Verkehrsunternehmen fordern mehr Geld für Infrastruktur

KÖLN - Schlechte Schienen, marode Fahrzeuge: Dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland mangelt es an Geld, beklagt der Dachverband.

Mehr Geld für die Sanierung von Anlagen, Fahrzeugen und Technik im öffentlichen Nahverkehr hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gefordert. Derzeit fehlten mehr als drei Milliarden Euro für die Erneuerung der Infrastruktur in Deutschland, sagte VDV-Präsident Jürgen Fenske am Donnerstag in Köln anlässlich eines "Deutschland-Tags des Nahverkehrs". Der größte Bedarf entfalle dabei auf Nordrhein-Westfalen. Fenske ist auch Vorstandsvorsitzender der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB).

In diesem Zusammenhang wurde bereits der Preis für Semestertickets diskutiert.

"Wenn man heute ein Studententicket auf Basis unserer Fahrgastbefragungen einführen würde, müsste es theoretisch 43 Prozent teurer sein als momentan", sagte eine Sprecherin des Verkehrsunternehmens zu einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. 

Mehr dazu lesen Sie HIER

Nahverkehrsunternehmen, Städte und Gemeinden dürften mit den notwendigen Investitionen in die kommunalen Verkehrsinfrastruktur nicht alleine gelassen werden. Der Verband appellierte an Bund und Länder, die zukünftige Finanzierung des ÖPNV vor allem für Sanierung und Erneuerung der Infrastruktur zu sichern. "Während es für den Neubau seit Jahren Finanzierungsinstrumente im Bundeshaushalt gibt, die auch weiterhin nötig sind, stellt der Bund für Erneuerung und Sanierungsmaßnahmen keine Gelder bereit", hieß es.

"Die ÖPNV-Unternehmen fahren an vielen Stellen auf einer immer älteren Infrastruktur und an der Kapazitätsgrenze, weil dringende Investitionen für Erneuerungen und Ausbau ausbleiben beziehungsweise verschoben werden müssen", sagte Jürgen Fenske weiter. Ingesamt befördern die ÖPNV-Unternehmen in Deutschland nach VDV-Angaben pro Tag rund 30 Millionen Fahrgäste.

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) sprach in einer Mitteilung von einem "immer drängenderen Handlungsbedarf". Als Beispiele nannte er "heruntergekommene, nicht barrierefreie Bahnhöfe, alte Straßenbahnen oder Busse, vor allem in den Ballungszentren überfüllte Verkehrsmittel und marode Brücken bei Straße und Bahn". Eine zukunftsfähige Finanzierung der Infrastruktur müsse in den kommenden Koalitionsverhandlungen im Bund ganz oben auf der Agenda stehen.

An dem bundesweiten Tag von VDV und der Infrastrukturinitative "Damit Deutschland vorne bleibt" beteiligten sich 36 Verkehrsunternehmen und -verbünde, darunter die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die Düsseldorfer Rheinbahn AG und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Hintergrund:

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird in Nordrhein-Westfalen in acht Verkehrsverbünden organisiert. Sie werden von einzelnen Verkehrsunternehmen getragen. Die größte Fläche und die meisten Fahrgäste hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR).

Er reicht vom Ruhrgebiet über die Landeshauptstadt Düsseldorf bis zur holländischen Grenze. 2012 zählten die VRR-Unternehmen mehr als 1,1 Milliarden Fahrten. Das Streckennetz ist 15.300 Kilometer lang.

Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) organisiert das Angebot rund um Köln und in den südlichen Landesteilen bis nach Rheinland-Pfalz. Mit den Kölner Verkehrs-Betrieben hat der VRS den größten Einzelbetreiber in Nordrhein-Westfalen. Die übrigen Landesteile decken der Aachener Verkehrsverbund, der Verkehrsverbund OWL Verkehr für Ostwestfalen-Lippe, der Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter, sowie die Verkehrsgemeinschaften Münsterland, Westfalen-Süd und Ruhr-Lippe ab.

Alle Verbünde koordinieren die Arbeit der lokalen und regionalen Verkehrsanbieter für Bus, Straßen- und U-Bahn, meist sind das die Stadtwerke. Die Regional-Angebote der Deutschen Bahn und private Bahnbetreiber ergänzen das jeweilige Netz. - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare