Dortmunder Ärzte zahlen für Leichtsinn mit altem Sperma

DORTMUND - Erst verhalfen sie zwei Kindern zum Leben, jetzt müssen sie zahlen: Fünf Jahre nach einer künstlichen Befruchtung sind zwei Dortmunder Frauenärzte verurteilt worden, den Unterhalt für im 2007 geborene Zwillinge zu übernehmen.

Die Mediziner hatten eingefrorenes Sperma benutzt, das längst hätte vernichtet werden müssen. Außerdem hatten die bei einem Kinderwunschzentrum arbeitenden Mediziner bei dem Eingriff auf die Anwesenheit des Vaters verzichtet.

Das Dortmunder Landgericht entschied am Donnerstag, dass beide bis zur Volljährigkeit der Kinder den gesetzlichen Mindestunterhalt leisten müssen – insgesamt mehr als 100.000 Euro. Damit gaben die Richter der Klage des Zwillingsvaters großteils recht. Dieser hatte behauptete, dass die Mutter der Kinder ohne sein Wissen und seine Zustimmung sich mit seiner Samenspende habe künstlich befruchten lassen.

Der heute 40-jährige Hattinger hatte 2004 aus Angst vor einer Unfruchtbarkeit Spermaproben in dem Zentrum einfrieren lassen. Der Vertrag über die Lagerung der Samen sollte nach einem Jahr enden, das Material vernichtet werden.

Tatsächlich jedoch – so die Richter – habe die frühere Partnerin den Vertrag heimlich verlängert und die Spermien vier Jahre später für eine künstliche Befruchtung genutzt. Ende 2007 kam das Zwillingspärchen zur Welt, für das der Vater wider Willen seither Unterhalt zahlen muss. Kontakt zu seiner früheren Freundin und den Kindern bestehe überhaupt nicht.

Laut Gericht müssen die Ärzte Unterhalt zahlen, weil sie mit den Spermien nicht sorgsam umgegangen seien, Dies beziehe sich nicht nur auf die Lagerung, sondern auch auf den verwortlichen Umgang mit dem anvertrauten Genmaterial. Sie hätten prüfen müssen, an wen dieses „höchstpersönliche Gut“ herausgegeben worden sei.

Nach den Behauptungen des unfreiwilligen Vaters hatte sich seine Ex-Freundin mit gefälschten Unterschriften und womöglich fingierten Anrufen eines unbekannten Dritten die künstliche Befruchtung erschlichen. Auch die Richter gehen davon aus, dass es in dem Kinderwunschzentrum nie zum persönlichen Gespräch mit dem Samenspender kam und dass niemand die von der Frau angegebenen Personalien geprüft habe. Für dieses Fehlverhalten müssten die Ärzte haften.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und wird nach Einschätzung der Zivilkammer wohl beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe noch einmal überprüft. Sollte der Dortmunder Richterspruch Bestand haben, ist der leibliche Vater dennoch in der Pflicht. Da die verklagten Mediziner nur den Mindestunterhalt bis zur Volljährigkeit zahlen, muss der Hattinger Zusatzzahlungen leisten, wenn er gut verdient oder den Kindern später ein Studium finanzieren. - Lisa Moorwessel

Aktenzeichen: 4 O 320/10

Quelle: wa.de

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