Angst vor Geisterfahrern: Experten warnen vor Panik

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Der Geisterfahrer riss in Meschede vier weitere Menschen mit in den Tod.

MESCHEDE - Der Unfall auf der A 46 bei Meschede kostete fünf Menschen das Leben. Der Geisterfahrer hatte offenbar Selbstmordabsichten. Verkehrsexperten warnen dennoch davor, alle Falschfahrer in eine Kategorie einzuordnen. Entsprechend schwierig ist die Präventionsarbeit.

Darüber hinaus seien Geisterfahrer verhältnismäßig selten an tödlichen Autobahnunfällen beteiligt.

Weil es den typischen Geisterfahrer nicht gibt, lässt sich aus Expertensicht kaum etwas vorbeugend gegen die meist schweren Unfälle tun. „Ich warne davor, Falschfahrer einzuteilen in die Kategorien Suizidtäter oder senile Alte oder betrunkene, junge Autofahrer“, sagte Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE) am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Ein klares, einheitliches, charakteristisches Profil fehle bei Falschfahrern. „Wir haben es mit einem sehr differenzierten Täterbild zu tun – wenn man überhaupt von Tätern sprechen kann.“

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Es gebe keine Hinweise darauf, dass Suizidabsichten vermehrt der Auslöser für Unfälle mit Falschfahrern sind, erklärte der Fachmann. Es sei nicht auszuschließen, dass viele Geisterfahrer zu Tätern werden, weil sie nicht richtig aufgepasst haben.

Verhindern lässt sich dieses Phänomen nach Ansicht von ADAC-Sprecher Otto Saalmann nur bedingt. Eine Möglichkeit wird seit Dezember 2010 in Bayern bei einem Feldversuch getestet, etwa auf der Autobahn A 8 München-Salzburg an acht Ausfahrten zwischen Übersee am Chiemsee und dem Grenzübergang Walserberg. Auf einer signalgelben Warntafel sehen Autofahrer, die in falscher Richtung auf die Autobahn wollen, eine schwarze Hand mit den Hinweisen „Stop“ und „Falsch“. Der Modellversuch folgt dem Vorbild Österreichs, wo es solche Schilder schon seit rund 20 Jahren gibt. Saalmann hält die Warnschilder für eine gute Idee: „Bloß gegen denjenigen, der auf der Autobahn wendet, können sie überhaupt nichts machen.“

Bilder vom Unfall in Meschede sehen Sie hier:

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Keine belastbaren Anzeichen gibt es nach Hillgärtners Worten für die These, dass es im Herbst häufiger zu Unfällen mit Falschfahrern komme. „Jedenfalls sind nicht häufiger Geisterfahrer unterwegs.“ Sicherlich könnten eingeschränkte Sicht etwa wegen Nebels dazu führen, dass Schilder noch schlechter erkannt werden. „Deshalb ist es wichtig, im Herbst besondere Vorsicht walten zu lassen.“ Saalmann ergänzte, dass Autobahnunfälle mit Falschfahrern sehr selten seien. „Geisterfahrer verursachen drei Prozent der tödlichen Unfälle auf Autobahnen“, sagte Saalmann. Gleichwohl starben allein im Oktober zwölf Menschen bei Unfällen mit Geisterfahrern. Saalmann warnt dennoch vor Panik: „Die allermeisten Falschfahrerfahrten gehen glimpflich aus.“ Bundesweit würden im Jahr 2 800 Fälle gemeldet, davon 2 000 auf Autobahnen.

Autofahrern empfiehlt Hillgärtner, bei Warnungen vor Falschfahrern rechts ranzufahren und gegebenenfalls stehenzubleiben. „Und wenn die Warnung im Rundfunk zu spät kommt, dann ist es schnell passiert und jetzt wie hier im letzten Fall mit schwerwiegenden Folgen.“ - dpa

Quelle: wa.de

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