NSU-Untersuchungsauschuss

Anschlag am S-Bahnhof: Erste Durchsuchung bei Ralf S. war mangelhaft

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Der S-Bahnhof Wehrhahn in Düsseldorf.

[Update 17.10 Uhr] Düsseldorf - Die Suche nach dem Bombenleger vom Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn verlief nicht ohne Pannen. Das hat der damalige leitende Ermittler eingeräumt. Die Ermittler seien irgendwann "mit ihrem Latein am Ende" gewesen.

Nach dem Bombenanschlag an einem Düsseldorfer S-Bahnhof ist der Polizei ausgerechnet bei der ersten Durchsuchung beim mutmaßlichen Täter Ralf S. eine Panne unterlaufen. "Das war eher ein oberflächlicher Stubendurchgang, keine richtige Durchsuchung", sagte der damalige leitende Ermittler Dietmar Wixfort vor dem NSU-Untersuchungsauschuss des NRW-Landtags. "Das war nicht hinnehmbar, was da passiert ist."

Der in der vergangenen Woche verhaftete 50-jährige Rechtsradikale Ralf S. soll am 27. Juli 2000 am S-Bahnhof Wehrhahn mit einer selbstgebauten Rohrbombe ein Bombenattentat aus Fremdenhass verübt haben. Dabei waren zehn Menschen, überwiegend jüdische Einwanderer aus Osteuropa, verletzt worden. Ein Metallsplitter drang in den Bauch einer schwangeren Frau und tötet ihr ungeborenes Baby.

Nach dem Anschlag sei erst bei der zweiten Durchsuchung, vor der man stundenlang auf den richterlichen Beschluss warten musste, reichlich Material beschlagnahmt worden, sagte Wixfort weiter. Bis der Beschluss endlich vorlag, sei "mehr Presse als Polizei vor Ort gewesen. Das war schon sehr abstrus. Wir mussten Ralf S. heimlich rausbringen."

Hinweise auf Ralf S. gab es bereits unmittelbar nach dem Bombenanschlag. "Darunter war aber nichts Konkretes. Er war der übliche Verdächtige, im Stadtteil bekannt wie ein bunter Hund", sagte der Kriminalbeamte. Es sei wegen der dünnen Verdachtslage schwer gewesen, den Durchsuchungsbeschluss und eine Genehmigung für eine Telefonüberwachung für Ralf S. zu bekommen. Außerdem hätten ihm Bekannte damals ein Alibi gegeben.

Der Analyse der Profiler zufolge sei Ralf S. Einzeltäter, sagte der aktuelle Ermittlungsleiter Udo Moll. "Wir gehen aber davon aus, dass es Mitwisser gegeben haben kann." Das von den Experten ausgeworfene Profil des Attentäters passe auf Ralf S.: Er habe das notwendige waffentechnische Wissen samt Sprengstoffausbildung bei der Bundeswehr, verfügte über die handwerklichen Fähigkeiten und ein Schweißgerät, hatte eigens eine Wohnung angemietet, kannte die Unterrichtszeiten der Opfer, hatte Zugang zum Sprengstoff TNT und die fremdenfeindliche Motivation.

Es seien damals auch noch zwei weitere Verdächtige im Visier gewesen: ein Rechtsradikaler, der sich nach Bayern abgesetzt hatte, und ein Waffennarr mit Justiz-Hass, sagte Wixfort. "Ende 2001 waren wir mit unserem Latein am Ende. Ralf S. war ein möglicher Täter, wir konnten es ihm aber nicht nachweisen."

Nach Bekanntwerden der Mordserie des rechtsextremen NSU war intensiv geprüft worden, ob auch der sogenannte Wehrhahn-Anschlag auf das Konto des Neonazi-Trios gehen könnte. "Wir haben keinerlei Hinweise auf den NSU gefunden", sagte Moll. Dem Verdächtigen wird zwölffacher versuchter Mord vorgeworfen. Der ehemalige Zeitsoldat und Militaria-Händler soll sich 2014 in einem Gefängnis in Castrop-Rauxel mit der Tat gebrüstet haben. Außerdem ist eine Zeugin, die ihm ein Alibi gegeben hatte, inzwischen von ihrer Aussage abgerückt. - lnw

Quelle: wa.de

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