Ansturm auf Asylbewerber-Unterkünfte in NRW

BIELEFELD/DÜSSELDORF - Die Flüchtlingsunterkünfte in Nordrhein-Westfalen stoßen an ihre Grenzen. Grund sind die Flüchtlingsströme aus Krisenländern wie Syrien und Afghanistan, sagt das Land. Kritiker sprechen dagegen von Versäumnissen der Behörden.

Die Asylbewerber-Unterkünfte in Nordrhein-Westfalen erleben derzeit einen Ansturm von Flüchtlingen. Eine Sprecherin des Innenministeriums in Düsseldorf bestätigte am Dienstag einen entsprechenden Bericht der "Westfälischen Rundschau": Die Zahl der neuen Asylanträge sei "exorbitant" gestiegen - von 790 im Juli 2011 auf 1184 im Juli dieses Jahres.

Die meisten Flüchtlinge kommen demnach aus Syrien, Afghanistan, Iran und Irak. Es gebe Engpässe in den Erstaufnahme-Einrichtungen in Bielefeld und Dortmund sowie in den Unterkünften im sauerländischen Hemer und im münsterländischen Schöppingen. Nun werde über eine fünfte Einrichtung nachgedacht, sagte die Sprecherin. Derzeit gibt es etwa 1550 Plätze.

Sie wies Vorwürfe zurück, das Land habe auf die Entwicklung nicht rechtzeitig reagiert. So sei Anfang 2011 die Einrichtung in Bielefeld wieder eröffnet worden, um die steigenden Bewerberzahlen zu bewältigen. Derzeit spreche man mit der Stadt Dortmund darüber, kurzfristig Hotelzimmer anzumieten.

Der Dortmunder Stadtsprecher Hans-Joachim Skupsch sagte der dpa, die dortige Aufnahmeeinrichtung arbeite am Limit. "Und das wird derzeit gelegentlich noch überschritten." In Dortmund gebe es 300 Plätze plus 50 Notplätze, aktuell seien aber 420 Menschen dort untergebracht. "Jetzt muss das Land reagieren."

In den Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben die Flüchtlinge drei bis fünf Tage. Dort wird die Akte angelegt, die Gründe für den Asylantrag werden aufgenommen, es werden Fingerabdrücke genommen, Fotos gemacht. Anschließend werden die Asylbewerber in die Durchgangsunterkünfte nach Hemer und Schöppingen gebracht und dann auf die eigentlichen Unterkünfte im Land verteilt.

Die NRW-Flüchtlingsreferentin der Diakonie, Karin Asboe, sagte der Zeitung: "Wir schlagen seit langem Alarm. Die Situation, wie jetzt in Dortmund, war absehbar." Es gebe zu wenig Plätze und zu wenig Mitarbeiter zur Anhörung der Asylbewerber. Die Bearbeitung der Anträge sei Sache des Bundes, hieß es im Innenministerium von NRW.

Auch bundesweit ist die Zahl der Erstanträge auf Asyl stark gestiegen. Im Vergleich zum Juni stieg die Zahl im Juli 2012 um 15,3 Prozent auf 4498. Verglichen mit dem Juli 2011 war es sogar ein Anstieg um 30,8 Prozent.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der Asylbewerber in Nordrhein-Westfalen um 13 Prozent gestiegen. Nach 36 000 im Vorjahr erhöhte sie sich auf fast 41 000. Zuvor war die Zahl der Asylbewerber zwölf Jahre lang gesunken. 44 Prozent der Bewerber kamen aus Europa, 38 Prozent aus Asien. Jeweils sechs Prozent stammten aus den Krisenländern Syrien und Irak. - lnw

Quelle: wa.de

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