Am Abend und in der Nacht

Familienvater entkommt Tod um einen Meter: Mehrere Verletzte bei schweren Unfällen auf der A44 im Kreis Soest

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Der Transporter wurde bei dem Unfall in der Nacht zu Montag komplett zerstört, sein Fahrer schwerst eingeklemmt.

Auf der A44 im Kreis Soest haben sich am Sonntagabend und in der Nacht zu Montag zwei schwere Verkehrsunfälle ereignet. Mehrere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Bei einem Unfall wurden ein Polizist und eine Polizistin zu Ersthelfern - am Ende erreichte sie eine erleichternde Botschaft.

Kreis Soest - Ein Smartphone mit zersplittertem Display ist stiller Zeuge eines schweren Verkehrsunfalls, der sich in der Nacht zu Montag gegen 0.40 Uhr auf der Autobahn A44 bei Geseke ereignet hat. Die Polizei hat es an sich genommen. Auf dem leuchtenden Handydisplay lacht ein kleiner Junge in die Kamera. Er hat großes Glück, dass er weiter mit seinem Papa aufwachsen kann. 

Der Mann war nämlich mit seinem Transporter in der Autobahn-Abfahrt verunglückt und entkam dem Tod um gerade einmal einen Meter. Der 29-jährige Transporter-Fahrer schlief ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge am Steuer ein. In der Autobahn-Abfahrt Geseke, die in einer 180-Grad-Kurve auf die Bürener Straße führt, schoss der Transporter durch den Grünbereich, zwischen zwei Baumstämmen hindurch. Einen verfehlte er dabei um etwa einen Meter. 

Anhand der Reifenspuren ist klar zu erkennen, an welcher Stelle der Fahrer von der Straße abkam und geradeaus in den Graben fuhr.

Nachdem das Fahrzeug auch die Spur der Autobahn-Auffahrt überquerte, krachte es frontal in die angrenzende Böschung, drehte sich um 180 Grad und kam zum Stillstand. Der Tacho blieb bei 90 km/h stehen. Wenige Momente später waren Alex Michaelis und Aileen Berg vor Ort. Der Autobahnpolizist und seine Kollegin der Autobahnpolizei Bielefeld wollten eigentlich gerade in Geseke wenden und in Fahrtrichtung Kassel zurück zu ihrer Dienststelle in Schloß Holte-Stukenbrock fahren, als der Unfall seinen Lauf nahm. 

Schwerer Unfall auf der A44: "Fahrer versuchte noch, sich selbst zu befreien"

„Der Fahrer war ansprechbar und versuchte noch, sich selbst zu befreien. Wir haben versucht, die Tür mit einem Brecheisen zu öffnen, aber es ging nicht. Der Mann war zu stark in seinem Fahrzeug eingeklemmt“, berichtete Alex Michaelis. Per Funk wurden über die Polizei-Leitstelle Rettungsdienst und Feuerwehr zur Unfallstelle gerufen. 

Die Feuerwehr war mit Kräften aus Geseke und Büren im Einsatz.

Da die genaue Lage des Unfallortes zunächst nicht ganz klar gewesen war, wurden die Feuerwehren aus Geseke und Büren gleichzeitig zum Einsatz gerufen. Neben dem Rettungsdienst des Kreises Soest rückte auch das DRK Geseke an. „Die schwerst eingeklemmte Person wurde von der Feuerwehr aus ihrem Fahrzeug befreit“, berichtete Gesekes Feuerwehrsprecher Michael Voß. 

Mit schwerem hydraulischen Gerät wurde der Sitz zurück gedrückt.

Ein Einbauregal im Heckbereich des Transporters war durch die Wucht des Aufpralls nach vorne geschleudert worden. Der Fahrer wurde zwischen seinem Sitz, der durch das Regal nach vorne gedrückt worden war, und dem Lenkrad eingeklemmt. Mit einem Hydraulik-Zylinder drückten die Einsatzkräfte der Feuerwehr den Sitz zurück, um den Schwerverletzten aus seinem Wrack zu befreien. 

Zur Befreiung des Fahrers musste eine Fahrzeugtür entfernt werden.

Nachdem die Fahrertür mit einem Hydraulik-Spreizer entfernt worden war, konnten Feuerwehr und Rettungsdienst den Mann ins Freie retten. Nach der Versorgung im Rettungswagen wurde er ins Krankenhaus gebracht. Alex Michaelis und Aileen Berg bekamen vom Notarzt eine wichtige Information überbracht: „Der Fahrer schwebt nicht in Lebensgefahr.“ Die Chancen stünden gut, dass er den Unfall und dessen Folgen gut überstehenden dürfte. 

Mit vereinten Kräften wurde der Fahrer aus dem Fahrzeugwrack gerettet.

„Da ist man natürlich selbst total erleichtert, wenn man sowas hört“, betont Alex Michaelis. Die Autobahn-Auffahrt war während der Rettungs- und Bergungsarbeiten voll gesperrt. Der in Richtung Dortmund fließende A44-Verkehr konnte einspurig an der Unfallstelle vorbeigeführt werden. 

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Bereits gegen 22.10 Uhr hatte es auf der A44 einen schweren Unfall gegeben, diesmal jedoch kurz hinter dem Kreuz Erwitte/Anröchte in Richtung Kassel. Da auch hier der genaue Unfallort zunächst unklar war, wurde die Feuerwehr Soest zur technischen Hilfeleistung in den Einsatz geschickt.

Als Rettungsdienst und Polizei vor Ort eintrafen, konnte die Unfallstelle genauer lokalisiert werden. Eigentlich lag sie im Einsatzbereich der Feuerwehr Anröchte. „Wir waren schon auf der Autobahn, als die ersten Rückmeldungen kamen, wo der Unfall sich genau ereignet hat. Da sind wir bis zur Unfallstelle durchgezogen“, berichtete Jürgen Wirth, Leiter der Feuerwehr Soest. 

Der Opel Astra wurde bei dem Unfall stark beschädigt.

Ein Auto war kurz hinter der Auffahrt Erwitte/Anröchte nach rechts von der Fahrbahn abgekommen. Der Wagen krachte in den Graben, drehte sich dort um 180 Grad. „Der 20-jährige Fahrer aus Paderborn verlor die Kontrolle über sein Auto aufgrund einer Unachtsamkeit“, berichtete die Polizei.

Demnach soll er gegenüber der Polizei ausgesagt haben, dass sich alle vier Insassen im jungen Erwachsenenalter „so gut unterhalten“ hätten. Der 20-jährige habe sich zu den beiden jungen Frauen, die auf der Rücksitzbank saßen, umgedreht. Kurz darauf geriet der Wagen von der Fahrbahn ab. 

Dieser Schilderung widersprach der verunfallte Fahrer gegenüber seinem Vater, der unsere Redaktion kontaktierte: Demnach habe die Polizei nur den Fahrer befragt, der jedoch unter Schock stand und "gar keine vernünftigen Angaben machen" konnte.

Der Fahrer versicherte, dass er sich nicht umgedreht habe. Zudem sei der Auslöser des Unfalls ein anderer gewesen: Ihm zufolge wich er einem "sehr langsam fahrenden" Pkw nach links aus, habe ihn "förmlich umrundet", ehe es zu dem Unfall kam.

In diesem Zusammenhang werden Zeugen gesucht, die laut Angaben des Fahrers "kurz nach dem Unfall" angehalten und gefragt hätten, ob alles in Ordnung sei. Auch der Fahrer, der zuvor von dem Opel überholt worden war, habe "kurz gehalten und geschaut". Die Zeugen können sich bei der Autobahnpolizei Dortmund unter der Telefonnummer 0231/1324951 melden.

Der Wagen drehte sich im Graben und kam dann zum Stillstand.

Der Fahrer, sein Beifahrer und eine der beiden Frauen auf der Rücksitzbank des Wagens wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Die zweite Frau (20) erlitt laut Angaben der Polizei schwere Verletzungen. Als die Rettungskräfte vor Ort eintrafen, hatte die Schwerverletzte das zerstörte Auto bereits verlassen, lag im Böschungsbereich und wurde von ihren Begleitern und ihrer Begleiterin versorgt. 

Feuerwehr-Einsatzleiter: "Es hat nicht ein einziger angehalten"

Feuerwehr-Einsatzleiter Jürgen Wirth hob hervor, dass es gut gewesen wäre, wenn Autofahrer angehalten und die Unfallstelle mit ihrem Warnblinklicht abgesichert hätten. 

Das übernahm dann die Feuerwehr nach entsprechend langer Anfahrt. Zudem unterstützten die Einsatzkräfte der Feuerwehr Soest den Rettungsdienst bei der Versorgung der Patienten und stellten den Brandschutz sicher. Die verletzten kamen in Krankenhäuser in Soest und Paderborn.

Schwerer Unfall auf A44 bereits am Samstag: Motorradfahrerin (87) schwer verletzt

Bereits am Samstagmittag wurde eine 87-jährige Motorradfahrerin gegen 15.40 Uhr auf der A44 bei einem Motorradunfall schwer verletzt. Ersten Erkenntnissen zufolge war die 87-Jährige aus Koblenz auf regennasser Fahrbahn mit ihrem Motorrad auf dem rechten Fahrstreifen in Richtung Dortmund unterwegs. 

Hinter der Anschlussstelle Geseke verringerte sie ihre Geschwindigkeit, um auf den Rastplatz "Hellweg" zu fahren. Ein ihr nachfolgender Autofahrer (80) aus Höxter erkannte die Situation offenbar zu spät. Er versuchte noch zu bremsen, fuhr jedoch auf das Motorrad auf.

Die 87-Jährige stürzte und erlitt schwere Verletzungen. Ein Rettungswagen brachte sie zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Der Autofahrer blieb unverletzt.

Lesen Sie auch: Für Kopfschütteln sorgte zuletzt ein Autofahrer bei einem Unfall auf der A44 bei Anröchte. Er hing sich in der Rettungsgasse an die Einsatzfahrzeuge und blieb erst ganz am Ende stehen.

Bei einem Unfall bei Tempo 160 auf der A44 wurde ein Ehepaar schwer verletzt.

Quelle: wa.de

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