Hunderte aus dem Ruhrgebiet nehmen an Doku-Casting teil

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Für eine Arte-Dokumentation über die Geschichte des deutschen Steinkohlebergbaus werden 300 Komparsen und Darsteller gesucht.

Dortmund - Mit der Schließung der letzten Ruhrgebietszeche in Bottrop endet 2018 im Revier eine Ära. Der TV-Sender Arte produziert zu diesem Anlass eine zweiteilige Steinkohle-Dokumentation. Hunderte Ruhrgebietler folgen einem Casting-Aufruf. Viele entstammen Bergbau-Familien.

In der Bergmannskluft seines Vaters steht Francesco Onorato in der langen Schlange vor dem Dortmunder Gemeindezentrum. Dort soll heute ein Casting stattfinden für eine Fernseh-Dokumentation über die Geschichte des Steinkohlenbergbaus. Seit sein Großvater 1962 als Gastarbeiter für die Arbeit auf der Zeche aus Italien ins Ruhrgebiet kam, ist der Bergbau Teil seiner Familiengeschichte. Der 38-Jährige ist nur einer von vielen, die an diesem sonnigen Septembertag dem Filmcasting-Aufruf der Ennepetaler Agentur Eick gefolgt sind. Sie alle wollen der Historie ihrer Heimat ein Gesicht verleihen.

2018 stellt mit dem Bottroper Bergwerk Prosper-Haniel die letzte Steinkohlezeche im Ruhrgebiet den Betrieb ein. Der Sender Arte nimmt dies zum Anlass, die Geschichte der Kohleförderung im Revier in einem aufwändigen Zweiteiler nachzuerzählen. "Das schwarze Gold" soll Schlüsselmomente der Ruhrgebietshistorie von der Entdeckung der Kohle im 14. Jahrhundert bis heute wieder aufleben lassen. Dafür wird bunt gemischtes Personal benötigt.

"Wir suchen Menschen, die ins Mittelalter passen, ins 18. und 19. Jahrhundert und auch in die heutige Zeit", sagt Gregor Weber von der Casting-Agentur. Interessiert sei man aber auch an Menschen, die den Bergbau noch selbst miterlebt hätten. Schließlich werde auch an Original-Schauplätzen in Dortmund und Umgebung gedreht. Lange Haare sind dabei gefragter als kurze, denn die seien eher eine "Neuzeiterscheinung". Auch deutlich sichtbare Piercings, Sonnenbankbräune und gefärbte Haare könnten zum Ausschlusskriterium werden.

Die Auserwählten schlüpfen ab Oktober in die Rollen von "Bergmännern und ihren Familien, Direktoren, Adelsfrauen, historischen Persönlichkeiten und Soldaten", meint Weber. Bis dahin sollen sie die Haare für authentischere Styling-Möglichkeiten sprießen lassen.

Eine der besten Anlaufstellen für Bergbau-Dokumentarfilmer auf der Suche nach Authentizität ist Stefan Przigoda. Er leitet die Fotothek des montanhistorischen Dokumentationszentrums am Deutschen Bergbau-Museum in Bochum. "In sehr vielfältigen Zusammenhängen wird hier nachgefragt, ob wir historisches Filmmaterial haben", weiß Przigoda. Ganz gleich ob "für Neuproduktionen von Filmen und Dokumentationen, Ausstellungen oder zur Forschung". Gerade im Hinblick auf das Jahr 2018 habe die Nachfrage noch einmal spürbar zugenommen.

Laut Petra Müller von der Film- und Medienstiftung NRW steht das Ruhrgebiet "auf eine besondere Weise für den 'alten Westen'". Es sei "ein Ort, an dem Geschichten entstehen und erzählt werden müssen" und als Drehort aktuell beliebt wie nie zuvor.

Bei allem steht laut Wiebke Büsch vom Bergbaumuseum Bochum aber hauptsächlich der "bewahrende Aspekt von Industrie- und Bergbauerbe für zukünftige Generationen" im Vordergrund. In Sachen Image und inhaltlich formiere sich das Ruhrgebiet hingegen schon seit längerem zu einer Wissensregion. - dpa

Quelle: wa.de

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