Autoverkäufer soll Geld unterschlagen und Kunden ermordet haben - Prozess begonnen

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DÜSSELDORF - Wie zum stummen Gruß ragte die Hand der Leiche aus dem „Grab“ im Autobahnkreuz Neuss-Süd und wurde dem mutmaßlichen Mörder zum Verhängnis: Ein 29 Jahre alter Autoverkäufer steht seit gestern wegen Mordes an einem Kunden vor dem Düsseldorfer Landgericht.

Er soll die 9500 Euro Anzahlung des Kunden unterschlagen und ihn erdrosselt haben, als der Frührentner die Herausgabe seines Autos verlangte.

Beim Prozessauftakt erschien ein schmaler Mann in tadellosem Anzug und mit dunkler Sonnenbrille. Er zeigte sich nicht gesprächig, schwieg. Seine beiden renommierten Strafverteidiger wollen den Mordvorwurf kippen und eine Verurteilung wegen Totschlags oder Körperverletzung mit Todesfolge erreichen.

Die Anzahlung des Kunden soll der Angeklagte unterschlagen haben, um Spielschulden zu begleichen. Doch die Hoffnung des dreifachen Vaters, den Betrag bis zur Auslieferung des Neuwagens anderweitig aufzutreiben, zerschlug sich. Seine Familie, die nun immerhin in der Lage ist, einen Top-Anwalt zu bezahlen, hatte er wegen des Geldes seinerzeit nicht fragen wollen. „Er galt als derjenige in der Familie, der es zu etwas gebracht hatte“, berichtete die Staatsanwältin. Als der Käufer, immer wieder vertröstet, schließlich ultimativ die Herausgabe seines Wagens verlangte, habe der Mann aus Dormagen ihn am 17. Januar erdrosselt, ist die Anklägerin überzeugt. Die Leiche des schwerkranken Frührentners hatte er vier Wochen lang an verschiedenen Orten gelagert, bevor er sie laut Teilgeständnis nachts im Autobahnkreuz verscharrte.

Monate später entdeckte Ende April ein Bauarbeiter die aus dem Erdreich ragende Hand. Der Boden soll beim Beseitigen der Leiche gefroren gewesen sein. Ein etwas tieferes Loch, und das Verbrechen wäre wohl nie ans Licht gekommen. Die Hand, die ihn verriet, war Mustafa B. schon vorher nicht geheuer. Wie eine „Hexenhand“ habe sie ausgesehen, erzählte er den Ermittlern.

Doch so eiskalt, wie die Staatsanwältin beschreibt, will der Verkäufer den schwerkranken Frührentner nicht ins Jenseits geschickt haben. Der 57-Jährige habe noch gelebt, noch geröchelt, als er ihn an einen anderen Ort gebracht habe, sagte er im Polizeiverhör. Zum Transport habe er ihm nach einem Handgemenge ein Kabel um den Hals gelegt. War der Tod also ein Missgeschick?

Eine Schutzbehauptung, ist die Anklägerin überzeugt. Vermutlich habe der Verdächtige damals die „Strangulationsfurche“ am Hals der Leiche zu erklären versucht. Dass die Furche durch den Verwesungsprozess längst verschwunden war, als Ermittler die Überreste aus dem Erdreich hoben, war dem Verdächtigen nicht in den Sinn gekommen.

Als die Leiche ans Licht kam, war aus einem Vermissten- ein Mordfall geworden, der die Ermittler zunächst vor Rätsel stellte. Bei der Leiche fanden sich mehrere tausend Euro Bargeld – der Restbetrag für das Auto. Erst der Hinweis eines Bekannten des Mannes auf den geplanten Autokauf brachte den Durchbruch. - dpa

Quelle: wa.de

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