Altersarmut stellt Tafeln in NRW vor immer größere Herausforderungen

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Immer mehr Bedürftige sind auf Lebensmittelspenden angewiesen, zugleich fehlen Hunderte ehrenamtliche Helfer.

Essen - Die Tafeln in NRW können mit der gesellschaftlichen Entwicklung kaum Schritt halten: Immer mehr Bedürftige sind auf Lebensmittelspenden angewiesen, zugleich fehlen Hunderte ehrenamtliche Helfer. Der Landesverband schlägt Alarm.

Immer mehr ältere Menschen in Nordrhein-Westfalen nutzen das Angebot der Tafeln und erhalten Lebensmittelspenden. "Wir beobachten seit Jahren, dass die Zahl der Rentner, die zu unseren Ausgabestellen kommen, zunimmt", sagte der Vorsitzende des Landesverbandes, Wolfgang Weilerswist. Grund seien vor allem die steigenden Mieten und Energiepreise. "Die Senioren haben meist keine Wahl. Von der ohnehin kleinen Rente bleibt seit Jahren immer weniger übrig und dann wird oft an Lebensmitteln gespart. Unserer Einschätzung nach sind besonders viele Frauen betroffen."

Die Anzahl der Bedürftigen in NRW, die sich bei den Tafeln melden, steigt nach Angaben des Landesverbands jedes Jahr um mindestens zehn Prozent. In den letzten zehn Jahren habe sie sich fast verdoppelt. Derzeit sind etwa 200.000 Menschen bei den insgesamt rund 170 Tafeln in NRW registriert, davon sind knapp die Hälfte Rentner. Die Zahl der Asylbewerber sei im Vergleich dazu eher gering. "Aktuell unterstützen wir in NRW um die zehntausend Flüchtlinge", sagte Weilerswist. Die wachsende Altersarmut, die er bei seiner Arbeit beobachten könne, mache ihm die größten Sorgen.

Um die Bedürftigen auch weiterhin mit Lebensmitteln versorgen zu können, fordert der Landesverband die Unterstützung der Kommunen. Die Bereitstellung von mietfreien Räumen oder ein Erlass der Kosten für die Müllentsorgung sind nach Worten von Weilerswist mögliche Maßnahmen, um das Überleben der Tafeln in NRW zu sichern. Bisher gebe es eine solche Form der Unterstützung "so gut wie nie".

Schon jetzt stoßen die Tafeln laut Landesverband vielerorts an ihre Kapazitätsgrenzen. Neben Spendengeldern fehle es an Hunderten ehrenamtlichen Helfern. In einigen Städten im Ruhrgebiet gebe es inzwischen Wartelisten, weil der Zulauf nicht bewältigt werden könne. Die Tafel in Hamminkeln am Niederrhein musste im Dezember ihre Arbeit einstellen, weil Helfer gefehlt hätten. "Ich hatte gehofft, dass die Arbeit der Tafeln in Deutschland irgendwann überflüssig wird, weil es kaum noch Armut gibt. Im Moment sieht es leider ganz so aus, als würden wir mehr denn je gebraucht", sagte Weilerswist. -dpa/lnw

Quelle: wa.de

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