Freundlich, aber nicht euphorisch

Merkels Wahlkampf-Auftakt in Dortmund: Diese fünf Dinge sind aufgefallen

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Startete am Samstagmittag in Dortmund in den Wahlkampf: Bundeskanzlerin Angela Merkel. 

Dortmund - Wahlkampf-Auftakt der Bundeskanzlerin: Angela Merkel, die CDU-Vorsitzende und derzeitige Umfragekönigin, beginnt die heiße Phase in Westfalen, in den Dortmunder Westfalenhallen.

Vor rund tausend Vertretern des CDU-Arbeitnehmerflügels geht sie am Samstagmittag mit spürbarer Zuversicht in die letzten sechs Wochen vor der Bundestagswahl. Unser Chefredakteur Martin Krigar war dabei, ihm sind fünf Dinge aufgefallen:

  1.  Die Parteibasis begrüßt ihre Vorsitzende freundlich, aber nicht euphorisch. Auch der Schlussbeifall nach einer klaren, nüchternen Rede ist ehrlich, aber im Vergleich zu früheren Wahlkampfauftritten von überschaubarer Länge. Keine lauten "Angie-Angie"-Chöre wie in früheren Jahren. Die CDU und ihre Kanzlerin sind (noch?) nicht in Kampfstimmung. Vielleicht weil sie es (noch?) nicht nötig haben.
  2. Die Kanzlerin nennt ihren wichtigsten Gegenspieler mit keinem Wort. SPD-Spitzenmann Martin Schulz hatte im Interview mit unserer Mediengruppe noch ausführlich über Merkels vermeintliche Stärken und Schwächen geredet - Merkel spricht nur über ihre eigenen Verdienste und Pläne. Das ist die Taktik einer Titelverteidigerin, die angesichts ihres großen Umfragevorsprungs vor allem die Mobilisierung der eigenen Anhänger im Blick hat. Überhaupt wird "die Sozialdemokratie" nur einmal erwähnt: als Merkel die umstrittene Erhöhung der Lebensarbeitszeit auf die einstige SPD-Ikone Franz Müntefering zurückführt, durchaus als vergiftetes Lob gedacht. 
  3. Dass die SPD einen Wahlkampf zum Thema "Gerechtigkeit" führen will, ist dennoch nicht folgenlos geblieben. Der Wahlkampfauftakt beim CDU-Arbeitnehmerflügel hat genau diesen thematischen Hintergrund. Merkel beschwört die soziale Marktwirtschaft, mit besonderer Betonung auf dem Sozialen. Sie lobt sich für Reformen bei Mindestlohn und Leiharbeit. Sie beschwört die Bedeutung von betrieblicher Mitbestimmung und Tarifbindung. Sie verweist auf anhaltenden Reformbedarf in den Bereichen Pflege, Aus- und Weiterbildung. Auch wenn das SPD-Schlagwort Gerechtigkeit nicht fällt: Der inhaltliche Schwerpunkt bei Merkels Wahlkampfauftakt zeigt, dass es in den nächsten Wochen zentral um solche Fragen gehen wird.
  4. Wichtigstes Element der Erfolgsgeschichte, die Angela Merkel in den Mittelpunkt des Wahlkampfs rücken will, soll die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sein. Die Kanzlerin lässt sich für gute Beschäftigungszahlen feiern. "Deutschland steht gut da." Obwohl sich die Welt "in einer Phase des Umbruchs" befinde, gibt Merkel Vollbeschäftigung bis 2025 als Ziel aus. Auch deshalb will sie die kriselnde Automobilindustrie unterstützen. Die Konzerne trügen zwar die Verantwortung für ihre Vertrauenskrise. Eine allzu harte Gangart gegenüber VW, Audi & Co. lehnt Merkel aber mit Blick auf "hunderttausende von Arbeitsplätzen" ab. Auch eine Quote für Elektroautos (wie sie der unerwähnte Schulz gerade vorgeschlagen hat) hält Merkel für "noch nicht durchdacht". 
  5. Der SPD-Chef will durch seine Nähe zum Alltag der Menschen Punkten. Angela Merkel versucht das ebenfalls: mit dem Blick auf den harten Alltag eines Paketboten, der Online- Bestellungen ausliefert; mit der Beschreibung eines normalen Familienlebens, bei dem das Mittagessen vom Blick aus Handy beeinflusst wird; oder mit der Betrachtung elektronischer Hilfen für Autofahrer, die sich mit dem Einparken schwer tun: "Ich spreche da vor allem die Männer an." Nichts von solchen Szenen dürfte im persönlichen Kanzlerinnen-Alltag eine Rolle spielen. Sei's drum. Im Wahlkampf geht's schließlich vor allem darum, irgendwie den Alltag der Basis zu erreichen. Bis zum 24. September täglich überall in Deutschland.

Angela Merkels Wahlkampf-Auftakt in Dortmund

Quelle: wa.de

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