allein in den ersten Monaten dieses Jahres waren rund 4200 Züge mit rund 53 800 Verspätungsminuten betroffen.

Frage: Wie hoch ist der Aufwand, den Sie im Kampf gegen Metalldiebe betreiben müssen?

Belter: Täglich sind bis zu 400 Mitarbeiter für die Sicherheit der DB in NRW im Einsatz. Spezielle Teams kümmern sich nur um die Bekämpfung dieses Deliktfeldes.

Frage: Was können sie noch tun im Hase-und-Igel-Spiel Metalldiebstahl?

Wisser: Im vergangen Jahr haben wir mit betroffenen Unternehmen ein Bündnis gegen die Metallkriminalität gegründet. Heute sind wir bereits elf Unternehmen, die gemeinsam gegen dieses Phänomen vorgehen. Unser Wunsch ist, dass die Metallhändler sich vom Bargeldverkehr trennen. Das würde den anonymen Handel beenden. Außerdem könnten sie zur Abschreckung nach dem Personalausweis der Verkäufer fragen. Bundesweit wünschen wir uns ein Lagebild zur Metallkriminalität. Das gibt es bisher nicht. Damit könnten wir sehen, wo es Schwerpunkte gibt, gezielt Metallhändler ansprechen und vor Aufkäufen warnen. - dpa

Quelle: wa.de

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