Aufrufe zur Selbstjustiz

9-Jährige belästigt? Polizei hält Facebook-Eintrag für „bedenklich“

+
Eine 9-Jährige ist angeblich von einem Mann belästigt worden. Die Mutter postete den Vorfall auf Facebook. 

Eine 9-Jährige wird angeblich von einem Unbekannten belästigt - die Polizei ermittelt. Dass die Mutter des Mädchens zu dem Vorfall einen Beitrag auf Facebook postet und die Personenbeschreibung des Mannes hinzufügt, halten die Beamten für bedenklich.

+++ Update, 16. Januar 2020: Nachdem die Mutter und ihre Tochter zu dem Vorfall angehört wurden, hat die Polizei eine neue Entwicklung in dem Fall der mutmaßlichen Belästigung einer 9-Jährigen mitgeteilt. Demnach habe anhand der Personenbeschreibung und nach Hinweisen von Zeugen ein 35-jähriger Mann aus Eiserfeld ermittelt werden können, auf den die Beschreibung augenscheinlich zutraf. Der Mann habe nach der polizeilichen Überprüfung mit Sicherheit als Verdächtiger ausgeschlossen werden können. Die Kripo ermittelt weiter. 

Siegen - Der Eintrag im sozialen Netzwerk hatte sich rasend schnell über die üblichen Kanäle verbreitet. Er ist mehr als 300 mal kommentiert und über 2000 mal geteilt worden. Die Mutter des Mädchens schildert in dem Post, dass ihre Tochter in der Ortsmitte des Siegener Stadtteils Eiserfeld „von einem südländischen Kerl angegriffen“ worden sei. „Er hatte sie gepackt und wollte sie wegziehen“, ihr Kind habe sich aber „losreißen“ können. 

Der Mann – laut Eintrag 1,85 Meter groß, schwarze Haare, dunkle Kleidung und rote Wollmütze – sei dem Mädchen hinterhergelaufen, habe dabei auch seine Tasche weggeworfen. Schließlich habe die 9-Jährige nach Hause flüchten können. Zuhause habe das Kind dann der Mutter von dem Vorfall berichtet, diese hat dann die Polizei informiert. 

Polizei will Kameras auswerten

Polizeipressesprecher Michael Zell bestätigte der Redaktion, dass die entsprechende Anzeige entgegengenommen worden sei. Die Personenbeschreibung laut Kind sei „auffällig“. „Der Mann hätte laut dieser Beschreibung eigentlich auffallen müssen“, so Zell. Nachfragen bei Geschäften in der Ortsmitte – unter anderem auch in einer Bäckerei, in der der Mann angeblich gewesen sein soll – seien aber ergebnislos geblieben. „Wir ermitteln weiter. Unter anderem werden wir auch schauen, ob wir Überwachungskameras auswerten können“, so der Pressesprecher. Eine Warnung an die Bevölkerung hielt die Polizei aktuell für nicht notwendig. 

Kritisch sieht der Polizeipressesprecher den öffentlichen Eintrag der Mutter bei Facebook. Einerseits könne er es verstehen, dass man in einer solchen Situation aufgebracht sei und Mitbürger warnen möchte. Und man sei natürlich auch froh, wenn sich Kinder nach brenzligen Situationen ihren Eltern und dann auch der Polizei – die das Kind am Dienstag noch einmal befragen möchte – anvertrauen würde. Andererseits müsse man sich darüber im Klaren sein, was ein solcher Eintrag in sozialen Netzwerken eben auch bewirken könne. 

"Deutsche wehrt euch endlich"

Und diese Auswirkungen waren am Dienstagabend zu sehen: „Baseballschläger, ohne Gnade“ schreibt Joe H., Detlev H. antwortet mit „Flammenwerfer“. Uwe D. postet ein Bild mit Gewehrmunition, verbunden mit dem Slogan „Geht ins Ohr, bleibt im Kopf“. Marc A. schreibt „den müsste man direkt zum Krüppel schlagen, ohne Vorwarnung“. Harald R. fordert: „Deutsche wehrt euch endlich“, „Uzi raus und weg mit der Scheiße“, schickt Rudi L. hinterher. „Die Jagd nach dem Drecksack ist eröffnet“, kündigt Andy F. an. Und Tim-Pia Baum denkt: „Hier hilft nur noch Selbstjustiz!“ 

Am späten Dienstagabend werden diese Gewaltfantasien auch der Mutter des 9-jährigen Mädchens zu viel. „Es schweift mir hier alles zu heftig ab. Das war nicht mein Ziel.“ Inzwischen hat die Frau ihren Post komplett gelöscht.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare