Der Feuersalamander soll gerettet werden - nur wie?

+
Feuersalamander

Aachen - Eine der auffälligsten Amphibienarten in Deutschland ist bedroht. Ein Pilz könnte den Feuersalamander auslöschen - und das rasend schnell. Wissenschaftler wollen für den Fall vorbereitet sein. Auch die Hilfe privater Naturfreunde ist gefragt.

Er ist aggressiv, tödlich - und fürs Auge unsichtbar. Wirklich nachgewiesen wurde die tödliche Bedrohung für den Feuersalamander, der Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal), bisher nur in der nordrhein-westfälischen Eifel. Trotzdem halten Wissenschaftler die Bedrohung deutschlandweit für so real, dass sie an einem Rettungsplan für den schlimmsten Fall arbeiten. 

Sollte der Pilz den Feuersalamander fast zum Aussterben bringen, sollen nicht infizierte Tiere wie in einer Art Arche Noah in Gefangenschaft überleben. "Da untersuchen wir gerade, welche Populationen kämen dafür überhaupt infrage", sagt Sebastian Steinfartz vom Zoologischen Institut der TU Braunschweig. 

Genetische Vielfalt spielt bei der Auswahl eine Rolle und die Anpassung an besondere Lebensbedingungen. Vielleicht lässt sich der Pilz ja in 20 oder 30 Jahren bekämpfen oder es haben sich widerstandskräftige Populationen gebildet, die man dann mit den bewahrten kreuzen kann, so die Hoffnung. Der wahrscheinlich aus Asien eingeschleppte Pilz war 2015 in Deutschland zum ersten Mal an einem freilebenden Tier nachgewiesen worden: in der Eifel an der belgischen Grenze. 

Der "Salamanderfresser" ist der perfekte tödliche Feind, wie Schweizer Forscher unter anderem der Universität Zürich in einer kürzlich vorgestellten Studie erklären: widerstandkräftig, hochansteckend, immer tödlich. Deutschland ist der Verbreitungsschwerpunkt des Feuersalamanders in der EU und trägt für diese Amphibienart daher eine besondere Verantwortung. 

Bis 2014 musste sich auch niemand große Gedanken machen, dem Feuersalamander ging es ganz gut - bis die Schreckensmeldungen von den westlichen Nachbarn kamen. In den Niederlanden hat der Pilz den Feuersalamander fast ausgerottet, in Belgien ist die Population völlig eingebrochen. Auch in der Eifel befürchten Artenschützer wie der Biologe Lutz Dalbeck, dass sich bei der jetzt anstehenden Zählung wieder alarmierende Rückgänge zeigen. 

Im Nationalpark Eifel etwa: Im südlichen Teil, direkt an der belgischen Grenze, wo es vorher große Vorkommen gegeben hat, war ein Jahr später nichts mehr zu sehen. In einem anderen Gebiet gab es einen extremen Rückgang - nicht auf Null aber. Überleben doch einige Tiere den Pilz? Das fragt sich auch Dalbeck, der das Monitoring mit der Universität Trier im dritten Jahr hintereinander macht. 

Im Mai wird der Biologe wieder rausgehen und den Nachwuchs, also die Larven zählen. Unter Experten gilt die Eifel als das bestuntersuchte Feuersalamander-Gebiet in Deutschland. Das könnte der Grund dafür sein, dass der Pilz bisher nur im tiefen Westen Deutschlands nachgewiesen wurde, ist sich auch Dalbeck im Klaren. Vielleicht habe man ja einfach noch nicht gemerkt, dass der Pilz auch woanders irgendwo im tiefen Wald sei. 

Denn bei aller Schönheit des schwarz-gelben Feuersalamanders, der zu den auffälligsten Amphibienarten zählt - für Amphibien-Liebhaber sei er nicht so attraktiv. "Da muss man nachts bei Regen in den Wald und sieht in der Regel nicht viele andere Amphibienarten." Und wo man nicht hinguckt, sieht man eben auch nichts vom möglichen Sterben der Tiere. Artenschützer wollen ein Frühwarnsystem installieren, gerade weil die Ausbreitung der Tierseuche für die Fachleute weitgehend eine Blackbox ist. 

Es hat zwar vereinzelt Untersuchungen im Naturpark des Solling und im Harz gegeben, Proben aus Thüringen wurden untersucht - aber das ist zu wenig für fundierte Schlüsse. Über Naturschutzstationen sollen Naturfreunde und Wanderer sensibilisiert werden: "Wenn Ihr irgendwo tote Salamander findet, die nicht überfahren sind, dann meldet die bitte. Damit wir sehen, wo ist der Pilz", sagt Steinfartz.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare