Familie gerettet

Alpen-Drama: Soester mit Kind im Totengraben in Lebensgefahr

Ein Alpinpolizist trug das Kleinkind sechs Stunden lang in die Tiefe.
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Ein Alpinpolizist trug das Kleinkind sechs Stunden lang in die Tiefe.

Der Alpen-Ausflug einer Familie aus Soest endete am Mittwoch in einem Bergrettungs-Drama. Sie befand sich in akuter Lebensgefahr.

Ebensee/Soest - 21 Bergretter, fünf Alpinpolizisten und ein Hubschrauber waren im Einsatz, um einen 32-jährigen Soester, seinen 23-jährigen Bruder und das dreijährige Kind des Älteren in einer stundenlangen Aktion aus akuter Lebensgefahr zu retten.

GemeindeEbensee am Traunsee
LandÖsterreich
Einwohner7.597

Alpen-Drama: Soester mit Kind im Totengraben in Lebensgefahr

Nach dem gemeinsamen Frühstück auf der Riederhütte im Höllengebirge der österreichischen Alpen wollten die Soester wieder zurück zur Bergstadtion wandern. „Dabei hatte der Vater seinen Sohn in einer Rückentrage und dessen Bruder trug den Rücksack samt Ausrüstung und Schlafsäcken“, berichtete die Landespolizeidirektion Oberösterreich.

Bereits wenige Meter von der Riederhütte entfernt, wählten die Wanderer laut Polizeiangaben einen falschen Abzweig und kamen von den markierten Wanderwegen ab. Nichtsahnend stiegen die beiden Soester mit dem Kind etwa zwei Stunden in Richtung des sogenannten Totengrabens ab.

Alpen-Drama um Soester: Plötzlicher Wetterumschwung und dichte Wolken

Plötzlich gab es einen heftigen Wetterumschwung: „Bei markanter Verschlechterung des Wetters und dichten Wolken kletterten die beiden Männer mit dem Kind bei nassem Felsen und Nieselregen über eine seilversicherte Stelle mehrere Meter senkrecht ab, ehe sie nicht mehr weiterkonnten“, schilderte die Polizei.

Der Hubschrauber „Libelle“ hob zur Rettung ab. Doch der Rettungsversuch aus der Luft musste abgebrochen werden.

Der 23-Jährige habe daraufhin den Notruf verständigt, wenig später hob der Polizeihubschrauber „Libelle“ ab, ebenso starteten gegen 12.40 Uhr ein Beamter der Alpinpolizei Gmunden und die Bergrettung Ebensee in den Einsatz. „In einem Telefonat mit den Wanderern konnten erste Koordinaten ermittelt werden“, berichtete die Bergrettung.

Fotos der Rettung: Alpen-Drama - Soester mit Kind in Lebensgefahr

Fotos der Rettung: Alpen-Drama - Soester mit Kind in Lebensgefahr
Fotos der Rettung: Alpen-Drama - Soester mit Kind in Lebensgefahr
Fotos der Rettung: Alpen-Drama - Soester mit Kind in Lebensgefahr
Fotos der Rettung: Alpen-Drama - Soester mit Kind in Lebensgefahr
Fotos der Rettung: Alpen-Drama - Soester mit Kind in Lebensgefahr

„Die Besatzung lokalisierte die Hilfesuchenden nach mehreren Rückrufen an einer anderen Stelle als angegeben, etwa 300 Meter tiefer“, ergänzte die Polizei. Doch die erhoffte Rettung aus der Luft musste abgebrochen werden: „Noch während des Anfluges zu einem Rettungsversuch verdichteten sich die Wolken und eine Rettung mit dem Hubschrauber war nicht mehr möglich.“

Alpen-Drama um Soester: Retter finden sie - dann wird es richtig kritisch

Deshalb flog die „Libelle“ drei Bergretter und den Alpinpolizisten zur anderen Seite des „Feuerkogels“. Bei der Suche im dichten Nebel entdeckten die zwei Suchgruppen die Bergsteiger gegen 15 Uhr in einer Höhe von etwa 1450 Metern über dem Meeresspiegel im „Großen Totengraben“ durch Rufe.

Die Soester mussten aus steilem Gelände gerettet werden.

Jetzt wurde es erst richtig kritisch: Nachdem die verirrten Soester versorgt und gesichert wurden, begann ein sechsstündiger Abseilmarathon. Das Kleinkind wurde vom Alpinpolizisten getragen, während die Bergrettungskräfte die beiden Brüder sicherten und abseilten. „Die Sichtweite betrug zwischenzeitlich keine zehn Meter, eine Navigation war nur mehr mittels GPS möglich.“ Einsatzleiter Erich Bart berichtete: „Uns war klar, dass wir die drei ohne die Unterstützung von weiteren Einsatzkräften nicht heil nach unten bringen.“

Alpen-Drama um Soester: Wegverlauf durch Totengraben gesichert

Deshalb wurden weitere Einsatzkräfte der Bergrettung und der Alpinpolizei nachalarmiert, die vom Tal aus im Aufstieg einen Wegverlauf durch den Totengraben mit Bohrhaken und Fixseilen sicherten, schilderte die Polizei die dramatische Lage.

Der Dreijährige überstand das größte Abenteuer seines Lebens unbeschadet.

Der dreijährige Soester hat das vermutlich größte Abenteuer seines Lebens unbeschadet überstanden, berichtete die Bergrettung: „Gemeinsam gelang es der Einsatzmannschaft unter enormer Kraftaufwendung, die zwei Bergsteiger und den tapferen Buben gegen 21 Uhr unverletzt zu den Einsatzfahrzeugen ins Tal zu bringen. Die letzten Einsatzkräfte, die die Seile wieder abbauten und teilweise ungesichert absteigen mussten, kamen gegen 22 Uhr in völliger Dunkelheit im Tal an.“ Im Einsatz waren insgesamt 21 Bergretter und fünf Alpinpolizisten sowie die Besatzung des Hubschraubers.

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