Von "Nölen" bis "Plästern"

Auf dem Weg zum "Nordrhein-Westfälisch"

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"Es plästert!" - Die Menschen in Nordrhein-Westfalen bewegen sich sprachlich immer mehr aufeinander zu.

BONN - Rheinländer und Westfalen mag manches trennen. In der Alltagssprache bewegen sie sich aber aufeinander zu, hat Sprachforscher Georg Cornelissen herausgefunden. Worte wie "Pläte", "Köpper" oder "pingelig" seien inzwischen in beiden Landesteilen gebräuchlich.

In der Alltagssprache bewegen sich Westfalen und Rheinländer offenbar aufeinander zu. "Es gibt mehr sprachliche Gemeinsamkeiten als man denkt", hat der Sprachforscher Georg Cornelissen herausgefunden. Anlässlich des von der Unesco ausgerufenen "Internationalen Tags der Muttersprache" am 21. Februar weist der Sprachexperte beim LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn auf eine Fülle gemeinsamer Wörter hin.

Nordrhein-Westfälisch spreche, wer beispielsweise Wörter wie "knibbeln", "plästern" oder "Pott" benutze. Sie seien in beiden Teilen des Bindestrichlandes gebräuchlich, hat Cornelissen anhand von Spracherhebungen herausgefunden. Auch der "Köpper" im Schwimmbad oder "Pläte" für Glatze gehörten in diese Kategorie.

Ein Grund für die Annäherung ist die Kommunikation, die heute keine räumlichen Grenzen kennt. Das Kölner Wort "Klüngel" hat es so in den Duden geschafft. Motor des Sprachwandels sei die Jugend, sagt der Rheinländer Cornelissen. Das rheinische "Tschö" etwa sei im Ruhrgebiet ganz klar auf dem Vormarsch, das habe eine Umfrage bei jungen Leuten in Essen erbracht.

Auch das rheinische Düsseldorf und das westfälische Dortmund verbinde zumindest sprachlich eine große Nähe. In beiden Großstädten seien "typisch nordrhein-westfälische Wörter" beheimatet. Beispielsweise das "Pinneken" für Schnapsglas, "nölen" für nörgeln, "Muckefuck" für Kaffeeersatz oder zu schlappen Kaffee, "Klümpken" für Bonbon oder "knibbeln" für zupfen oder mit den Fingernägeln bearbeiten.

An die Stelle des immer seltener zu hörenden Platt ist eine Art "Dialekt-light" getreten, der Regiolekt. Diese "dat-und-wat-Sprache" sei auf dem Weg zu einem immer einheitlicheren Nordrhein-Westfälisch, sagt Cornelissen. "Die Exotismen fallen fort, und was bleibt ist die nordrhein-westfälische Schnittmenge."

"Man ist gewohnt, das Trennende zu beachten", meint der Sprachexperte - als lägen zwischen den Landesteilen Welten. "Mein Ansatz ist: Aber guckt doch mal, was Euch verbindet." Die Menschen seien es gewohnt, in den Kategorien zu denken, ob das Wort "pingelig" nun westfälisch oder rheinländisch sei. "Es ist beides." Eigentlich müsse man sogar den Bindestrich streichen zwischen Nordrhein-Westfalen, meint er.

Manche Wörter machen dagegen keine großen Sprünge. Fürs Bonbon etwa haben einzelne Regionen eigene Worte: von "Klümpken" bis "Bröcksken" oder "Babbelken", "Boms", "Bömsken" oder Kölner "Kamelle". - dpa

Quelle: wa.de

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