Arbeitsmarktexperten fordern Hartz-IV-Reform

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DUISBURG - Nach zehn Jahren Hartz-IV-Reform haben Arbeitsmarktexperten der Universität Duisburg-Essen eine kritische Bilanz der Sozialreform gezogen.

Das "Vierte Gesetz für Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" habe zu sozialen Härten für Betroffene und falschen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt geführt, erklärten Wissenschaftler vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Hochschule.

Die Grundsicherung für Arbeitsuchende müsse dringend grundlegend reformiert werden. Unter dem Motto "Fördern und Fordern" seien die Mittel für die Förderung von Arbeitslosen weitaus stärker gekürzt worden als die Arbeitslosigkeit zurückgegangen sei, kritisierten die Forscher.

"Aktivierend" wirkten die bestehenden Regelungen nur auf die besser qualifizierten, gesunden und nur kurzzeitig Arbeitslosen. Weil Jobvermittlung Vorrang habe, falle ihr Weiterbildung weitgehend zum Opfer, die insbesondere für Langzeitarbeitslose dringend nötig sei.

Das "deutsche Jobwunder" der vergangenen Jahre ist nach Ansicht der Forscher weniger den Hartz-Reformen als vielmehr dem demografisch bedingten Rückgang an Erwerbstätigen, der Verteilung der Arbeit auf mehr Köpfe und rekordmäßigen Exportüberschüssen zu verdanken, hieß es.

Die Arbeitsmarktdynamik werde auch durch die gesunkenen Einstiegslöhne und prekäre Beschäftigungsformen gebremst, die einen Jobwechsel unattraktiv machten, kritisierten die Fachleute. Der stigmatisierende "Hartz IV"-Leistungsbezug könnte nach Ansicht der Forscher durch den Ausbau von Wohn- und Kindergeldleistungen vermieden werden.

Insgesamt sollten die Schnittstellen zwischen der Grundsicherung für Arbeitsuchende, auf die derzeit immerhin sechs Millionen Menschen angewiesen seien, und anderen Sozialleistungssystemen überprüft und optimiert werden. - epd

Quelle: wa.de

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