Tom Astor

Vom Feierabendsänger zum Cowboy aus dem Sauerland

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Astor steht seit einem halben Jahrhundert mit seinen deutschen Country- und Trucker-Songs auf der Bühne. Die Ausstellung "50 Jahre Live on Stage" in seinem Heimatort Schmallenberg zeigt Stationen eines Musikerlebens.

SCHMALLENBERG - Tom Astor, der "Cowboy aus dem Sauerland", steht seit einem halben Jahrhundert mit seinen deutschen Country- und Trucker-Songs auf der Bühne. Die Ausstellung "50 Jahre Live on Stage" in seinem Heimatort Schmallenberg zeigt Stationen eines Musikerlebens.

Aufhören ist für Tom Astor kein Thema. "Ich werde das machen, so lange ich nicht am Stock gehe und die Leute mich sehen wollen", sagt der 70-Jährige getreu seines Songs "Wir werden nicht älter - wir werden nur noch besser." Mittlerweile wollen die Leute ihn seit 50 Jahren sehen. Seit 1963 steht Astor auf der Bühne, hat weit über 700 Songs geschrieben. Und immer noch hat er rund 100 Konzert-Termine jährlich. Zum Bühnenjubiläum hat er Hunderte Erinnerungsstücke für eine Ausstellung zusammengestellt.

Angefangen hatte alles im März 1963 mit einem Talent-Wettbewerb in Köln. "Da haben mich Freunde hingeschickt", sagt Astor während er im Heimatmuseum seiner Heimatstadt Schmallenberg eine alte Gitarre zur Hand nimmt. "Das ist eine Framus Sorella, meine erste Auftrittsgitarre, die ich damals in Köln dabei hatte."

Der Abend in Köln veränderte das Leben des gelernten Hotelkaufmanns. "Danach bin ich nach Feierabend als Schlagersänger auf den in den 60-er Jahren beliebten “Bunten Abenden” unterwegs gewesen." 50 Mark Gage habe es damals gegeben. "Das war viel Geld." Was er später verdiente, will der mehrfache Plattenmillionär nicht verraten. "Ich mache das heute nicht mehr wegen des Geldes."

Nach kurzer Zeit hängte Wilhelm Bräutigam, so sein bürgerlicher Name, den erlernten Beruf an den Nagel und konzentrierte sich auf seine Musiker-Karriere. Schon bald gab es die erste Schlager-Single "Sabrina". Als er zur Country- und Trucker-Musik wechselte, verpasste ihm sein Produzent den weniger biederen Künstlernamen Tom Astor.

So kam 1984 der Durchbruch

Mit dem Stück "Hallo, guten Morgen Deutschland" kam dann 1984 der Durchbruch. Astor war gern gesehener Gast in Dieter Thomas Hecks Hitparade, spielte auf den großen nationalen Country-Festivals. Heute ist er meist in kleineren Hallen unterwegs. An bessere Zeiten erinnern die Auszeichnungen die Astor für die bis Ende August laufende Ausstellung aus den Vitrinen in seinem Tonstudio holte.

Produziert werden die Astor-Songs im Sauerland, doch eingespielt wurden die meisten Stücke in Nashville. "Da findet man weltweit die besten Studiomusiker", sagt er. Und dorthin holte er vor einigen Jahren auch seine Vorbilder wie Johnny Cash, Willie Nelson oder Kenny Rogers für seine CD "Duette" vors Mikrofon.

Seine ersten musikalischen Erinnerungen hängen an einer Elvis Single "Tutti Frutti", die mit Laub auf einem Stückchen Kunstrasen in der Ausstellung drapiert wurde. "Das war meine erste Platte, die ich mir vom Taschengeld gekauft habe. Als ich die im Wohnzimmer gehört habe, kam mein Vater rein und hat gesagt 'Das ist doch keine Musik' und hat sie aus dem Fenster geworfen."

Emotionen wie niemals zuvor

Goldene Schallplatten, Dutzende Konzert-Plakate aus fünf Jahrzehnten, extravagante Bühnenoutfits – zu fast jedem Stück in der Ausstellung fallen Astor Geschichten ein. Wie zu dem ramponierten Hut in einer Vitrine: "Den habe ich mir 1982 aus Texas als Souvenir mitgebracht. Vorher dachte ich immer, dass ich kein Hut-Träger-Gesicht habe. Nachdem ich den einmal aus Spaß auf der Bühne aufgesetzt hatte, riefen die Fans dann immer: 'Tom, wo ist dein Hut?' So bin ich zum Hut gekommen." Ab da wurden Stetson und Cowboystiefel zum Markenzeichen des Sängers.

Etwas sentimental wird der 70-Jährige bei einem Bild von einem Auftritt in der Deutschland-Halle 1989 zwei Tage nach der Maueröffnung: "Da hatten alle Ostberliner und DDR-Bürger freien Eintritt und ich habe dann 'Hallo, guten Morgen Deutschland' gesungen. Solche Emotionen habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt auf der Bühne." Auch heute noch hat Astor viele seiner treuesten Fans im Osten. - dpa

Quelle: wa.de

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