NRW-Innenminister ruft  zur Mäßigung auf

Polizei muss Islamisten und Jesiden trennen

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Jesiden protestierten am Mittwoch in Herford nach einem Messerangriff von IS-Sympathisanten.

[Update, 19.20 Uhr] HERFORD -  Der brutale Konflikt im fernen Irak erreicht Deutschland. Im ostwestfälischen Herford entlädt sich die Gewalt zwischen Jesiden und Sympathisanten radikaler Islamisten. Der Staatsschutz ermittelt.

Im ostwestfälischen Herford ist es am Mittwoch zu schweren Ausschreitungen zwischen Sympathisanten der Terrorgruppe "Islamischer Staat" und kurdischen Jesiden gekommen. Auslöser war nach Angaben der Polizei ein Angriff radikaler Islamisten auf eine Gruppe jesidischer Männer. Sie hatten mit einem Plakat zu einer Protestdemonstration gegen die Verfolgung ihrer Glaubensgemeinschaft im Irak durch islamistische Terroristen aufgerufen.

Die Polizei nahm sechs Männer fest, die überwiegend aus Tschetschenien stammen. Der Staatsschutz übernahm am Donnerstag die Ermittlungen. Nach Angaben der Polizei sollen die Tatverdächtigen die Jesiden am Mittwoch vor einem Kiosk angegriffen haben, an dem das Plakat aufgehängt war, und zwei von ihnen durch Messerstiche leicht verletzt haben. Später versammelten sich mehrere hundert Jesiden, um gegen den Angriff zu protestieren.

In der Folge kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern beider Seiten. Erst durch den massiven Einsatz von Pfefferspray hätten die Beamten den Angriff beenden können. Mehrere Polizeihundertschaften waren im Einsatz.

In Hamm verlief dagegen am Mittwoch eine Demonstration des jesidischen Kulturvereins friedlich. Knapp 200 Demonstranten nahmen daran teil. Viele der Demonstranten forderten auf Plakaten Hilfe von Deutschland und der EU. Immer wieder wurden Parolen gegen die ISIS und ihre Gewalt gerufen. Die Demonstranten erklärten sich dabei auch mit anderen bedrohten Minderheiten solidarisch. „Anzeichen einer Gegen-Demonstration oder auf Gewalt gab es im Vorfeld ohnehin nicht“, erklärte in Hamm der Einsatzleiter der Polizei Hendrik Heine.

Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der Glaubensgemeinschaft der Jesiden und Sympathisanten der Terrorgruppe Islamischer Staat haben am Mittwoch in Herford für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt.

Am Donnerstag demonstrierten mehrere Hundert Jesiden in Detmold und Essen gegen die Verfolgung ihrer Glaubensgemeinschaft. Auf Transparenten und in Sprechchören forderten sie ein militärisches und humanitäres Eingreifen der internationalen Gemeinschaft. "Schützt die Jesiden. Stoppt den Völkermord", war auf Plakaten zu lesen. Bei beiden Kundgebungen am Donnerstag sprach die Polizei von einem friedlichen Verlauf. In Detmold beteiligten sich laut Polizei rund 600 Menschen an der Demonstration, in Essen etwa 250.

Die Jesiden-Anhänger einer eigenständigen monotheistischen Religion - sind eine im Nordirak lebende kurdische Minderheit. Die seit Juni im Irak kämpfende radikal-islamische Terrormiliz "Islamischer Staat" betrachtet die Jesiden als "Teufelsanbeter". Viele Jesiden werden daher von den Extremisten verfolgt. Nach UN-Angaben haben sich seit Dienstag rund 200 000 Jesiden in das Sindschar-Gebirge nahe der syrischen Grenze geflüchtet. Sie sind dort von Hilfsgütern weitestgehend abgeschnitten. Rund 40 Kinder sind laut UN bereits verdurstet.

NRW-Innenminister Ralf Jäger ruft zur Mäßigung auf.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), rief zu Besonnenheit und Gewaltlosigkeit auf. "Auf keinen Fall darf es bei uns Stellvertreterkämpfe geben, die wegen schwerer Konflikte im Ausland zu uns getragen werden" erklärte sie in Berlin. "Wer mit Terrororganisationen sympathisiert, erreicht die Grenze des Demonstrationsrechts und der Meinungsfreiheit. Wer Gewalt ausübt, überschreitet sie."

Auch NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) rief alle Seiten zur Mäßigung auf. "Jeder hat bei uns das Recht, seine Meinung frei zu äußern und zu demonstrieren", sagte er der in Bielefeld erscheinenden Tageszeitung "Neue Westfälische". Dies müsse aber friedlich geschehen. "Gegen Gewalttäter geht die Polizei konsequent vor." - she/lnw

Quelle: wa.de

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