Adolf Sauerland weiter unter Beschuss

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Adolf Sauerland ▪

DUISBURG ▪ Er wird mit Mord bedroht und dürfte derzeit einer der unbeliebtesten Politiker des Landes sein: Viele sehen in Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) nach wie vor einen der Hauptverantwortlichen der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten. Von Helge Toben

Einen sofortigen Rücktritt lehnt Sauerland nach wie vor ab. Auch persönliche Schuld räumt er nicht ein: „Es muss geklärt werden, wer der Verursacher dieses tragischen Ereignisses war. So weit sind wir noch nicht“, sagte er am Sonntagabend im WDR-Fernsehen. 950 000 Menschen verfolgten laut WDR, wie Sauerland beteuerte: „Jeden Morgen, wenn ich wach werde, wünsche ich mir, dass alles das, was wir erlebt haben, nur ein böser Traum ist, aber es ist Realität.“

Der Unglückstunnel: Tausende von Trauerkerzen, die meisten längst verloschen, säumen die Gehsteige der Karl-Lehr-Straße. Zwischen Blumen, Plüschbären, Engelsfiguren und Briefen liegen gemalte Bilder, Zeitungsausschnitte, Fotos. Schuldzuweisungen gegen Sauerland auch hier: „Sauerland ist schuld“ steht auf einem Zettel. Ein 74-Jähriger meint, dass der Oberbürgermeister die Stadt eigentlich nicht mehr repräsentieren kann: „Die ihn zu offiziellen Anlässen eingeladen haben, müssen doch denken: Hoffentlich haben wir keinen Schaden dadurch, dass er kommt.“

Seine Kritiker konnte Sauerland bislang nicht besänftigen: „Was diese traumatisierte Stadt von ihm bekommen hat, war perspektivlos“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Duisburger Stadtrat, Jürgen C. Brandt. „Duisburg sehnt sich nach einem OB, der Verantwortung übernimmt, der Führungskraft zeigt und Menschlichkeit transportiert“, sagte er. Auch im Internet gab es vor allem negative Äußerungen: „Herrn Sauerland wurde so netterweise die Möglichkeit gegeben, seine mit gut bezahlten Medienberatern wohlüberlegten Floskeln zu verbreiten“, meinte ein Zuschauer auf WDR.de.

Bei einigen Bürgern findet Sauerlands Rücktritts-Weigerung aber auch Zustimmung: „Er soll darauf gucken, dass andere mit in die Verantwortung gezogen werden“, rät ein Duisburger. Trotzdem ist sich der Mann sicher: „Er wird zurücktreten. Er ist nicht mehr tragbar.“

Die CDU-Fraktion im Rathaus der Ruhrgebietsstadt jedoch steht hinter ihrem OB. „Für uns ist die Frage, ob irgendwer abgewählt wird, überhaupt kein Diskussionsthema, weil wir wissen wollen, was tatsächlich passiert ist“, sagte Fraktionschefin Petra Vogt. Seinen ersten Auftritt im Duisburger Stadtrat hat Adolf Sauerland am 6. September bei einer Sondersitzung zur Loveparade. Für den erwarteten Abwahl-Antrag gibt es jedoch bislang keine Mehrheit. ▪ lnw

Quelle: wa.de

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