Hohe Geldstrafe und Fahrverbot

Minutenlang auf der Lichthupe: Porschefahrer muss nach Nötigung auf A44 zahlen

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Soest - Mit 75 lassen es viele ja gern etwas ruhiger angehen - nicht so der Porschefahrer aus Neuss, der vor rund einem halben Jahr ziemlich schnell auf der A44 bei Soest unterwegs war und dort gehörig drängelte. Er wurde jetzt in Soest verurteilt. 

Als Gefäßchirurg auf dem Weg zu einem Einsatz hatte der 75-Jährige Chefarzt schon häufiger die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten und hat bereits 2.740 Euro zahlen müssen, seinen Führerschein durfte er jedoch aufgrund der Notfallsituationen immer behalten. Diesmal jedoch habe kein Grund für Eile bestanden. 

Dennoch: Am 31. Mai soll der Mediziner aus Neuss mit seinem Porsche Cayenne auf der A44 bei Soest so dicht auf ein Fahrzeug aus Langenfeld, das gerade mehrere Lastwagen überholte, aufgefahren sein, dass der Fahrer die Scheinwerfer des Porsche schon nicht mehr habe sehen können. Aufgrund des starken Verkehrs konnte der Fahrer des vorderen Fahrzeugs weder schneller fahren noch auf die rechte Spur zwischen die Lastwagen wechseln, und so sei der Neusser nach mehreren Minuten der Lichthupe schließlich zwischen zwei Laster gefahren, obwohl diese dicht auf dicht fuhren, und habe das Auto von rechts überholt. 

Arzt in Unfall verwickelt

Der Fahrer wurde dadurch zum Bremsen genötigt, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Vor dem Kreuz Unna sah man sich wieder. Der Arzt war diesmal in einen Unfall verwickelt, ausgelöst durch ein misslungenes Überholmanöver, dass ein eingestelltes Bußgeldverfahren nach sich zog, und die beiden Fahrer wendeten im Kreuz und dann abermals an der Abfahrt Unna-Ost, um bei dem Polizisten ihrerseits Anzeige gegen den Arzt zu erstatten. 

Der wiederum legte vor Gericht seine Termine jenes Tages offen: Er habe Zeit genug gehabt, um zu seinem Termin zu kommen, habe also keine Notwendigkeit gehabt, unnötig das Gaspedal durchzutreten. Außerdem übte er harsche Kritik an den Polizeibeamten, die den Unfall aufnahmen und ihm „den Mund verboten. 

Der Polizist sagte: "Sie geben mir jetzt 35 Euro, dann ist die Sache vergessen. Sonst geht die Sache vor Gericht, und von mir bekommen Sie noch ein wenig Verkehrserziehung oben drauf.“ Seit 58 Jahren habe er seinen Führerschein, bis zu jenem Tag sei er unfallfrei gefahren. 

30 Tagessätze á 150 Euro 

Die Staatsanwältin sah trotz der etwas lückenhaften Erinnerung der beiden Zeugen aus Langenfeld, was ihre eigene Geschwindigkeit zum Tatzeitpunkt angeht, den Tatvorwurf der versuchten Nötigung „im Wesentlichen bestätigt“ und plädierte auf eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 150 Euro, was einem Netto-Monatsgehalt des Arztes entspricht, und ein zweimonatiges Fahrverbot. 

Der Anwalt des Arztes hingegen verlangte einen Freispruch und bezeichnete das Fahrverbot als „völlig unangemessen“, da es seinem Mandanten die Möglichkeit nehme, zu Notfällen auszurücken. Der Richter schloss sich der Forderung der Staatsanwältin an. Er fand die Schilderung der Zeugen glaubhaft und sah auch keinen Anhaltspunkt, warum die Zeugen den ihnen völlig fremden Arzt „in die Pfanne“ hätten hauen sollen. 

„Wäre der Angeklagte aus dringenden beruflichen Gründen unterwegs gewesen, wäre er freizusprechen gewesen. Ein Lerneffekt durch die früheren Verurteilungen ist nicht zu erkennen.“ Der Arzt, nach eigener Aussage ein „Guru“ auf seinem Fachgebiet und mit einem Monatseinkommen von 7000 Euro brutto gesegnet und somit mit hinreichend Geld für seine Anwaltskosten ausgestattet, kann nun noch in Berufung zu gehen. 

Quelle: wa.de

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