Arnsberg will Modell für Energiewende werden

ARNSBERG ▪ Mehr und höhere Windräder, mehr Solardächer, mehr Bioenergie und die systematische Ausnutzung der Wasserkraft. So soll ein großer Teil der Energieerzeugung im Regierungsbezirk Arnsberg schon in naher Zukunft aussehen. Südwestfalen will Modellregion für die Energiewende in Nordrhein-Westfalen werden. Diesen Anspruch untermauerte der Arnsberger Regierungspräsident Gerd Bollermann (SPD) gestern mit einer Machbarkeitsstudie der Siemens AG.

Demnach schlummern in der Region bislang nicht erkannte Potenziale für die erneuerbaren Energien. Der Regierungsbezirk mit knapp 3,7 Millionen Einwohnern habe das Potenzial, seinen Energiebedarf sogar zu 100 Prozent aus in der Region gewonnenen regenerativen Energien zu decken, sagte Bollermann. Für realistisch halten die Experten vorerst einen Ausbau der Kapazitäten auf 27 Prozent des jährlichen Strombedarfs. Dieser Anteil könne bis 2020 erreicht werden. Bislang werden nur knapp acht Prozent des im Regierungsbezirk Arnsberg benötigten Stroms regenerativ erzeugt. „Das ist nicht nur für den Klimawandel wichtig, sondern auch eine Riesenchance für die Wirtschaft in der Region“, sagte Bollermann. Nun sei es wichtig, schnell mit den Kommunen in den Dialog zu kommen und um die Unterstützung bei der Landesregierung zu werben. Auch die Bürger vor Ort „müssen mitgenommen werden“. „Der Marathonlauf ist eröffnet, wir sind wild entschlossen, unsere Chance zu nutzen“, sagte der Regierungspräsident.

Der Regionalrat gab gestern grünes Licht, diesen Weg mitzugehen: Die Bezirksregierung wurde beauftragt, noch in diesem Jahr einen Gesamtplan für die Energiewende in Südwestfalen vorzulegen. Darin sollen die Potenziale genau fokussiert werden. Ein Aktionsprogramm soll aufgelegt werden und für eine Entfesselung aller Kräfte im Regierungsbezirk sorgen. Auch die Universitäten und Fachhochschulen in der Region sollen eng einbezogen werden. Technisches Know how sei gefragt, zum Beispiel für die Ertüchtigung der regionalen Netze und für die Speicherung von Energie.

Der Regionalrat will schnell die planerischen Voraussetzungen schaffen, damit die Investoren für Wind, Wasser und Sonne, an denen es zurzeit nicht mangelt, in die Region kommen. „Bei mir klopft jeden Tag jemand an und fragt, wo er in erneuerbare Energien investieren kann“, sagte Udo Paschedag, Staatssekretär im NRW-Umweltministerium. In der Tat geht es auch um handfeste Wirtschaftsinteressen: Bundesweit würden in den kommenden Jahren 60 Milliarden Euro in die Erneuerbaren investiert, hinzu kämen nochmals etwa 120 Milliarden Euro allein für Offshore-Windkraftanlagen, rechnete Paschedag vor. Von dem „Kuchen“ wolle Südwestfalen ein gutes Stück abhaben, sagte Bollermann. Das solle auch nicht zum Schaden der Kommunen sein: Die Energiewende bringe ihnen Steuermehreinnahmen von gut 200 Millionen Euro jährlich.

Einen mächtigen Verbündeten hat die Region bereits. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) sieht in einem ambitionierten Klimaschutz große Wachstums chancen für die deutsche Wirtschaft. „In diesem Segment entstehen riesige Märkte“, sagte der Minister am Mittwoch bei einem Besuch der diesjährigen Hannover Messe. NRW habe das Zeug, zum Technologieführer bei den erneuerbaren Energien zu werden. „Wir sind stark im Maschinenbau, beim Stahl, im Anlagenbau und in der chemischen Industrie“, so Remmel. Das seien allerbeste Voraussetzungen. Der Klimaschutz könne zu einer „Re-Industrialisierung“ führen. Schon heute sei die regenerative Energiewirtschaft ein Garant für Job-Zuwachs. In NRW arbeiteten 2009 bereits 24 000 Beschäftigte in der Branche, die einen Umsatz von etwa sieben Milliarden Euro erzielt habe, so Remmel. Bundesweit hielten Prognosen einen Anstieg auf 500 000 Mitarbeiter in der Umweltwirtschaft für möglich.

In Arnsberg wäre man angesichts so hehrer Ziele froh und glücklich, wenn die Landesregierung Südwestfalen zur Modellregion auswählen würde. „Wir brauchen finanzielle Unterstützung vom Land“, sagte Bollermann. Er hofft, dass das Modellprojekt auch noch Eingang in die „Regionale 2013“ findet. ▪ Von Detlef Burrichter

Quelle: wa.de

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