Prozess Soester Baby-Mord

Zeugin: "Sie ist nicht böse, aber das hat sie geplant."

+

SOEST/ARNSBERG - Im Prozess um die Anfang November in einer Wohnung am Soester Stadtrand verhungerte und verdurstete Fee-Marie hat das Schwurgericht in Arnsberg am Dienstag weitere Freunde und Bekannte der 22 Jahre alten Mordangeklagten vernommen.

Sie beschrieben die junge Frau als „gute Mutter“, die sich auf ihr Baby gefreut habe. Allerdings fiel Zeugen auf, dass die 22-Jährige häufig ohne ihre Tochter unterwegs war – ob zum Feiern oder zum Bekannten-Besuch.

„Sie hatte immer einen Baby-Sitter. Das war schon sehr auffällig“, sagten die Zeugen uni sono. In der Rückschau könne man davon ausgehen, dass das knapp vier Monate alte Mädchen auch schon vor seinem grausamen Tod Anfang November häufig allein gewesen sei.

Nach der Aussage einer 19 Jahre alten Freundin der Angeklagten bekommen auch die Zweifel an der Arbeit der Betreuer der jungen Mutter Nahrung: Die Zeugin hatte sich nach ihren Worten Sorgen um das Baby gemacht und bereits fünf Tage nach dem Verschwinden der jungen Mutter eine Betreuerin angerufen und mitgeteilt, dass die 22-Jährige Feiern sei und dass sie auch Drogen nehme. „Ich habe den Eindruck gehabt, dass die mich für hysterisch hält“, sagte die 19-Jährige. Sie habe die Frau gefragt, ob sie das Mädchen in den vergangenen Tagen und Wochen gesehen habe. „In einem Anflug von Ironie habe ich gesagt: Sie kann auch allein zu Hause liegen.“

Warum die Mitarbeiterin des Sozialwerkes Sauerland das nicht zum Anlass für eine Meldung ans Jugendamt oder für ein intensiveres eigenes Nachfragen genommen hat, kann sie sich nicht erklären. Denn der Leichnam des Babys wurde erst zwei Wochen später entdeckt, nachdem es weitere Hinweise gegeben hatte und die Angeklagte sich selbst ihrem Betreuer anvertraut hatte.

Prozess Soester Babymord in Arnsberg

Staatsanwalt Marco Karlin ließ diese Aussage und die damit verbundenen Vorwürfe an der Betreuung kalt. „Das würde mich nur dann interessieren, wenn sicher wäre, dass das Kind da noch gelebt hat“, sagte er am Rande der Verhandlung.

Die 19-Jährige, die die Angeklagte während ihrer Schwangerschaft als „ebenfalls zukünftige allein erziehende Mutter“ kennengelernt hatte, berichtete wiederholt, dass sie noch heute Probleme habe, mit den Geschehnissen klarzukommen. Und dann wandte sie sich direkt an die Angeklagte, die sie „als beste Freundin“ bezeichnete. „Wenn ich mir vorstelle, wie lange Fee geschrieen hat. Sie hat Dich gerufen, sie hat auf Dich gewartet“, sagte sie in einem Gefühlsausbruch.

Sie habe bereits zuvor mehrfach mit dem Gedanken gespielt, die Behörden zu informieren, sagte die sichtlich von den Ereignissen betroffene junge Frau, die ebenfalls Mutter eines Säuglings ist. „Aber ich konnte ihr doch nicht in den Rücken fallen.“ Als sie die Angeklagte darauf angesprochen habe, dass sie häufig ohne Fee unterwegs sei, habe die aufgebracht reagiert: „Sie hat gesagt: Ich gebe meine Tochter in gute Hände. Ich lass sie doch nicht allein in der Wohnung liegen.“

Dass sie mit ihren Vorahnungen und Sorgen so ins Schwarze getroffen hat, macht der 19 Jahre alten Mutter sichtlich zu schaffen. In ihrer Aussage zeigte sie auch Verständnis für die Angeklagte. „Sie stand enorm unter Druck, wollte nicht zugeben, dass sie überfordert ist.“ Diesen Gedanken griff dann auch der Vorsitzende Richter Willi Erdmann auf: „Ist das so gewesen?“, fragte er die Angeklagte, die nur mit einem tonlos genickten „Ja“ antwortete.

Das Unverständnis, das bislang über allen Aussagen im Gerichtssaal lag, brachte die Zeugin auf den Punkt: „Ich weiß nicht, warum man erzählt, dass sein Kind einen Tumor hat und sterben wird. Wenn man so etwas macht, ist das Kind im eigenen Kopf doch schon tot.“ Und deshalb unterstellt sie ihrer Freundin auch, dass sie genau gewusst habe, was sie getan hat. „Sie ist nicht von Grund auf böse. Aber die Sache mit Fee, das hat sie geplant.“

Ob die Kammer am Ende auch die Vorwürfe der Zeugin teilen wird, ist noch unklar. Für die Richter ist noch nicht auzuschließen, ob die junge Frau möglicherweise an einer psychischen Erkrankung leidet.  - jot

Mehr zu dem Prozess lesen Sie hier:

- Baby-Mord: "Fees Bild war auf ihrem Handy"

- Baby-Mord in Soest: "Ich habe sie vergessen"

- Soester Babymord-Prozess: Niemand hatte Bedenken

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare