Hollstein-Attentat: Erstmals kommt Ehefrau Claudia zu Wort

Altenas Bürgermeister erhält weiter Todesdrohungen

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Claudia Hollstein neben ihrem Ehemann und einem Jurymitglied in Berlin bei der Verleihung des 1. Integrationspreises der Bundeskanzlerin.

Altena - „Man ist als Partner hilflos, wenn so etwas passiert. Man kann aktiv nicht eingreifen. Natürlich bin ich froh, das in der Situation nichts Schlimmeres passiert ist. Aber es gab sofort weiter heiße Anrufe, Hass-Mails und anonyme Anrufe.“ Dabei sei zum Beispiel auch expliziert nach der Privat-Adresse gefragt worden. Wer könne daran Interesse haben, der seinen Namen nicht nenne?, frage sie sich. So äußerte sich erstmals Claudia Hollstein, Ehefrau des am 27. November bei einem Messerattentat verletzten Bürgermeisters, in einem WDR-TV-Beitrag.

Zwei Monate nach der Messerattacke am 27. November im Döner-Imbiss in der Innenstadt, in der Hollstein nur dank des beherzten Eingreifens der beiden im Verkaufsraum befindlichen Betreiber des Grills überlebt hat, befragte ein WDR-Fernseh-Team der Lokalzeit Südwestfalen sowohl den Betroffenen, als auch die Ehefrau. 

Altenas Bürgermeister Hollstein mit Messer angegriffen

Erschreckende Feststellung, die gleich in der Anmoderation des Vier-Minuten-Films am 24. Januar angesprochen wurde: Nach der Tat ging es mit Anrufen, Postings und Hass-Mails erst so richtig los und es fielen und fallen Sätze wie: „Wir bringen dich um!“ Hollstein und Partnerin versuchen, das Erlebte gemeinsam zu verarbeiten.

Wir bringen dich um!

 „Wir gehen viel spazieren“, sagt das Stadtoberhaupt in dem TV-Beitrag und spricht auch erstmals von seinem „Infarkt im Ohr“, einem Hörsturz, als direkte Folge der Tat, der ihn im Dezember ereilte. Ein Ohr sei taub geworden. Und er habe sich schon gefragt, ob es wieder anspringt. Das sei, so hätten ihm die Ärzte gesagt, eine körperliche Reaktion auf das Erlebte. Über das Geschehene zu reden, statt es zu verdrängen, das ist das Rezept von Dr. Andreas Hollstein und seiner Ehefrau Claudia. Und so meint der Verwaltungschef, im Nachhinein nichts ändern zu wollen an seiner Art, mit den Geschehnissen umzugehen. Auf die Frage des WDR-Reporters: „War der Medien-Rummel am Ende zu viel?“

Zu großer Medienrummel?

sagte er: Er habe am Tag nach der Tat eine Pressekonferenz im Rathaus gegeben und sei Gast in zahlreichen TV-Talkshows gewesen. „Andere, die so etwas erleben, haben Träume und können schlecht schlafen.“ Er mache mit seiner Arbeit vor Ort weiter, wissend, das man natürlich alles rund um das Attentat und die Folgen nun einmal nicht in zwei Tagen oder zwei Wochen so einfach wegstecke. 100 polizeiliche Ermittlungsverfahren, so stellt der WDR-Redakteur in seinem Beitrag fest, sind zurzeit anhängig, weil sie als massive Bedrohung für Leib und Leben von Hollstein eingeschätzt werden. Doch das Mobben geht weiter. Hollstein griff im TV-Film zum Handy und öffnete beispielhaft eine Nachricht: „Du hast 200 Illegale zu verantworten. Wir drehen dir den Hals um. Tröste dich, die fette Qualle Altmaier – (Kanzleramtsminister und geschäftsführender Wirtschaftsminister im Kabinett Merkel. D. Red.) – den Lump kriegen wir am Ende auch noch. Er soll ganz langsam krepieren, wird totgeschlagen.“

Hollstein: Mich treibt das eher an

Hat Dr. Andreas Hollstein beim Lesen einer solchen Mail heute nicht doch ein komisches Gefühl?, fragt der WDR-Reporter zum Abschluss des Streifens. Der 55-Jährige antwortet: „Mich treibt so was eher noch an.“

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Quelle: wa.de

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