Atom-Schutzübung 2013 missglückt

Radioaktive Wolke hätte NRW ohne Vorwarnung erreicht

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Das Kernkraftwerk Emsland in Lingen.

HAMM/HANNOVER - Seit dem Atomunglück im japanischen Fukushima überdenken auch deutsche Behörden ihre Katastrophen-Konzepte. Eine Übung offenbarte 2013 Kommunikationsmängel zwischen Bund und Ländern, die in der Realität auch für NRW-Großstädte wie Hamm, Dortmund, Münster oder Bielefeld Konsequenzen gehabt hätten.

Eine Notfall-Schutzübung nach einem fiktiven Gau im Atomkraftwerk "Moorland" südwestlich von Lingen im Emsland hat Schwachstellen beim Katastrophen-Management zwischen Bund und Ländern deutlich werden lassen.

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Die Protokolle der Lingener Störfall-Übung 2013

Die bereits am 17. September 2013 absolvierte Kommunikationsübung habe "Schwachpunkte beim Bund aufgezeigt", teilte am Montag das niedersächsische Umweltministerium mit Blick auf einen am Wochenende veröffentlichten Bericht der "Tageszeitung" mit.

Das Blatt hatte berichtet, dass bei der Übung der Krisenstäbe von Bund und Ländern die Bevölkerung erst dann gewarnt worden wäre, wenn die radioaktive Wolke bereits Millionen von Menschen erreicht hätte. Betroffen wären vor allem Städte in NRW gewesen - zum Beispiel Hamm, Dortmund, Münster oder Bielefeld, aber auch Mönchengladbach oder Aachen.

NRW-Umweltministerium übt Kritik

"Aus Sicht des in der Übung schnell radiologisch betroffenen Landes Nordrhein-Westfalen erfolgte die Bereitstellung von Prognose und Lage durch den Bund zu langsam", schreibt das NRW-Umweltministerium in einem Brief an das Bundesumweltministerium.

Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums räumte ein, dass in dem Übungsfall die Öffentlichkeit zu spät über die radioaktive Wolke informiert worden wäre. Das habe aber an dem sehr komprimierten Übungsablauf gelegen.

Die Übung habe Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen sollen. Das Bundesumweltministerium sei in jedem Jahr an verschiedenen nationalen und internationalen Notfallschutzübungen beteiligt. "Auch Kommunikationsübungen sollten künftig regelmäßig, zum Beispiel im 2- oder 3-Jahres-Rhythmus, stattfinden", hieß es. 

Ein Sprecher des niedersächsischen Umweltministeriums sagte, dass nach einer Empfehlung der Strahlenschutzkommission die Evakuierungszonen nach einem Reaktorunglück verändert werden sollen.

Evakuierungszonen werden vergrößert

Nach altem Stand gebe es Zonen von zwei und zehn Kilometern. Künftig solle der Bereich mit einem Radius von fünf Kilometern um einen havarierten Reaktor innerhalb von sechs Stunden nach einer Alarmierung evakuiert werden.

Ein Bereich von 20 Kilometern um das Atomkraftwerk solle innerhalb von 24 Stunden geräumt werden. Eine Zone 100 Kilometer um das Kraftwerk herum solle abhängig von der Ausbreitung der Radioaktivität eingerichtet werden.

Darin könnten dann Maßnahmen wie etwa die Einnahme von Jodtabletten oder die Evakuierung von Gebäuden angeordnet werden, die weiter als 20 Kilometer von den Reaktor entfernt sind. Auch für Radien größer als 200 Kilometer um einen havarierten Reaktor herum hält die Strahlenschutzkommission Schutzvorbereitungen für sinnvoll. - dpa

Quelle: wa.de

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