Prozessauftakt

Astwurf auf die A45: Angeklagter hat angeblich Erinnerungslücken

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Symbolbild

Dortmund - Der Ast war 2,60 Meter lang, zehn Kilo schwer und kam wie aus dem Nichts. Ein 22-jähriger Mann soll ihn von einer A45-Autobahnbrücke bei Dortmund auf ein Auto geworfen haben. Zum Prozessauftakt schweigt er.

Um kurz nach 3 Uhr in der Nacht auf den 1. Juli 2018 krachte das Holzstück urplötzlich auf die Motorhaube eines Fahrzeugs auf der Autobahn 45 bei Dortmund. Der 22-Jährige soll den Ast von einer Brücke geworfen und dabei den Tod der Autofahrerin in Kauf genommen haben. Seit Dienstag muss er sich vor dem Dortmunder Schwurgericht verantworten.

Die Fahrerin des Unglücksfahrzeugs wurde wie durch ein Wunder nur leicht verletzt. Trotz der totalen Überraschung beim Aufprall gelang es der 32-jährigen Castrop-Rauxelerin, das Fahrzeug zu bremsen und auf dem Seitenstreifen zum Stillstand zu bringen. Glassplitter verletzten sie leicht. Außerdem stand die Frau unter Schock, als die Polizei am Unfallort eintraf.

Die Beamten sicherten sofort auch das gefährliche Wurfgeschoss, um es später im Labor auf DNA-Spuren untersuchen zu lassen. Tatsächlich soll auf dem Holz gefundenes Zellmaterial schließlich zu dem Angeklagten geführt haben.

Der Angeklagte ist trotz seines geringen Alters bei der Polizei alles andere als unbekannt. Von mehreren Vorstrafen berichtete sein Verteidiger Markus Blumenstein am Rande des Prozesses. Bei den Delikten habe es sich im Wesentlichen um Sachbeschädigung oder Widerstand gehandelt.

Angeklagter trank in der Nacht viel Alkohol

Zum jetzt erhobenen Vorwurf des versuchten Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr wollte er sich am Dienstag noch nicht äußern. "Er wird aber sagen, was er noch weiß", erklärte Anwalt Blumenstein. Allerdings müsse gewährleistet sein, dass an diesem Tag auch der psychiatrische Sachverständige an der Verhandlung teilnehmen könne. Der Gutachter soll unter anderem die Frage der Schuldfähigkeit beantworten.

Der Verteidiger dämpfte gleich die Erwartungen an die Befragung seines Mandanten. Auf dem Gerichtsflur sagte er später: "Er kann sich so gut wie gar nicht mehr erinnern." Der 22-Jährige habe in der Tatnacht viel Alkohol getrunken. Möglicherweise seien außerdem Drogen im Spiel gewesen. Und: Der junge Mann war wohl nicht alleine unterwegs. Die Namen seiner Begleiter will er den Richtern nun nennen, damit diese die Zeugen laden können.

Staatsanwältin Sandra Lücke ist davon überzeugt, dass der Mann aus Frust handelte und den Ast gezielt auf das nahende Auto warf. Kurz vor der Tat soll er aus einem Nachtbus geworfen worden sein, weshalb er den restlichen Heimweg offenbar zu Fuß zurücklegen musste. - dpa

Quelle: wa.de

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