Rätselhaftes Paket abgeworfen

Hubschrauber-Tiefflug: Ermittlungen gegen zwei Bundeswehr-Soldaten - Pferd verliert Fohlen

In Arnsberg-Holzen (NRW) hat ein Hubschrauber der Bundeswehr im Tiefflug ein Paket über einer Weide abgeworfen.
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In Arnsberg-Holzen (NRW) hat ein Hubschrauber der Bundeswehr im Tiefflug ein Paket über einer Weide abgeworfen.

Ein Hubschrauber der Bundeswehr hat im Sauerland mit einem Tiefflugmanöver für großes Aufsehen gesorgt. Aus dem Helikopter wurde ein rätselhaftes Paket abgeworfen. Es gibt neue Details zu dem Vorfall.

  • In Arnsberg-Holzen (NRW) war ein Hubschrauber der Bundeswehr im Tiefflug unterwegs.
  • Der Helikopter warf ein mysteriöses Paket über einer Weide ab.
  • Polizei und Bundeswehr untersuchen den Vorfall.

Update, 14. August, 12.18 Uhr: Es gibt neue Informationen zum Tiefflug eines Bundeswehr-Hubschraubers über Arnsberg-Holzen (NRW) am Montag. Wie ein Sprecher der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis gegenüber sauerlandkurier.de* erklärte, richteten sich die Ermittlungen der Polizei gegen „zwei Angehörige der Bundeswehr“. Einer der beiden sei ein 44-jähriger Mann aus Arnsberg, der allerdings nicht der Pilot des Hubschraubers gewesen sei. „Wer den Helikopter gesteuert hat, ist Bestandteil der Ermittlungen“, sagte der Sprecher.

Die Bundeswehr selbst hält sich mit Informationen zu dem Vorfall in Arnsberg-Holzen weiterhin bedeckt. Ein Sprecher bestätigte lediglich, dass es den Tiefflug am Montag gegeben habe und die Bundeswehr Kenntnis darüber habe. Zu den laufenden Ermittlungen könne er sich aber nicht äußern.

Arnsberg (NRW): Blumenstrauß aus Bundeswehr-Hubschrauber abgeworfen?

Mittlerweile gibt es auch Vermutungen, was in dem Paket gewesen sein könnte, das in Arnsberg-Holzen aus dem Bundeswehr-Hubschrauber abgeworfen wurde. Wie der WDR berichtet, scheint es sich dabei um eine „romantische Liebeserklärung“ in Form eines Blumenstraußes gehandelt zu haben, die ein Soldat seiner Verlobten überbracht habe. Die Bundeswehr äußerte sich dazu nicht - ebenso wenig dazu, welche Konsequenzen das Ganze für die Beteiligten haben könnte.

Schreckliche Folgen hatte der Tiefflug wohl für eine Pferdestute, die sich auf einer Weide in Arnsberg-Holzen aufgehalten hatte, als der Hubschrauber dort kreiste. Informationen des WDR zufolge soll das Tier ihr Fohlen verloren haben.

Arnsberg (NRW): Bundeswehr-Hubschrauber im Tiefflug über Holzen

Erstmeldung vom 12. August: Arnsberg (NRW) - Der Schreck ist aus den Worten von Vera Jürgens immer noch deutlich herauszulesen. Die Geschäftsleitung einer Bäckerei aus Arnsberg im Sauerland (NRW) erlebte am Montag hautnah mit, wie ein Hubschrauber der Bundeswehr im kleinen Örtchen Holzen für großes Aufsehen sorgte.

Eigentlich war es ein normaler Montagmorgen im 2000 Einwohner großen Ortsteil der Stadt Arnsberg. Doch plötzlich auftretender Lärm ließ die Normalität in den Hintergrund rücken, berichtet sauerlandkurier.de*: Gegen 9.30 Uhr habe ein Hubschrauber der Bundeswehr Holzen im Tiefflug angesteuert, wie Vera Jürgens auf Facebook berichtete. „Zunächst, als das Geräusch näher kam, dachten alle an einen Unfall auf der nahe gelegenen Straße“, schreibt sie.

Arnsberg (NRW): Hubschrauber versetzt Pferde in Panik

Ganz unbegründet war dieser Verdacht nicht, schließlich war erst vor knapp zwei Wochen in der Nähe von Arnsberg-Holzen ein Motorradfahrer gestürzt und musste mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden*. Doch am Montag hatte es keinen Unfall gegeben. Stattdessen erkannte Vera Jürgens, dass es sich bei dem Hubschrauber um ein Modell der Bundeswehr handelte, das „direkt im Tiefflug über unsere Pferdeweide“ geflogen sei, auf der sich drei tragende Stuten mit Fohlen befunden hätten.

Als der Hubschrauber dann hinter einem Hügel gedreht habe, fuhr Vera Jürgens und den Menschen um sie herum der Schreck in die Glieder: Der Helikopter habe im Tiefflug genau auf die Backstube der Bäckerei Jürgens in Arnsberg-Holzen zugesteuert. „Wir waren vor Angst wie gelähmt und rechneten jeden Augenblick mit dem Knall“, schildert die Geschäftsleitung ihre panischen Gedanken in diesem Moment. Der Hubschrauber sei daraufhin wieder abgedreht und im Tiefflug über die Pferdeweide geflogen, wo die Tiere unterdessen in Panik ausgebrochen seien.

Arnsberg (NRW): Frau sammelt abgeworfenes Paket auf Weide ein

Es folgte eine höchst mysteriöse Szene, wie Vera Jürgens auf Facebook beschrieb: Der Helikopter sei über eine Weide gegenüber der Backstube geflogen, auf der eine Frau das ganze Spektakel mit einem Handy gefilmt habe. Aus dem Hubschrauber, der laut Vera Jürgens in einer Höhe von nur noch 2,50 bis 3 Metern geflogen sei, hätten die Insassen daraufhin einen länglichen, weiß verpackten Gegenstand geworfen, den die unbekannte Frau aufgehoben habe und daraufhin von der Weide gelaufen sei. Vera Jürgens zögerte nicht und fragte die Frau per Zuruf, was sie auf der Weide mache. Diese habe dann erwidert, dass sie „nur etwas abholen“ solle.

Nach wenigen Minuten war das mysteriöse „Spektakel“ in Arnsberg-Holzen vorbei. Doch bei allen, die es beobachtet hatten, hinterließ es bleibenden Eindruck. Vera Jürgens informierte unmittelbar danach die Polizei, die ihr gegenüber zunächst gesagt habe, dass das Manöver genehmigt gewesen sei. Der Hubschrauber hätte demnach „lebenswichtige Mittel“ übergeben, so die Aussage der Polizei. Daran glaubt die Bäckerei-Geschäftsleitung nicht: „Lebenswichtige Mittel werden bestimmt nicht von einem Heli der Bundeswehr gebracht, zumal es freie Zufahrtsstraßen und andere Möglichkeiten gibt. Und diese werden bestimmt nicht aus einem fliegenden Heli geworfen“, schreibt sie auf Facebook.

Arnsberg (NRW): Hubschrauber für private Zwecke missbraucht?

Ob das Hubschrauber-Manöver in Arnsberg-Holzen tatsächlich genehmigt war, ist fraglich. Noch am Mittwoch berichtete Vera Jürgens der Redaktion, dass der Helikopter der Bundeswehr für private Zwecke missbraucht worden sei. Demnach habe sich der Pilot bei ihr für den Schrecken entschuldigt. Den Facebook-Post hatte sie im Anschluss gelöscht.

Von offizieller Seite gibt es noch keine Auskunft zu dem Vorfall. Wie ein Sprecher der Kreispolizeibehörde Hochsauerland am Mittwoch gegenüber sauerlandkurier.de* erklärte, sei ein „Ermittlungsverfahren wegen möglicher Verstöße“ eingeleitet worden. Bei dem Helikopter handele es sich demnach um den in Nörvenich bei Köln (NRW) stationierten Bundeswehr-Rettungshubschrauber SAR41.

Arnsberg (NRW): Bundeswehr schweigt zu Vorfall

Auch die Bundeswehr selbst weiß über den Vorfall aus Arnsberg-Holzen Bescheid. Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen wollte sich ein Sprecher des in Köln ansässigen Luftfahrtamtes der Bundeswehr dazu am Mittwoch allerdings nicht äußern. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen sei, konnte der Sprecher nicht sagen. Dementsprechend gibt es von dieser Seite aus derzeit noch keine Informationen, welchen Grund das Manöver hatte und was aus dem Hubschrauber abgeworfen wurde.

Das Heer bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass über dem Dorf zum fraglichen Zeitpunkt ein Hubschrauber der Bundeswehr unterwegs gewesen sei. Nach den Berichten darüber gebe es nun interne Ermittlungen, hieß es weiter.

Vera Jürgens wird wohl noch etwas Zeit brauchen, bis sie den Schock von Montag verdaut hat. In ihren Augen hätte der Vorfall noch viel schlimmer enden können, gerade weil der Hubschrauber „bewusst im Tiefflug über die panischen Pferde“ geflogen sei: „Nicht auszudenken, wenn diese noch in ihrer Panik durch den Zaun auf die Straße gelaufen wären. Das hätte Tote geben können.“ *sauerlandkurier.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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